#Privatparkplatz?

Neues Jahr, und das Drama geht weiter. Die Rede ist von Falschparkenden, die in vielen Teilen Hamburgs, allen voran in den dicht besiedelten und eng bebauten Altbaustadtteilen wie Eimsbüttel, Ottensen, Eppendorf, Rotherbaum, um nur wenige Beispiele zu nennen,  zu einer echten Plage geworden sind.

Nicht nur, dass die Blechschwemme für Staus auf den Straßen sorgt, sie erdrückt, wenn sie mal nicht gerade unterwegs ist, gnadenlos jeden Quadratzentimeter Freifläche in der Stadt. Nicht unterwegs ist diese Blechschwemme bekanntermaßen etwa 23 Stunden am Tag und mit Freiflächen sind vor allem Fuß- und Radwege, Kreuzungsbereiche, Plätze, straßennahe kleine Biotope und sonstige Grünanlagen gemeint.

780.000 KFZ, die aktuell in Hamburg zugelassen sind, müssen natürlich irgendwo parken. Vielleicht sind diese Automengen für Hamburg aber schlicht zu groß, wie das Bild, welches besagte Viertel Tag für Tag aufs Neue liefern, schonungslos zeigt. Vielleicht ist es an der Zeit, etwas dafür zu tun, die Autos langsam in ihrer Anzahl zu reduzieren. Das geht. Durch den Ausbau von öffentlichem Nahverkehr, einer deutlichen Attraktivitätssteigerung des Radverkehrs, für den Raum zur Verfügung gestellt wird, um sichere und gute Radwege zu bauen sowie durch mehr öffentlichen Raum, der für Plätze und autofreie Zonen hergerichtet wird. Gleichzeitig und im Gegenzug müssen Parkplätze im größeren Stil zurückgebaut werden sowie das Autofahren in der Stadt an sich unattraktiver werden. Der Hamburger CDU Verkehrsexperte Dennis Thering, der genau wie wir sichere Radwege fordert, dürfte sich freuen.

Nun, mit dem Bau neuer Radwege ist Hamburg ganz fleißig dabei, wobei leider oftmals an den Bedürfnissen der Radfahrenden vorbei gebaut wird – aber das ist ein anderes Thema.

Allein was eindeutig fehlt, sind weitere Schritte, das Halten eigener Stadtautos vermehrt in Frage zu stellen. Die Mittel dazu sind ganz einfach: Aufzetteln, abschleppen und zupollern, was nicht unbedingt für Radfahrende und Fußgänger frei bleiben muss. Ein wenig komplizierter, aber auch machbar: Verstärktes Anwohnerparken sowie kostenpflichtiges Parken überall in der Stadt. Noch ein bisschen schwieriger, aber gewiss nichts Unmögliches stellt schließlich eine Citymaut dar bzw. gleich die komplett autofreie Innenstadt, wie sie etwa Oslo in den nächsten Jahren anstrebt. Letzteres sind  Dinge, von denen die Hamburger zunächst höchstens weiter träumen können; die einfachen Methoden allerdings sollten und müssen machbar sein.

Kurz nach dem Schulbeginn ist das Thema sicherer Schulweg wie jedes Jahr wieder auf die Tagesordnung gekommen und viele waren geschockt von den hohen Unfallzahlen mit Kindern auf unseren Straßen. In Presse und Schulen werden Tipps gegeben, wie sie möglichst sicher zur Schule kommen, Verkehrserziehungspolizisten und der Kasper geben sich redlich Mühe, damit die Steppkes ja keine Fehler machen. Nur wieso müssen eigentlich immer die Kleinen herhalten und sich anpassen an das Fehlverhalten der Erwachsenen?

Warum nicht all das mal umdrehen und den Großen sagen, wo Schluss mit lustig ist? Denn sie – nur sie! – sind diejenigen, die diese Probleme erst schaffen. Wäre es nicht mal an der Zeit, damit zu beginnen, sie, und nicht die Kinder zu erziehen?

Nicht nur mit seltenen „Achtung, Schule hat begonnen!“ Bannern, sondern vor allem mit nervigen, früher oder später kostspieligen Knöllchen und regelmäßigen Abschlepp-Razzien?

Es ist schön, begrüßenswert und gut, wenn zumindest der Bezirk Eimsbüttel langsam beginnt, wach zu werden und nun durch sichere Rad-Schulwege sogar zu einer Kinder-Fahrradstadt werden möchte. Das Albrecht-Thaer-Gymnasium in Stellingen und die Grundschule Turmweg in Harvestehude sind nun als Pilotprojektschulen auserwählt, um gemeinsam mit den SchülerInnen entsprechende Schulradwegpläne zu entwickeln und Bezirksamtsleiter Gätgens wird gebeten, dabei ordentlich behilflich zu sein. Man darf gespannt sein, bis an welche Ecke der Schulradweg-Atem für’s Erste reicht. Nur was nützt all das, solange grundsätzliche Probleme nicht ernsthaft angegangen werden?

Unsere nächste Grundschule ist die Grundschule Rellinger Straße, gleich nebenan befindet sich eine Kita. Es befinden sich viele Spielplätze in der nahen Umgebung und sehr viele Familien mit Kindern wohnen hier.

Seit einigen Wochen dokumentieren wir, was auf den „Privatparkplätzen“ direkt in unserer Straße so los ist. Erstaunlich ist dabei, wie dreist resistent einige doch sind und immer wieder ihre fahrbaren Untersätze auf die gleichen Plätze stellen – Hauptsache bloß nicht weit zur eigenen Haustür laufen zu müssen. Dabei wird das Blockieren von Kreuzungen, Fuß- und Rettungswegen rücksichtslos in Kauf genommen und die Stadt sieht zu und tut – nichts. Durch dieses Nichtstun toleriert die Stadt, dass alle übrigen Verkehrsteilnehmer und Anwohner hier das Nachsehen haben und sogar unnötig gefährdet werden. Muss das wirklich sein, Kinder-Fahrradstadt Hamburg Eimsbüttel?

 

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Solange die Stadt ihren Aufgaben offensichtlich nicht hinterher kommt, darf dem Ordnungsamt gerne dabei geholfen werden. Tue Gutes für dich und deine Stadt, denn mit mehr Einnahmen können schöne und nützliche Dinge finanziert werden. Neue Poller und Fahrradbügel zum Beispiel.

Macht Fotos vom „Privatparkplatz“ und heftet es an eine Mail mit folgendem Inhalt:

Sehr geehrte Damen und Herren,

Tattag: Hamburg, x. Januar 2018, xx:xx Uhr
Kfz-Kennzeichen: xx xx xxxx

Tatort: XX Straße / Kreuzung XXstraße
xxxxx Hamburg

Genauer Tatvorwurf: Dieses KFZ blockiert den Fußweg / Schulweg im
Kreuzungsbereich.

oder:
Parkt auf dem Radweg
Parkt mitten im Kreuzungsbereich
Zerstört ein Biotop
Versperrt Einfahrten/Rettungswege
Tut meinen Augen weh (naja…)

Vollständiger Name und Anschrift des Anzeigenden:
xyz
xyz
Beweisfoto, aus dem Kennzeichen und Tatvorwurf erkennbar hervorgehen:
siehe Anhang

Mit freundlichen Grüßen

xyz

Das ganze geht an folgende Adresse:
anzeigenbussgeldstelle@eza.hamburg.de

Wer mag, lädt seine Bilder (aber Nummernschild dann schwärzen!) auch auf twitter hoch mit #Privatparkplatz #Hamburg #Stadtteil. Wenn’s richtig schlimm ist, auch mal eine Mail an polizeioeffentlichkeitsarbeit@polizei.hamburg.de senden.

Freie Wege für Fußgänger bedeuten, auch der Fahrradstadt ein Stückchen näher zu kommen. Denn Städte, die nett zu ihren Fußgängern sind, sind meistens auch nett zu ihren Radfahrern, sagt Jan Gehl.
Er wird es wissen.

KURS FAHRRADSTADT am 25. Februar auf der adfc-Messe „Rad+Reise“ in der Alsterdorfer Sporthalle treffen

Noch nicht unterzeichnet? Dann aber los jetzt!
https://www.change.org/p/kurs-fahrradstadt-fahrradstadt-konsequent-bauen-statt-radler-neuen-gefahren-auszusetzen 

kfhhlogo-change-org

5 Kommentare zu „#Privatparkplatz?“

  1. Die Aufforderung „Tue Gutes für dich und deine Stadt, denn mit mehr Einnahmen können schöne und nützliche Dinge finanziert werden. Neue … Fahrradbügel zum Beispiel.“ ist leider nicht nur in Hamburg nötig. In Hamburg habe ich schon vor vierzig Jahren erlebt, daß Falschparker abgeschleppt wurden. Es sind wohl einfach zu viele, als dass die Mitarbeiterinnen des Ordnungsamtes alle ausfindig machen könnten. Wer Hilfe braucht, dem sollte geholfen werden.
    In Lüneburg wird nie abgeschleppt! Nicht einmal bei zugeparkten Feuerwehrzufahrten (Salü).

  2. Drei Anmerkungen:

    1. Zum Anzeigen und Twittern kann man auch die Wegeheld-App verwenden, die wird demnächst schrittweise verbessert und deutlich beschleunigt.

    2. Um Privatautos zu reduzieren, ist (Stations-)Carsharing eine sehr wichtige Säule! Ein Carsharing-Auto ersetzt 10-20 Privatautos. Viele Leute, die ihr Auto selten fahren, können sich (noch) nicht vorstellen, ganz ohne Auto auszukommen (Einkaufsfahrt etc). Aber mit einem Wohnortnahen Stationsnetz (seit einer Weile können Städte einfach Carsharing-Stellplätze ausweisen) kann man wenig genutzte Privatautos schrittweise ersetzen.

    3. Der Bußgeldkatalog gehört drastisch erhöht. Ja, das geht nur bundesweit und wird deshalb immer wieder sofort abgetan, wenn man mit der Kommune diskutiert. Aber „Hamburg ist überall“, zumindest was das Problem Falschparker angeht sieht es in allen größeren Städten (und da reichen bestimmt schon 100000 Einwohner) so aus. Gerade diejenigen, die das komplette Verkehrschaos verhindern (nämlich die, die das Auto gerade nicht nutzen), werden rücksichtslos blockiert. Die schweren Autos (Transporter, SUV) machen auch die Radwege 100x schneller kaputt als die Fahrräder selbst. Alle Investitionen in Radwege sind wie eine Gipsbüste im Park, so lange wir dieses Problem der Falschparker nicht lösen. Abschleppen ist ein Teil der Lösung, aber tatsächlich oft mit erheblichen Auswirkungen auf den Rest des Verkehrs (mindestens hier in Halle oft mit massiven Störungen des Straßenbahnverkehrs, der sich noch über Stunden auswirkt). Ich sehe mittlerweile Abschleppen nicht mehr als Hauptlösung, da es mindestens über ein paar Monate massiv gemacht werden muss.

    Um den Bußgeldkatalog anzugreifen, brauchen wir zeitgleiche öffentlichkeitswirksame Aktionen in vielen Städten. Verschiedene gute, kreative Ideen sind ja in den letzten Jahren schon im Umlauf und realisiert. Vielleicht bekommen wir diesmal auch einen Verkehrsminister mit Interesse für Verkehr.

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