Hamburger Verkehrspolitik tötet

Der 7. Mai 2018 ist in Hamburg ein wunderschöner, sonniger und warmer Frühlingstag. In der Stadt, die sich selbst seit einiger Zeit Fahrradstadt nennt, schwingen sich an Tagen wie diesem unzählige Hamburgerinnen und Hamburger auf ihre Drahtesel. Diese Idee hatte auch eine junge Mutter. Doch der vermeintlich schöne Morgen endet in einer Tragödie. Die Altonaerin lässt ihr Leben in Hamburg Eimsbüttel, Osterstraße, Ecke Eppendorfer Weg.

Aus dem Eppendorfer Weg kommend, wollte die Radlerin geradeaus die Osterstraße überqueren.  Doch gegen den rechtsabbiegenden LKW hatte sie keine Chance.
Es gibt an dieser Stelle weder einen Fahrradweg, noch, wie seit Jahren schon gefordert, Tempo 30.  Dennoch ist es für jeden, der diese Ecke kennt, schwer nachzuvollziehen, wie hier ein derartig heftiger Unfall passieren konnte. Mitten in Eimsbüttel, einem der Fahrrad-Hotspots in Hamburg. Überall fahren Leute hier auf Rädern. Doch diese Idylle ist trügerisch.

Der heutige Unfall zeigt wieder einmal, wie gefährlich es sein kann, in dieser Stadt mit dem Fahrrad unterwegs zu sein. Es zeigt auch, dass etwas nicht stimmt in dieser „Fahrradstadt“, wenn weiter das Recht des Stärkeren gelten soll – der noch dazu meist aufgefangen wird von zahlreichen um einen herum aufpoppenden Airbags und sonstigen Assistenzsystemen.

Heute Abend gab es eine Mahnwache an der Unfallstelle. Viele Menschen sind gekommen und haben sich auf die Straße gelegt. Das ist ein starkes Zeichen und wichtig, denn nun hat Hamburg schon das zweite Fahrradopfer in dieser noch sehr jungen Fahrradsaison zu beklagen. Soeben bekomme ich die Meldung, dass es heute in München ebenfalls einen tödlichen Unfall gab. Ein 9-jähriges radelndes Mädchen wurde auch hier von einem abbiegenden LKW überfahren. Es ist unfassbar.

Wir von KURS FAHRRADSTADT sind tief betroffen und denken an die trauernden Familien.

Es ist ein Skandal, dass in Hamburg wider besseren Wissens weiter eine Verkehrs- und Fahrradpolitik geführt wird, die tötet. Denn wie sonst sollen wir es verstehen, warum – wenn überhaupt – meist nur ein paar weiße Streifen auf Fahrbahnen gemalt werden, die nicht wirklich schützen? Warum werden Radfahrende ungeschützt auf die Fahrbahnen geschickt und damit schwere Unfälle billigend in Kauf genommen? Weil, wie es immer wieder heißt, niemand ‚benachteiligt‘ werden soll?

Das gilt sogar bei Umbauten, die noch im Anfang des Planungsprozesses sind, wie z.B. für die Elbchaussee.  Bürgerbeteiligung wird besonders groß geschrieben, das ist begrüßenswert. Bei der Vorstellung der Ergebnisse der Online Beteiligung bei der Auftaktveranstaltung letzten Freitag wurde besonders deutlich, dass sich die Bürger für die Elbchaussee vor allem „richtig gute Fahrradwege“ an dieser Straße wünschen, „wie in Kopenhagen“, also durch Bordstein getrennt vom übrigen Fahrbahnverkehr. Allerdings hat die Sache einen Haken: „Die Leistungsfähigkeit für den KFZ Verkehr soll nicht beeinträchtigt werden“ und bessere Radwege sollen „überall da gebaut werden, wo es möglich ist“. So ist es schon in den Zielen des Umbaus von der Stadt formuliert. Damit ist von vornherein klar, dass das Ziel offensichtlich nicht fortschrittliche Verkehrsplanung ist, sondern die Prioritäten nach wie vor in der gestrigen „autogerechten Stadt“ liegen. Bei Rädern und Fußverkehr jedenfalls nicht.

Anders ausgedrückt: Städtische Straßen sind keine Autobahnen. Es muss daher eine Selbstverständlichkeit werden, dass die Planung der Straßen grundsätzlich zunächst gut auf die Bedürfnisse der Fußgänger und Radfahrer abgestimmt wird, bevor die Belange des Kraftverkehrs berücksichtigt werden. Im Eppendorfer Weg hätte heute z.B. eine großzügige, simple Aufstellfläche für Radfahrende noch vor der Fahrbahnhaltelinie für Autos und Lastwagen unter Umständen Leben retten können. Doch selbst eine so billige Lösung ist hier bis heute unterblieben. Über die in Deutschland in ewige Längen gezogene schändliche Diskussion über eine Vorschrift, egal ob national oder EU-weit, Abbiegeassistenzsysteme für LKWs verpflichtend zu machen, mag KURS FAHRRADSTADT an dieser Stelle keine weiteren Kommentare hinzufügen. Bis auf den Hinweis, dass es solche Systeme bereits seit 2001 gibt.

Die Stadt muss endlich ihrer Aufgabe nachkommen und diejenigen schützen, die diesen Schutz am meisten brauchen. Jedes andere Handeln ist schlicht verantwortungslos!

Und es ist die Aufgabe jedes Einzelnen unseren Senat daran zu erinnern und diese Mindeststandards einzufordern.

Darum bitten wir alle, die dieses hier lesen, die Arbeit von KURS FAHRRADSTADT und vom „Radentscheid Hamburg“ zu unterstützen. Geredet wurde genug, nun muss Fahrradstadt auch tatsächlich gebaut werden!

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8 Kommentare zu „Hamburger Verkehrspolitik tötet“

  1. Hey Kai, hast du dich schon wieder verrannt? Da ist ein Radweg, auf beiden Seiten der Osterstraße, verbunden durch eine Radfurt. Und genau diese Radfurt wurde von der Frau befahren. Jetzt ist sie tot. Wegen eines Radwegs.

    Was was fordert ihr? Radwege. Merkt ihr eigentlich noch irgendwas?

    1. Die Frau fuhr auf dem Eppendorfer Weg. Dort ist, wie von Kai richtig dargestellt, kein Radweg.
      In der Osterstraße gibt es Radwege, allerdings nur teilweise. Die vorhandenen Eadwege sind sehr schmal und zwingen vorbeifahrende Autosczu engem Vorbeifahren. Diese Radwege mögen besser sein als gar keine; Sicherheit gewährleistete sie nicht, sondern im Gefenteil eher Un-Sicherheit.

  2. @Rod: Was möchtest du uns bitte sagen? Kurs Fahrradstadt setzt sich für sichere Radwege ein. Wenn man weiter liest, erfährt man auch, was damit gemeint ist, nämlich eine geschützte Radinfrastruktur. Dazu gehören Protected Bikelanes wo es möglich ist, Ampelvorrangschaltungen für Radfahrer oder Haltezonen vor dem motorisierten Verkehr, damit der einen sieht u.v.m.

    Wenn man nicht lesen will, kann man sich das auch im Video ansehen. Aber hier zu diesem traurigen Anlass rumzustänkern finde ich total daneben.

    1. Die Radfurt benutzte sie. Das ist Infrastruktur, wie sie für eure tollen Radwege vorgesehen ist. Was gibt es da nicht zu verstehen?

      Das was Ihr wollt, ist das, was sie getötet hat.

      1. @Peter @Rod,
        wir von KURS FAHRRADSTADT möchten uns nicht vorwerfen lassen, Kommentare nur deswegen nicht zu veröffentlichen, weil sie uns nicht ins Konzept passen könnten. Was wir aber nicht zulassen werden, ist, dass hier, nach diesem tragischen Unfall, völlig unqualifizierte Meinungen freigeschaltet werden. Dies ist bisher teilweise leider auch schon geschehen.

        Kurz zur Klarstellung: Die Polizei ruft nun doch noch Zeugen auf, sich zu melden, weil es offenbar noch Unklarheiten gibt. Abgesehen davon ist es völlig fehl am Platze, darauf herumzureiten, ob der Unfall nun zwei Meter weiter rechts oder links geschehen ist. Eine Radfahrerin wurde überfahren. Das reicht.

        Wir haben jede Menge Material zusammengetragen, welches veranschaulicht, was wir für sicheren Radverkehr auf Hamburgs Straßen fordern, hier z.B.: https://kursfahrradstadt.wordpress.com/kurs-fahrradstadt-faq/

        Seit 2 Jahren setzt sich die Initiative KURS FAHRRADSTADT nun für sicheren Radverkehr in Hamburg ein, damit Unfälle wie z.B. dieser hier möglichst verhindert werden.

        Mehr Respekt allen gegenüber wäre sehr wünschenswert. Vielen Dank.

        Kai Ammer

      2. Nicht die Radfurt hat sie getötet, sondern der LKW. Herauszufinden wie das passieren konnte, ist Aufgabe der Polizei. Wenn du dazu beitragen kannst, melde dich bitte bei der Polizei.

  3. Ihr wollt Hochbordradwege. Sie fuhr auf einer Radfurt für Hochbordradwege.

    Sie ist tot. Ihr bleibt bei eurer Meinung. Ok.

    Aber begründet eure Meinung doch nicht mit etwas, das eurer Forderung widerspricht.

    Und natürlich kommt es oft genug auf zwei Meter mehr rechts oder links an. So ist das mit der Geometrie. Unglaublich.

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