Fahrradstadt verdaddelt

Gestern fand die Vorstellung der finalen Pläne für die Neugestaltung der Harkortstraße in Altona statt. In der restlos vollen Aula der Theodor Haubach Schule wurde auf meterlangen Stellwänden der gesamte Verlauf der Straße, die schon bald pulsierende Hauptstraße der neuen Mitte Altona werden soll, vorgestellt. Dabei handelt es sich um ein städtebauliches Projekt zur Umwidmung zahlreicher ehemaliger Bahnanlagen des Bahnhofsgeländes Hamburg Altona. Der Stand von Sommer 2017 wurde dem der aktuellen Planungen (noch nicht online verfügbar) gegenübergestellt und zahlreiche hübsche Visualisierungen lassen einem die rechts und links liegenden neuen Quartiere Neue Mitte und Holstenareal (auch die Brauerei Holsten zieht bald an den Stadtrand) als hippe, urbane Wohnräume erscheinen, in denen an alles gedacht wurde.

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Was an dieser Straße bald alles so abgeht, ist schon klar…. Visualisierung der Planungen bei Informationsveranstaltung  in der Theodor Haubach Schule.  Hier ist der Bereich der Kleiderkasse zu sehen.

Die Präsentation, die die steg-hamburg und das Bezirksamt Altona vorstellten, erkennt und benennt klar die Rahmenbedingungen: 1600 Wohnungen im ersten Bauabschnitt der neuen Mitte, weitere 1900 im zweiten Bauabschnitt sowie 1300 neue Wohneinheiten auf dem Holstenareal (Präsentation zur Entwicklung des Holstenareals hier). Hinzu kommen bald vier Kitas, zwei Schulen, ein neuer Park, der sich im Bereich der historischen Kleiderkasse über die Harkortstraße hinweg von Quartier zu Quartier zieht. Genau an dieser Stelle entstehen außerdem noch Sportplätze, eine neue 3-Feldsporthalle für die Schule, die obendrein noch einen Anbau erhält. Im Park, der in einen „Aktiv“ Bereich und einen „Erholungsbereich“ geteilt wird, werden rund um die Kleiderkasse auch Spielplätze gebaut. In den ehemaligen Güterhallen am Ende zur Julius-Leber-Straße hin befindet sich zudem ein neues Nahversorgungszentrum im Bau. Eine Buslinie wird durch die neue Harkortstraße führen, um die neue Mitte Altona ans HVV Netz anzubinden. Dafür werden zwei Bushaltestellen in die Straße kommen, ebenso zwei Zebrastreifen. Kurz, man kann sich bildlich vorstellen, wie lebendig und trubelig es hier in einigen Jahren sein wird, insbesondere rund um den Bereich der Kleiderkasse, dem Herzstück des gesamten Quartiers. Man bekommt eine Ahnung davon, wie viele neue Mitbewohnende (und selbstverständlich auch die jetzt schon hier Wohnenden!) hier gerne mit dem Fahrrad fahren würden. In den neuen, als „autoarm“ gepriesenen Quartieren, wurde die Fahrradstadt allerdings glatt verdaddelt.

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Finale Planung des letzten Endes vor der Stresemannstraße. Nur hier wird es durchgängige „Schutz“Streifen geben. Dank Bürgerbeteiligung gibt’s nun sogar einen Zebrastreifen.

Tempo 30 in der Harkortstraße wird es nur im Bereich rund um die Kleiderkasse geben, sonst gilt Tempo 50. Ob hier, wie von den Anwohnenden ausdrücklich gewünscht, tatsächlich eine Fußgängerampel gebaut wird, steht ebenso noch in den Sternen – die Behörden „prüfen“ das noch. Von heute etwa 5.100 KFZ, die täglich diese Straße durchfahren, gehen die Zahlen auf stolze 10.600 hinauf, die zumindest nach allen bekannten Kriterien im größten Teil der Harkortstraße erwartet werden. Zum Vergleich: Durch Eimsbüttels Osterstraße rauschen täglich etwa 13.000 KFZ. Dementsprechend wird eine Art Boulevard-Autobahn mitten durch ein dann sehr stark besiedeltes Wohnquartier führen, diverse alte Bäume fallen, dafür kommen viele Mittelstreifen und Inselchen, Osterstraße 2.0 lässt grüßen (Siehe auch: „Bummler stechen Radler aus“). Ach ja: Radfahrende bekommen Schutzstreifen ab etwa der heutigen Brauereieinfahrt bis zumindest zur Bahnbrücke kurz vor der Stresemannstraße. Wie es unter der Brücke bis zur Kreuzung weitergeht, wurde erst gar nicht gezeigt. Fast im gesamten restlichen Bereich der neuen Harkortstraße wird es nicht mal Schutzstreifen geben – bei Mischverkehr bis zu Tempo 50. Für junge und ältere Menschen auf dem Fahrrad ist das eine Zumutung.

Weit schlimmer, als diese schlechte Lösung für den Radverkehr indes ist jedoch die Tatsache, dass zwischen den Clustern Bahnhof Altona, der neuen Mitte und weiter über den zukünftigen Fernbahnhof am Diebsteich sowie rüber ins nahe Zentrum von Eimsbüttel nicht eine einzige Radverkehrsverbindung geschaffen wird, auf der sicheres, möglichst gefahrloses radeln möglich ist.  Die neuen Hotspots Hamburgs haben es also nicht nötig, eine Verbindung zu bekommen, die sich auch nur annähernd als Premiumradweg bezeichnen lassen kann. Angesichts der Tatsache, dass demnächst die recht parallel verlaufende Max Brauer Allee neu gebaut wird (Räder und Busse auf einer Straßenseite auf gleicher Spur, sonst nur die üblichen Pinseleien, Planungen hier) und es dazwischen auch noch die Haubachstraße gibt, ist das Ergebnis in dieser Beziehung nur noch unterirdisch. Eindrucksvoll wird vorgeführt, wie undurchdachte und rückschrittliche Planungen durchgedrückt werden, weil nach wie vor zu sehr auf einzelne Straßenprojekte geblickt wird. Einzelne Straßen, die allen, vor allem den Autos, alles bieten sollen und darum nicht sein können, wie sie sein müssten. Um mehr Menschen zum Umstieg zu bewegen und vom Fahrradfahren zu begeistern. Wo, wenn nicht in fast komplett neu zu bauenden Quartieren in Stadtteilgröße sollen sonst jemals in dieser Stadt solche Radwege entstehen können? Wo, wenn Fehler aus der Hafencity wiederholt werden? Für den rotgrünen Fahrrad-Senat bleibt daher nur eines zu sagen: Neue Mitte Altona – Treffer! – und Fahrradstadt versenkt.

Gegen die nach wie vor autozentrierte Mobilitätspolitik mit all seinen negativen Begleiterscheinungen gibt es aber immer mehr Widerstand: Hier, auf KURS FAHRRADSTADT, wo bald 2000 Menschen unserem Bürgermeister sagen, dass es so nicht weitergeht. Auch du kannst die Petition von KURS FAHRRADSTADT hier auf change.org unterzeichnen und dich über vieles Weiteres, z.B. unser FAQ (Was wir wollen, in Kurzform)  und Termine von uns auf unserer Kampagnen-Hompepage informieren. Erzählt gerne Freunden und Bekannten von dieser Aktion, so könnt ihr uns ganz einfach helfen.

Mächtig Gegenwind für den Senat gibt’s auch aus Ottensen:

Für den 24. Januar ruft die Ottenser Bürgerinitiative „Ottenser Gestalten“ zu einer Verkehrsberuhigungsdemo auf. Kommt mit Rad, Roller oder Bollerwagen um 16:00 Uhr in die Mottenburger Twiete!

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Hier unterzeichnen!

#Privatparkplatz?

Neues Jahr, und das Drama geht weiter. Die Rede ist von Falschparkenden, die in vielen Teilen Hamburgs, allen voran in den dicht besiedelten und eng bebauten Altbaustadtteilen wie Eimsbüttel, Ottensen, Eppendorf, Rotherbaum, um nur wenige Beispiele zu nennen,  zu einer echten Plage geworden sind.

Nicht nur, dass die Blechschwemme für Staus auf den Straßen sorgt, sie erdrückt, wenn sie mal nicht gerade unterwegs ist, gnadenlos jeden Quadratzentimeter Freifläche in der Stadt. Nicht unterwegs ist diese Blechschwemme bekanntermaßen etwa 23 Stunden am Tag und mit Freiflächen sind vor allem Fuß- und Radwege, Kreuzungsbereiche, Plätze, straßennahe kleine Biotope und sonstige Grünanlagen gemeint.

780.000 KFZ, die aktuell in Hamburg zugelassen sind, müssen natürlich irgendwo parken. Vielleicht sind diese Automengen für Hamburg aber schlicht zu groß, wie das Bild, welches besagte Viertel Tag für Tag aufs Neue liefern, schonungslos zeigt. Vielleicht ist es an der Zeit, etwas dafür zu tun, die Autos langsam in ihrer Anzahl zu reduzieren. Das geht. Durch den Ausbau von öffentlichem Nahverkehr, einer deutlichen Attraktivitätssteigerung des Radverkehrs, für den Raum zur Verfügung gestellt wird, um sichere und gute Radwege zu bauen sowie durch mehr öffentlichen Raum, der für Plätze und autofreie Zonen hergerichtet wird. Gleichzeitig und im Gegenzug müssen Parkplätze im größeren Stil zurückgebaut werden sowie das Autofahren in der Stadt an sich unattraktiver werden. Der Hamburger CDU Verkehrsexperte Dennis Thering, der genau wie wir sichere Radwege fordert, dürfte sich freuen.

Nun, mit dem Bau neuer Radwege ist Hamburg ganz fleißig dabei, wobei leider oftmals an den Bedürfnissen der Radfahrenden vorbei gebaut wird – aber das ist ein anderes Thema.

Allein was eindeutig fehlt, sind weitere Schritte, das Halten eigener Stadtautos vermehrt in Frage zu stellen. Die Mittel dazu sind ganz einfach: Aufzetteln, abschleppen und zupollern, was nicht unbedingt für Radfahrende und Fußgänger frei bleiben muss. Ein wenig komplizierter, aber auch machbar: Verstärktes Anwohnerparken sowie kostenpflichtiges Parken überall in der Stadt. Noch ein bisschen schwieriger, aber gewiss nichts Unmögliches stellt schließlich eine Citymaut dar bzw. gleich die komplett autofreie Innenstadt, wie sie etwa Oslo in den nächsten Jahren anstrebt. Letzteres sind  Dinge, von denen die Hamburger zunächst höchstens weiter träumen können; die einfachen Methoden allerdings sollten und müssen machbar sein.

Kurz nach dem Schulbeginn ist das Thema sicherer Schulweg wie jedes Jahr wieder auf die Tagesordnung gekommen und viele waren geschockt von den hohen Unfallzahlen mit Kindern auf unseren Straßen. In Presse und Schulen werden Tipps gegeben, wie sie möglichst sicher zur Schule kommen, Verkehrserziehungspolizisten und der Kasper geben sich redlich Mühe, damit die Steppkes ja keine Fehler machen. Nur wieso müssen eigentlich immer die Kleinen herhalten und sich anpassen an das Fehlverhalten der Erwachsenen?

Warum nicht all das mal umdrehen und den Großen sagen, wo Schluss mit lustig ist? Denn sie – nur sie! – sind diejenigen, die diese Probleme erst schaffen. Wäre es nicht mal an der Zeit, damit zu beginnen, sie, und nicht die Kinder zu erziehen?

Nicht nur mit seltenen „Achtung, Schule hat begonnen!“ Bannern, sondern vor allem mit nervigen, früher oder später kostspieligen Knöllchen und regelmäßigen Abschlepp-Razzien?

Es ist schön, begrüßenswert und gut, wenn zumindest der Bezirk Eimsbüttel langsam beginnt, wach zu werden und nun durch sichere Rad-Schulwege sogar zu einer Kinder-Fahrradstadt werden möchte. Das Albrecht-Thaer-Gymnasium in Stellingen und die Grundschule Turmweg in Harvestehude sind nun als Pilotprojektschulen auserwählt, um gemeinsam mit den SchülerInnen entsprechende Schulradwegpläne zu entwickeln und Bezirksamtsleiter Gätgens wird gebeten, dabei ordentlich behilflich zu sein. Man darf gespannt sein, bis an welche Ecke der Schulradweg-Atem für’s Erste reicht. Nur was nützt all das, solange grundsätzliche Probleme nicht ernsthaft angegangen werden?

Unsere nächste Grundschule ist die Grundschule Rellinger Straße, gleich nebenan befindet sich eine Kita. Es befinden sich viele Spielplätze in der nahen Umgebung und sehr viele Familien mit Kindern wohnen hier.

Seit einigen Wochen dokumentieren wir, was auf den „Privatparkplätzen“ direkt in unserer Straße so los ist. Erstaunlich ist dabei, wie dreist resistent einige doch sind und immer wieder ihre fahrbaren Untersätze auf die gleichen Plätze stellen – Hauptsache bloß nicht weit zur eigenen Haustür laufen zu müssen. Dabei wird das Blockieren von Kreuzungen, Fuß- und Rettungswegen rücksichtslos in Kauf genommen und die Stadt sieht zu und tut – nichts. Durch dieses Nichtstun toleriert die Stadt, dass alle übrigen Verkehrsteilnehmer und Anwohner hier das Nachsehen haben und sogar unnötig gefährdet werden. Muss das wirklich sein, Kinder-Fahrradstadt Hamburg Eimsbüttel?

 

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Solange die Stadt ihren Aufgaben offensichtlich nicht hinterher kommt, darf dem Ordnungsamt gerne dabei geholfen werden. Tue Gutes für dich und deine Stadt, denn mit mehr Einnahmen können schöne und nützliche Dinge finanziert werden. Neue Poller und Fahrradbügel zum Beispiel.

Macht Fotos vom „Privatparkplatz“ und heftet es an eine Mail mit folgendem Inhalt:

Sehr geehrte Damen und Herren,

Tattag: Hamburg, x. Januar 2018, xx:xx Uhr
Kfz-Kennzeichen: xx xx xxxx

Tatort: XX Straße / Kreuzung XXstraße
xxxxx Hamburg

Genauer Tatvorwurf: Dieses KFZ blockiert den Fußweg / Schulweg im
Kreuzungsbereich.

oder:
Parkt auf dem Radweg
Parkt mitten im Kreuzungsbereich
Zerstört ein Biotop
Versperrt Einfahrten/Rettungswege
Tut meinen Augen weh (naja…)

Vollständiger Name und Anschrift des Anzeigenden:
xyz
xyz
Beweisfoto, aus dem Kennzeichen und Tatvorwurf erkennbar hervorgehen:
siehe Anhang

Mit freundlichen Grüßen

xyz

Das ganze geht an folgende Adresse:
anzeigenbussgeldstelle@eza.hamburg.de

Wer mag, lädt seine Bilder (aber Nummernschild dann schwärzen!) auch auf twitter hoch mit #Privatparkplatz #Hamburg #Stadtteil. Wenn’s richtig schlimm ist, auch mal eine Mail an polizeioeffentlichkeitsarbeit@polizei.hamburg.de senden.

Freie Wege für Fußgänger bedeuten, auch der Fahrradstadt ein Stückchen näher zu kommen. Denn Städte, die nett zu ihren Fußgängern sind, sind meistens auch nett zu ihren Radfahrern, sagt Jan Gehl.
Er wird es wissen.

KURS FAHRRADSTADT am 25. Februar auf der adfc-Messe „Rad+Reise“ in der Alsterdorfer Sporthalle treffen

Noch nicht unterzeichnet? Dann aber los jetzt!
https://www.change.org/p/kurs-fahrradstadt-fahrradstadt-konsequent-bauen-statt-radler-neuen-gefahren-auszusetzen 

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‚Super Radweg geschenkt‘ oder das „Mobilitätslabor“ Osterstraße

Moin allerseits,

auch die zweite RAD-DEMO von KURS FAHRRADSTADT war ein schöner Erfolg. Selbst die plötzliche Kälte konnte weder uns noch die hartgesottenen Radfahrer*innen davon abhalten, sich die Straße einfach mal wieder für uns zurückzuholen und zu zeigen „Hey – so geht ein guter Radweg!“.

„Würden Sie hier Kinder ab 10 Jahren alleine auf der Straße radeln lassen?“
48% verneinen, weitere 37% nur ungern.

Punkt 12 starteten wir das „Mobilitätslabor“ Osterstraße und gingen mit etwa 14 Mithelfenden auf ganzer Länge zwischen Schwenckestraße und Hellkamp auf die Straße, um die Stadtauswärtsfahrbahn für den MIV Verkehr zu sperren und dieses Stück öffentlichen Raum in einen wunderbaren Zweirichtungsradweg umzufunktionieren. Es klappte einwandfrei; nur am Beginn der Strecke – oder dem Ende für Autofahrende, wie man es nimmt -, gab es zunächst Einwände der KFZ-Lenkenden, die nicht einsehen wollten, warum es für sie hier plötzlich nicht mehr weiter gehen sollte. Das Ergebnis war absehbar und die Kreuzung zunächst schnell verstopft, obwohl wir auf die Ausweichmöglichkeit hinwiesen. Es brauchte dann doch die Polizei, die Hilfestellung leisten musste. Kurz später stand unser Radweg, wurde freigegeben und sogleich ausgiebigst in den Stresstest genommen. Zeitgleich startete auch unsere zugehörige Umfrageaktion. Wir wollten nämlich wissen, wie die Aktion angekommen ist – und was sich die Menschen hier wünschen. Dazu am Ende mehr.

Etwa 30 Demonstrierende, unsere „Radstatisten“, zählte der Mobilitäts-Blog „Nahverkehr Hamburg“. Es werden wohl mehr gewesen sein, zählt man auch die all diejenigen mit, die diese RAD-DEMO überhaupt erst ermöglicht haben. Viel wichtiger als die absolute Teilnehmenden-Zahl war uns jedoch, möglichst viele Menschen mit dieser Aktion zu erreichen. So sind alle Radfahrenden, die zufällig während dieser Stunde über diesen Abschnitt der Osterstraße radelten, mit der Demo in Berührung gekommen und wurden selbst zu Testenden. Vor allem für sie war diese Demo gedacht.

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Einen Monat später und eine Ecke weiter: Gleich startet die zweite RAD-DEMO.
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Damit auch für die „auf der anderen Seite“ alles klar ist: Wir haben da einen Plan.

Der Zweirichtungsradweg

Warum denn nicht? Diese RAD-DEMO hat den Beweis gebracht, dass es sehr wohl möglich ist, auch auf engen Osterstraßenabschnitten gute Radwege umzusetzen. Kaum etwas geht einfacher, als mit Pollern einen solchen Radweg als schnelle Lösung vom Autoverkehr abzutrennen und die Straße hier zur Einbahnstraße umzuwidmen. Das Argument, es gebe keinen Platz, wurde bestens widerlegt.

„Mehr Raum für’s Rad? Viel zu einfach, Olaf!“ Wieso der Bürgermeister uns keine simplen Verbesserungen zubilligt, bleibt ein Rätsel“, meint Critical Mass Altona

Auch widerlegt wurde, dass diese Lösung zu eng für die Radfahrenden sei. Einen Zweirichtungsradweg auf einer vollen KFZ Fahrbahn einzurichten, reicht bei dem Radverkehraufkommen in der Osterstraße allemal aus, selbst, wenn dieses noch signifikant ansteigen sollte. Normale Räder zusammen mit Lastenrädern kamen sich nicht in die Quere. Auch muss bedacht werden, dass im echten Betrieb Poller nur zur KFZ-Seite hin stehen würden, während die Mitte des Radweges lediglich mit einer gestrichelten Linie markiert wäre und Überholen somit möglich ist. Wir sollten aber auch ehrlich sein: Wir fordern die gleichen Rechte wie sie der KFZ Verkehr hat – dass heißt im Falle der Osterstraße eben auch, dass sich Radfahrende u.U. nur dann überholen können, wenn es keinen Gegenverkehr gibt. Eine sichere Spur pro Richtung ist doch auf jeden Fall besser als gar keine. Wir Radfahrenden sollten es – allein unserer eigenen Sicherheit wegen – entspannt angehen lassen und uns über ein großes Stück mehr Raum freuen, als wir diesen aktuell auf dieser Straße zugestanden bekommen.

„Schwierig“ sei die Lösung des Ein- und wieder Ausfädelns aus dem neuen Radweg in den übrigen fließenden Verkehr. Klar, da konnten wir auf der Demo natürlich nicht die perfekte Lösung zeigen. Aber auch eine solche kann es geben. Der Zweirichtungsradweg kann bereits am Kreisel Methfesselstraße beginnen, somit sollte es absolut keine Probleme bereiten, quasi auf der Gegenrichtungsseite IN den Radweg zu gelangen. Das Ende wäre dann an der Schwenckestraße, hier bräuchte es lediglich eine Fahrradampel, ggf. zusätzlich eine extra Aufstellfläche für Radfahrende vor der KFZ Haltelinie, und schon wird sicheres Queren der Kreuzung ermöglicht. Wer sagt denn, dass eine Fahrradampel hier nicht fahrradfreundlich geschaltet werden könnte? Einmal kurz grün, jedes Mal, bevor die Ampeln für KFZ Verkehr die Richtung wechseln. Wer sagt, dass der Nachtbus nicht mehr fahren könne dann? Für ihn könnte die Durchfahrt erlaubt bleiben.

KURS FAHRRADSTADT interessiert nicht, was nicht geht. Wir geben Denkanstöße und sind uns sicher, dass es für alles gute Lösungen geben kann.

Verkehrszeichen passen nicht? Baut so, dass sie passen! Oder lasst der Kreativität genauso viel Raum, wie dies für KFZ Verkehr in Hamburg selbstverständlich ist – bestes Beispiel war jahrzehntelang und ist immer noch die Sierichstraße, eine sich wandelnde Einbahnstraße, die es laut STVO so niemals hätte geben dürfen….

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Wir waren uns sicher: Das sollte passen.
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Es passte. Absolut. Ganz groß: Mitgebrachte Poller in der Mitte. Klasse!  Foto: Dörte Determann
Rund 30 Demonstrationsteilnehmer waren dem Aufruf der Initiative "Kurs Fahrradstadt" gefolgt.
„Radstatisten“ und zufällig vorbei Radelnde hatten ihre Freude. Wir auch. Foto: Christian Hinkelmann
Fahrradfahrer haben am vergangenen Samstagmittag  für breitere Radwege demonstriert und die Osterstraße vorübergehend zur Einbahnstraße gemacht.
Geht doch: Breiter Radweg auf Einbahnstraßen Osterstraße. Getestet wurde eine Stunde lang. Foto: Christian Hinkelmann
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Tja, gute Frage! Foto: @cm_altona

Mehr Sicherheit

Entspannt radeln, keine Angst mehr haben müssen davor, abgedrängt, geschnitten oder ausgebremst zu werden, keine ständig und überall vor Einem auf Schutz- und gern auch Fahrradstreifen stehende Autos mehr, denen man ausweichen müsste, keine tödliche Dooring-Zone mehr, weil Parkplätze auf dieser Straßenseite ganz einfach mit weiteren Bänken oder Fahrradständern versehen werden können. Autos kämen dennoch an jede Stelle in dieser Straße. Zu jeder Zeit. Mehr Win-Win geht eigentlich nicht.

Mehr Lebensqualität

Mit dem Zweirichtungsradweg würde sich der Autoverkehr in der Osterstraße schlagartig fast halbieren. Das heißt weniger Lärm und weniger Abgase. Gleichzeitig entstünde weiterer Raum, der den zu Fuß Gehenden zugute käme. Sie werden die letzten sein, die damit ein Problem haben dürften, schließlich sind sie es ja auch, in deren Augen und deren Bedürfnissen nach der Umbau der Osterstraße ganz eindeutig viele Vorteile gebracht hat. Zudem würde die Transportleistung dieser Straße enorm steigen: Nur etwa 2.000 Personen kann eine normale KFZ Fahrspur in PKWs pro Stunde befördern – dagegen auf gleichem Raum jedoch etwa 10.000 Personen auf Fahrrädern. Die Osterstraße wird fit für die Zukunft.

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Entspannt euch einfach mal. Dann kann wirklich jede/r diesen tollen Radweg genießen.
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Toll, dass ihr alle da wart! KURS FAHRRADSTADT sagt Dankeschön.

Wir halten die Diskussion am kochen!

Es ist eindeutig unser Ziel, Hamburg voranzubringen, was die Verkehrswende betrifft. Dafür sammeln wir die Unterschriften an Bürgermeister Olaf Scholz. Über 1.800 haben wir bereits. Noch viel zu wenig, damit die Belange der Radfahrenden ernst genommen werden. Deshalb gehen wir auf die Straße. Damit wir gesehen werden, damit jeder mitmachen kann und über KURS FAHRRADSTADT berichtet wird. Das ist gelungen: Am Abend gab es einen guten Beitrag im Hamburg Journal, „Nahverkehr Hamburg“ berichtet, hier und auf twitter wird eifrig diskutiert. Zudem landeten wir gestern auf der Titelseite des Elbe-Wochenblatts. Denn das ist unser anderes Hauptziel – nämlich viele Menschen zu erreichen, sensibilisieren und zu begeistern. Bewusst halten wir so als gewollten Nebeneffekt die Diskussion am Laufen. Das Wochenblatt startet eine Umfrage, wie sie unsere Lösung finden, „Nahverkehr Hamburg“ nimmt sich zur gleichen Zeit die Flaschparker in der „Falschparkhochburg Osterstraße“ vor. Es ging also richtig rund, der erste Adventssonnabend in Eimsbüttels Einkaufsmeile.

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Wir fragen alles, was uns über den Weg läuft oder fährt.
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Selbst verdutzte Autofahrende klärten wir auf und verteilten auch an sie viele Flyer.

Die Umfrage

Für Hamburgs UN-Agenda 2030 muss auch über das nachgedacht werden, was die Menschen in dieser Stadt bewegt. In einem „Mobilitätslabor“ möchte Umweltsenator Jens Kerstan strittige Konflikte und Lösungen rund um Hamburgs Verkehr erörtern und entwickeln, im Herbst 2017. Nun ist das Jahr fast rum, wir haben davon nichts mehr gehört und helfen einfach ein wenig nach. Zu dritt und mit Klemmbrett unterm Arm interviewten Mitorganisatorinnen diverse Passanten und stellten allen die gleichen Fragen, bekamen aber auch viele Antworten. So entwickelten sich viele Gespräche am Rande und Kinder freuten sich über Bio-Gummibärchen, die wir verteilten. Die Ergebnisse, die wir bekamen, überraschen uns keineswegs – sollten aber vor allem in einigen Behörden zu weiterem Nachdenken anregen:

„Würden Sie hier Kinder ab 10 Jahren alleine auf der Straße radeln lassen?“

37% sagen „ungern“, stolze 48% sagen sogar eindeutig „nein“. Nur 11% haben keine Probleme.

(Hintergrund: Kinder ab 10 Jahren müssen laut STVO diese „Fahrradinfra- bzw. Nichtinfrastruktur [nur lausige Sharrows/Piktogramme] benutzen, wenn eine solche z.B. auf der Fahrbahn angelegt ist. Fähig, sich dabei auf all die Gefahren konzentrieren zu können, sind sie in diesem Alter jedoch noch nicht.

52% der Befragten sind zwar insgesamt mit dem Umbau zufrieden, was zeigt, dass es in die richtige Richtung geht. Und doch: Bis zu 78% gaben an, dass sie mit der Gesamtlösung, wie sie heute ist, noch nicht zufrieden sind.

„Es ist schöner geworden, aber leider sieht man das Schöne nicht.“ (wegen der vielen PKW, Lieferwagen etc) – dies ist nur eine von vielen Rückmeldungen auch über die gestellten Fragen hinaus, die wir erhielten.

Liebe Verantwortliche – kann es sein, dass an irgendetwas vorbei geplant und gebaut wurde? An den Bewohner*innen Eimsbüttels z.B.?
Alle Ergebnisse unseres Mobilitätslabors gibt’s hier:
Auswertung Passantenbefragung Osterstraße, 2.12.2017, 12:00 – 13:00 Uhr, PDF

An dieser Stelle möchte ich mich bei allen bedanken, die zum Erfolg auch der zweiten RAD-DEMO von KURS FAHRRADSTADT beigetragen haben. Für die nächste Zeit werden wir uns auf unsere Kernkompetenz, das Sammeln von Unterschriften, besinnen und mit uns das selbe tun. Im neuen Jahr geht’s weiter, dann geht KURS FAHRRADSTADT auf Hamburg Tour. Meldet euch gerne bei uns, wenn ihr gute Ideen für weitere Aktionen habt. Nur zusammen mit vielen von euch können wir noch schlagkräftiger Auftreten und größere Dinge auf Räder und Beine stellen. Wir freuen uns drauf.

Wir wünschen euch eine schöne Advents- und Weihnachtszeit.

Kai und das Team von KURS FAHRRADSTADT.

Diskutiert mit uns!

Wie ist unsere Aktion bei euch angekommen? Was sagen Radfahrende, Fußgänger, Geschäftsinhaber und Autofahrende? Was können wir besser machen?
Nutzt bitte die Kommentar-Funktion am Ende dieser Seite. Vielen Dank.

Presse und Medien:

„Fahrraddemo Osterstraße“, Hamburg Journal, 2. 12. 2017

„Erstes Adventswochenende: Falschparker-Hochburg Osterstraße“, Nahverkehr Hamburg, 4. 12. 2017

„Weihnachtsmänner zu Fuß und auf zwei Rädern“, Elbe Wochenbaltt, 6.12.2017

sonst noch:

„Zweirichtungsradweg statt Kfz-Fahrspur Osterstraße, Eimsbüttel“, Youtube-Video

KURS FAHRRADSTADT immer noch nicht unterzeichnet? Hier geht’s:
https://www.change.org/p/kurs-fahrradstadt-fahrradstadt-konsequent-bauen-statt-radler-neuen-gefahren-auszusetzen

„Wünsch dir was“ war gestern!

+++ RAD-DEMO am 2.12., 12:00 Uhr, Osterstraße Ecke Schwenckestraße +++

Moin Moin,
in vier Tagen ist es soweit und wir treffen uns auf der Osterstraße / Ecke Schwenckestraße am 2.12. um 12:00 Uhr zur zweiten KURS FAHRRADSTADT Rad-Demo. Dann schenken wir uns einfach einen prima Radweg und richten spontan ein, was sich die Behörden nicht mal testweise trauen: Einen vom übrigen Verkehr sicher getrennten Zweirichtungsradweg.

Wir müssen unser Unverständnis über schlechte Radverkehrswege und Planungen deutlich zum Ausdruck bringen – erst Recht, solange die Stadt weiterhin rückwärtsgewandt meint, dass das Auto auch in Zukunft die Hauptrolle spielen soll. Sehr schön zu sehen ist das am neuen Planungsstand zum Umbau der Kreuzung Hudtwalckerstraße / Bebelallee / Sierichstraße in Winterhude. Nicht nur, dass vorhandene Radwege mal wieder „zurückgebaut“ werden, was heisst, dass sie auf die Fahrbahn gepinselt werden, sondern auch sonst macht die Planung deutlich klar, wo hier die Prioritäten liegen. Auf guten Bedingungen für den Radverkehr jedenfalls nicht. Während KFZ über im Großen und Ganzen weiterhin alle Fahrspuren verfügen sollen, müssen Radfahrende sich dann mit indirektem Abbiegen, viel zu kleinen Wartetaschen und einer wilden Pinselei auf der Kreuzung begnügen – und das, obwohl über diese Kreuzung auch noch eine Veloroute führt. Zu besichtigen ist das alles hier:
https://sitzungsdienst-hamburg-nord.hamburg.de/bi/___tmp/tmp/45081036647176271/647176271/01161504/04-Anlagen/02/Anlage2zuDrs20-4885neu.pdf

So geht keine Fahrradstadt, so wird Zukunft teuer verspielt und weiterhin unnötig Unversehrtheit und Leben von Radfahrenden auf’s Spiel gesetzt. So steigt niemand gerne auf das Fahrrad um. Was hier eindrucksvoll zur Schau gestellt wird, ist wie leider viel zu oft in dieser „Fahrradstadt“ die völlige Ignoranz gegenüber den mehr als berechtigten Bedürfnissen der Radfahrenden.

Deshalb demonstrieren wir für mehr Flächengerechtigkeit, für sichere und gute Radwege in Hamburg, diesmal noch einmal an der Osterstraße, demnächst auch an anderen Orten in Hamburg.

Kommt bitte zahlreich zur Rad-Demo und vergesst – wenn ihr habt – auf keinen Fall Weihnachtsmannanzüge und rote Mützen.
Wir zählen auf euch 🙂

Beste Grüße,
Kai und das Team KURS FAHRRADSTADT

PS: Wer uns während der Demo ein wenig behilflich sein möchte, kommt einfach um 11:30 zum Demo-Treffpunkt an der Osterstraße 136. Wir sehen uns an der Ecke und freuen uns über jede Hilfe.

Zum Demo-Aufruf: (bitte teilen)
https://kursfahrradstadt.wordpress.com/2017/11/23/zweite-rad-demo-wir-schenken-uns-nen-radweg-am-2-12-2017/

KURS FAHRRADSTADT auf change.org unterzeichnen:
https://www.change.org/p/kurs-fahrradstadt-fahrradstadt-konsequent-bauen-statt-radler-neuen-gefahren-auszusetzen

Zweite Rad-Demo: „Wir schenken uns ’nen Radweg“ am 2.12.2017

Moin zusammen,

die erste KURS FAHRRADSTADT Demo war ein voller Erfolg und hat es – sicher auch dank der Osterstraßen-Eröffnung – in überproportional viele Medien, TV und Presse geschafft. Allen Teilnehmenden war die Lust an der Aktion anzusehen.

Weil es so gut war und wir glauben, dass es sogar noch besser geht, gibt es am Sonnabend, den 2. Dezember, um 12:00 Uhr die zweite Rad-Demo auf der Osterstraße. Diesmal legen wir noch eine Schippe drauf und richten einen provisorischen, breiten Zweirichtungsradweg ein. Dafür sperren wir die halbe Fahrbahn ab und machen die Osterstraße zur Einbahnstraße. Denn wir wollen, dass der Verkehr in ruhigen Bahnen fließen kann. Dazu benötigen die verschiedenen Verkehrsträger jeweils eigene, sichere Verkehrsräume. Passend zum Weihnachtsshopping in der Einkaufstraße schenken wir uns selber einen tollen Radweg und machen diesen Teil der Osterstaße so zu einem kleinen „Mobilitätslabor“.

Die neue Osterstraße wird noch immer kontrovers diskutiert und steht hamburgweit sowie aufgrund der Nominierung zum deutschen Verkehrsplanungspreis 2017 bundesweit im Fokus der Aufmerksamkeit. Der hohe Symbolwert dieser Straße ist der Grund, weshalb wir hier zu einer zweiten Rad-Demo aufrufen.

Bringt wieder Dosen, Pömpel und Co mit, werft euch und eure Räder in weihnachtliche Schale, kommt zahlreich in rot und gut bemützt. Wir freuen uns auf euch.

Auch freuen wir uns sehr über jede unkomplizierte Hilfe vor Ort, um auch die zweite Rad-Demo zu einem Erfolg zu machen. Alle, die uns gerne unterstützen möchten, laden wir ein, sich kurz einmal auf der „Mitmachen“-Seite von KURS FAHRRADSTADT umzusehen. Alle weiteren Infos findet ihr dort.

Kai und das Team von KURS FAHRRADSTADT

Was natürlich immer geht:
KURS FAHRRADSTADT auf unterzeichnen – wir sind bald 1.800!
Hier: Petition KURS FAHRRADSTADT auf change.org

Bitte teilt, liked und retweetet diesen Rad-Demo Aufruf in euren Netzwerken – vielen Dank!

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Gefahrengebiet entschärft – Rad Demo auf der Osterstraße

Liebe alle,

für die Osterstraße war es gestern ohne Frage ein turbulenter Tag. Wir von KURS FAHRRADSTADT waren daran nicht ganz unschuldig.

Etwa 100 Leute waren unserem Demoaufruf gefolgt. Sie kamen mit ihren Rädern, brachten Klobürsten, Pömpel, Blumenpötte und Dosen mit. Um 13 Uhr besetzten wir ab der Ecke Hellkamp den Fahrrad-Nichtmal-“Schutz“streifen und trennten ihn auf einer Breite von etwa 1,50 Metern vom übrigen Autoverkehr ab. Auf einer Länge von etwa 100 Metern war ab nun aus einem traurigen „Scherzstreifen“ ein Radweg geworden, den die wartenden Radfahrer im nächsten Moment begeistert in Beschlag nahmen. Endlich konnte hier drauflos geradelt werden, jung und alt schwang sich auf den Sattel, ohne die neue Dauerangst im Nacken zu haben, gerade hier an dieser Stelle ständig von Autos geschnitten, abgedrängt oder ausgebremst zu werden. Diverse Journalisten versammelten sich an der Straße und Autos bekamen zu spüren, was sonst den Radfahrenden vorbehalten ist – sie mussten warten und sich gegenseitig durchlassen. Kurz später hielt es die Polizei für angemessener, stadtauswärts einfach gar keine Autos mehr passieren zu lassen.

Neugierigen Passanten und Demoteilnehmenden erläuterten wir die Hintergründe, die letztlich zu dieser Verschlimmbesserung führten und warben für die Ziele von KURS FAHRRADSTADT sowie weitere Unterschriften für die Online-Petition bei change.org. Den nächsten Schritt Richtung 2.000 haben wir erreicht – die 1.700 sind mittlerweile eingetütet. (Ich möchte dabei sein und auch unterzeichnen!)

 

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Danke, Team „@RadwegH“/twitter!

Eine Stunde zuvor wurde einige Meter weiter rauf die „preisgekrönte“ Osterstraße durch Eimsbüttels Bezirkschef Kay Gätgens und den Staatsrat der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation, Andreas Rieckhof, eingeweiht. Während der Selbstbeweihräucherungsaktion vor vergleichsweise eher spärlichem Publikum hielten wir bereits Plakate hoch, „Stoppt den Autowahnsinn“, „Osterstraße – Augen zu und alle durch“, „Hier radelt jetzt die Angst mit!“ oder auch, in Anspielung auf die Tatsache, dass unsere Staustadt 2021 Gastgeber des Welt-Mobilitätskongresses ist, „Danke, City of Solutions“. Für Rieckhof dagegen ist der Umbau sehr gelungen, er sieht hier die Zukunft von Hamburger Geschäftsstraßen. Uns demonstrierenden Radfahrenden sagte er: „Auch Hardcore-Fahrradfahrer, wenn sie nicht mit Blindheit geschlagen sind, müssen sehen, dass sich viel verbessert hat“. Damit ist er in guter Gesellschaft mit dem Hamburger Fahrradclub adfc, der in seiner Pressemitteilung in höchsten Tönen von der neuen Boulevardstraße und dem tollen Raderlebnis spricht, welches man hier erleben könne.

Ich hätte dazu auf unserer Demo gerne noch einiges gesagt. Leider fiel aber die Lautsprecheranlage aus, was dem Spaß am neuen Radweg jedoch nicht minderte.

Deshalb möchte ich auf zwei Dinge noch einmal eingehen:
Nein, Herr Rieckhof, wir sind weder Hardcore-Fahrradfahrer noch sind wir blind. Selbstverständlich nehmen wir zur Kenntnis und freuen uns auch aufrichtig darüber, dass die Umgestaltung dieser Straße für Fußgänger mehr als nur Verbesserungen gebracht hat. Ohne Frage hat die Aufenthaltsqualität deutlich zugenommen. Das ist gut, aber das war es leider auch schon. Was Radfahrende, und – ja, sogar Autofahrende betrifft, hat sich schlicht vieles verschlechtert. Damit meine ich noch nicht einmal den Abbau von vielen Parkplätzen. Oder meinen Sie, dass es für KFZ-Lenkende einfacher wird, im engen und belebten Straßenkorsett der Osterstraße den Überblick und Nerven zu behalten? Die Feierlichkeiten rund um die Eröffnung an diesem verkaufsoffenen Sonntag lieferten auch gleich die passenden Bilder: Menschentrauben sammeln sich um Musiker herum, laufen, stehen und tanzen halb auf der Straße. Es könnte so schön sein. Nur leider scheint in diesem Bild in Hamburg etwas zu fehlen, wenn nicht vorbeirauschende Autos im Vordergrund zu sehen sind. Schade.

Zweitens wurde ich des öfteren gefragt, warum wir gerade hier unsere Protected Bike-Lane eingerichtet haben. Hier, wo die Osterstraße dafür überhaupt gar keinen Platz hergeben würde.

Einerseits ist es unser Anliegen, schlicht auf die quasi nicht vorhandene Fahrradinfrastruktur hinzuweisen, die an dieser Stelle eindrucksvoll zu begutachten ist. Zu verdanken ist dieser kümmerliche Rad-Nixweg wohl einem Kompromiss. Ein Kompromiss, der es allen Verkehrsbeteiligten gleich recht machen wollte, kann auf einer so engen Straße nicht funktionieren und hat somit einer wirklichen Stärkung des Zentrums von Eimsbüttel buchstäblich den Weg verbaut. Andererseits ist diese völlige Fehlplanung in unseren Augen nur eine von vielen, für deren Vermeidung sich KURS FAHRRADSTADT in seinen Forderungen an unseren Bürgermeister einsetzt. Sinnvolle Entscheidungen und Maßnahmen zu Gunsten eines priorisierten Umweltverbundes und diese auch gegen Widerstände durchzusetzen, sind daher Kernforderungen der Online Petition KURS FAHRRADSTADT.  Dies war der Grund für das Entschärfen des „Gefahrengebiets Schutzstreifen“ durch Klobürsten und Co..

Ganz nebenbei spielte sich während der Rad-Demo ein Szenario ab, welches wahrscheinlich den Wenigsten wirklich aufgefallen war: Eine dreiviertel Stunde lang war dieser Osterstraßenabschnitt defacto zur Einbahnstraße geworden. Übrigens eine Variante, die vor dem Umbau auch gefordert und abgelehnt wurde sowie eine ganze Menge im Gepäck hat: Zusätzlichen Freiraum.

Wir – und ich – haben uns sehr über die erste große, eigenständige und gelungene Outdoor-Aktion gefreut. Danke an alle, die dabei waren und geholfen haben! Wir freuen uns auch über ein beachtliches Medienecho (siehe Links ganz am Ende dieser News). In Zukunft wird KURS FAHRRADSTADT sicher öfter auf den Straßen und Radwegen unserer Stadt präsent sein, um vor allem für eines zu werben: Für eine Stadt, die durch Lebensqualität begeistert. Für eine Stadt, in der Radfahren wieder mehr wird als nur von A nach B zu kommen. Für eine Stadt, in der es einfach wieder richtig Spaß bringt, sich auf’s Rad schwingen.

Bis dahin stellen wir uns im Traum einfach mal vor, dass das, was im folgenden Video zu sehen ist, in Hamburg und nicht in Vancouver ist…..

KURS FAHRRADSTADT muss in ganz Hamburg präsent werden – nicht nur im Netz, auch auf der Straße!

Wo könnte oder sollte die nächste KURS FAHRRADSTADT Aktion stattfinden, und wie? Ideen, Anregungen, Mitmachen, alles geht – meldet euch gerne!
kursfahrradstadt@hamburg.de

Jetzt schnell KURS FAHRRADSTADT unterzeichnen?

Demo und Osterstraßeneröffnung in den Medien:

Mopo: 5.11.2017
„Demo in Eimsbüttel: Radfahrer protestieren gegen umgebaute Osterstraße“
https://www.mopo.de/28770074 ©2017

Hamburger Abendblatt: 5.11.2017
„Eimsbüttel feiert die preisgekrönte neue Osterstraße“
https://www.abendblatt.de/hamburg/eimsbuettel/article212446489/Eimsbuettel-feiert-die-preisgekroente-neue-Osterstrasse.html

NDR: 5.11.2017
„Wiedereröffnung und Rad-Demo in der Osterstraße“
https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/Neueroeffnung-und-Rad-Demo-in-der-Osterstrasse,osterstrasse146.html

Bild: 5.11.2017
„Ende gut – alles gut in der neuen Osterstraße“
http://www.bild.de/regional/hamburg/bauarbeiten/ende-gut-alles-gut-in-der-osterstrasse-53743134.bild.html

Eimsbütteler Nachrichten: 6.11.2017
„Osterstraße feierlich eingeweiht – inklusive Fahrraddemo“
https://www.eimsbuetteler-nachrichten.de/osterstrasse-feierlich-eigeweiht-fahrraddemo/

ZEIT Online – Elbvertiefung Newsletter, 3.11.2017
„Hamburg will ab 2025 keine Kohle mehr“
http://www.zeit.de/hamburg/2017-11/elbvertiefung-03-11-17

ZEIT Online – Elbvertiefung Newsletter, 6.11.2017
„Wird Hamburg zur Ballermann-City?“
http://www.zeit.de/hamburg/2017-11/elbvertiefung-06-11-17

Pressemitteilung adfc Hamburg zum Umbau der Osterstraße, 3.11.2017
„Osterstraße nach Umbau: Viel besser als vorher, aber nach wie vor nicht konfliktfrei“
https://hamburg.adfc.de/news/osterstrasse-nach-umbau-viel-besser-als-vorher-aber-nach-wie-vor-nicht-konfliktfrei/

Nahverkehr HAMBURG, 7. 11. 2017
„Umbau der Osterstraße ist fertig – und es gibt Kritik“
http://www.nahverkehrhamburg.de/umbau-der-osterstrasse-ist-fertig-und-es-gibt-kritik-8844/

Rad DEMO am 5.11.2017 „Gefahrengebiet Schutzstreifen entschärfen“

Am kommenden Sonntag, 5. November 2017, ruft die Aktion „KURS FAHRRADSTADT“ zur Fahrraddemo für mehr Radfahrsicherheit in Hamburg auf. Treffpunkt: Osterstraße / Ecke Hellkamp um 13.00 Uhr.

Kurz zuvor wird der mehrjährige Umbau der Osterstraße um 12.00 Uhr auf dem Fanny-Mendelssohn-Platz an der U-Bahn Haltestelle für beendet erklärt. Die neue Flaniermeile wird dann offiziell durch Eimsbüttels Bezirksamtschef Kay Gätgens und den Staatsrat der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation, Andreas Rieckhof, eingeweiht. Im Anschluss soll es ein „kleines Rahmenprogramm“ geben. Nachdem sie sich gefeiert haben, wollen wir wenige Meter weiter um 13.00 Uhr zeigen, was der Umbau uns Radfahrenden gebracht hat – nämlich nicht einmal mehr Schutzstreifen.

Daher sorgen wir für ein großes Rahmenprogramm und bauen uns selber eine Protected Bike Lane! Seid kreativ, bringt Klobürsten, Pömpel, Kegel, Hütchen, Kuscheltiere, Räder, Lastenräder, Radanhänger, Plakate, Tempo30 Schildchen und einfach gute Laune mit, auf dass wir alle gemeinsam das Gefahrengebiet „Schutz“streifen entschärfen können.

Die Osterstraße steht stellvertretend für viele neue Bauvorhaben, bei denen Radfahrende höchstens die zweite, wenn nicht gar die dritte Geige spielen. Damit muss in Hamburg Schluss sein! Fast 1.700 Menschen fordern daher bis heute unseren Ersten Bürgermeister auf, Prioritäten in der Verkehrspolitik endlich neu zu setzen. Auch du kannst dich einreihen und mitmachen: KURS FAHRRADSTADT auf change.org unterzeichnen und am Sonntag zur Rad-Demo kommen.

Wir sehen uns auf der Osterstraße!

Kai Ammer und Team KURS FAHRRADSTADT

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Warum, weshalb, wieso?
Hintergründe zum Thema findet ihr in unserem KURS FAHRRADSTADT FAQ