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Jetzt erst recht!

Hej und Moin Moin,

Bevor sich KURS FAHRRADSTADT in die Sommerpause verabschiedet, möchten wir euch einiges Interessantes mitteilen.

Unfälle und rote Ampeln
Äußerst schockierend sind die Ergebnisse der stadtweiten Rotlichtkontrollen, die die Polizei nach der groß angelegten Aktion am 13. Juni veröffentlichte. Sie erwischte dabei 201 über rote Ampeln fahrende Autofahrende. Diese schlimmen Zahlen zeigen, mit welch egoistischer Einstellung viele von ihnen auf den Straßen unterwegs sind (https://www.abendblatt.de/hamburg/polizeimeldungen/article226170241/Hamburger-Polizei-schnappt-201-Rotlichtsuender-an-einem-Tag.html). Jeder von uns, die oder der sich nur mal ein paar Minuten an eine x-beliebige Ampel in der Stadt stellt, kann diese erschütternde Erfahrung oder Beobachtung meist innerhalb weniger Minuten machen.

Einen Tag später, am 14. Juni, wurde dieser alltägliche, kavaliersdeliktmäßig hingenommene Wahnsinn tödlich. Wie ihr wahrscheinlich alle mitbekommen habt, hat es an diesem Tag einen schlimmen Unfall gegeben, den ein Radfahrer nicht überlebt hat. Ausgerechnet an der Straße An der Alster, dort, wo es massenhaft Radfahrende und Fußgänger gibt, wollte er auf Höhe des Hotels Bellevue eine Ampel überqueren. Er tat dies bei für ihn grünem Licht. Ein Lkw missachtete jedoch das Rotlicht und überrollte den 52-jährigen Familienvater, der seinen schweren Verletzungen später im Krankenhaus erlag (https://www.bild.de/regional/hamburg/hamburg-aktuell/radler-starb-nach-unfall-mit-lkw-mahnwache-fuer-ueberfahrenen-radfahrer-an-der-a-62647378.bild.html). Den Hinterbliebenen des verunglückten Radfahrers drücken wir an dieser Stelle unser tiefstes Mitgefühl aus.

Wir nehmen diesen tragischen Unfall mit Bestürzung zur Kenntnis, nicht nur, weil es nun schon bereits zwei Tote Radfahrende in diesem Jahr in Hamburg gibt, sondern auch, weil er sich in eine Reihe weiterer Unfälle einfügt, die ebenfalls innerhalb weniger Tage in, um diese Stadt herum und anderswo geschehen sind, allerdings glimpflicher endeten (u.a.: https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/Erneut-Unfall-mit-Lkw-und-Radfahrerin,unfall13286.htmlhttps://www.abendblatt.de/hamburg/polizeimeldungen/article226196785/Siebenjaehrige-schwer-verletzt-Senior-uebersieht-Radfahrerin.html).

Zu sagen, dass es lebensgefährlich ist, in Hamburg als Radfahrer oder Fußgänger grüne Ampeln zu queren, ist daher keine Übertreibung, sondern traurige Realität.

Es bleibt viel zu tun, um den Verkehr zu zähmen und dem Ziel „Vision Zero“ mit tatsächlich gebauten bzw sonstigen Maßnahmen endlich näher zu kommen. Das könnten standardmäßig integrierte Rotlichtblitzer (das wäre in der Tat sinnvolle „Smart City“!) in jeder Ampel genauso sein wie drastisch höhere Bußgelder und weitere Konsequenzen. Für Vision Zero in Hamburg wollen wir uns auch in Zukunft mit aller Kraft einsetzen.

Am 26. Mai begann in Hamburg eine Zeitenwende. An diesem Tag konnten die Grünen einen fulminanten Sieg bei den EU- und Bezirkswahlen einfahren. Wir freuen uns darüber und hoffen sehr, dass dies eine gute Ausgangslage für hoffentlich bald konsequentes Handeln in Sachen Klima-, Verkehrs-, Umweltpolitik und neuer, nachhaltig gedachter Stadtentwicklung darstellen möge. Selbstverständlich werden wir weiterhin den Politikerinnen und Politikern auf die Finger klopfen, umso mehr noch, sollten wir es demnächst tatsächlich mit einer grünen Bürgermeisterin zu tun haben. Die nächste Zeit verspricht also spannend zu werden!

Esplanade und Vesterbrogade
Besser geht bekanntlich immer. Vor allem dort, wo durch geplante Umbaumaßnahmen wieder nur der Autostadt-Status quo auf’s Neue zementiert werden soll. Besonders ärgerlich ist es dann, wenn es sich dabei um Orte handelt, die durchaus das Potential dazu haben, in ganz anderer Weise neu zu erscheinen und die diesen Anspruch quasi schon im Namen verankert haben. Doch aktuell brettern jeden Tag noch bis zu 65.000 Autos durch diese Straße; was von ihr übrig bleibt, verschwindet in der Mitte und den Rändern unter ganz legal geparkten Autos. Kein Mensch in Hamburg würde freiwillig auf die Idee kommen, über die Esplanade in der City zu flanieren. So abschreckend wirkt diese Straße, dass die GRÜNEN im Bezirk Mitte dies endlich ändern möchten. Sie wollen vernünftige Fahrradwege, die Fahrspuren in nur noch zwei pro Richtung reduzieren sowie die mittigen Parkplätze abschaffen, um Raum für Neues und vor allem auch Fußgänger zu schaffen. Vorbilder dazu gibt es in vielen Metropolen, seit Jahrzehnten zum Beispiel im finnischen Helsinki. Kaum wurden die Ideen kürzlich öffentlich, hagelte es Kritik aus SPD und ADAC. Fast alle – auch Verkehrsstaatsrat Rieckhof – scheinen statt Chancen nur Chaos und drohende Staus zu sehen, sollte diese Straße wieder ihrer eigentlichen namentlichen Bestimmung näher gebracht werden (https://www.abendblatt.de/hamburg/hamburg-mitte/neustadt/article226124459/Gruene-wollen-die-Esplanade-zur-Flaniermeile-umbauen.html sowie https://www.mopo.de/hamburg/umstrittener-umbau-in-der-city-hamburgs-gruene-wollen-esplanade-zur-flaniermeile-machen-32682876 ).

Warum eigentlich nie mal einen großen Wurf? Die Zeit ist längst reif dafür und verlangt es sogar! Also Hamburg, spring über deinen Schatten und trau dich endlich!

Ein weitaus radikaleres Projekt in einer ähnlich großen Stadt auf einer ähnlich breiten und unwirtlichen Straße mitten im Zentrum wurde gerade in Kopenhagen vorgestellt. Der dortige Vergnügungspark Tivoli hat die Gehl Architekten beauftragt, für den „Vorplatz“, die zwischen zwei Hauptverkehrsachsen gelegene und stark befahrene Vesterbrogade, neue Lösungen zu entwickeln. Sie schlagen nun einen echten Boulevard vor, nur für zu Fußgehende und Radfahrende. Die Reaktionen dazu selbst vom Bürgermeister sind das glatte Gegenteil von dem, was man aus Hamburg zur Esplanade vernimmt. Das sollte der hiesigen Politik zu denken geben! (https://www.thelocal.dk/20190617/how-copenhagen-could-transform-one-of-its-busiest-roads-into-a-park)

„Hamburg besser machen“ und Elbchaussee
Die von KURS FAHRRADSTADT am 14. April organisierte „Verkehrswende-Demo“ schlägt noch immer Wellen: Wie bereits schon einmal in einer News kommuniziert, hatten wir auch im Namen von KURS FAHRRADSTADT an der von der ZEIT und der Körber-Stiftung initiierten Aktion „Hamburg besser machen“ teilgenommenen und unsere Idee eines Fahrrad-Highways bzw. einer guten Fahrradstraße auf der dortigen Plattform eingestellt. Von knapp 1.500 Vorschlägen aus den unterschiedlichsten Bereichen, die eingereicht wurden, schaffte es unsere Idee im Ranking auf Platz 6. Das hat offenbar Eindruck hinterlassen: Am 11. Juni wurde im Körberforum der feierliche Abschluss des vier Monate dauernden Projektes gefeiert. Aus allen eingereichten Online Ideen, weiterem Input, der in ca. 40 „Kneipengesprächen“ beigesteuert wurde sowie drei abschließenden „Akademien“ entstand am Ende ein Ergebnisbericht, der an diesem Abend Bürgermeister Tschentscher (SPD), der zweiten Bürgermeisterin Fegebank (GRÜNE) sowie der Bürgerschaftspräsidentin Veit (SPD) übergeben wurde. Das Thema Radverkehr wurde dabei als das drängendste Problemfeld genannt, gefolgt von – man mag es kaum glauben – „Hamburg autofrei“ sowie dem Komplex öffentlicher Nahverkehr an dritter Stelle. In jedem Bereich werden die Wünsche und Ideen der Hamburgerinnen und Hamburger zunächst zusammengefasst vorgestellt, worauf dann auch konkrete Lösungsvorschläge folgen. Schwarz auf weiß hält der Senat nun somit auch diese Empfehlung zum Thema Radverkehr in seinen Händen:

„Ein stringenter Ausbau der Velorouten und Radwege in allen Stadtteilen (und nicht nur in einigen wenigen) muss dafür Sorge tragen, dass Hamburg nicht Flickenteppich in Sachen Fahrradverkehr wird (= durchdachtes Vorgehen nach einem Masterplan). Erste zeitnahe Projekte können dabei als Best Practise dienen, z.B. die Elbchaussee.“

BEST! PRACTISE!! ELBCHAUSSEE!!! Wow!
Wir freuen uns, dass unsere Arbeit auch an anderen Stellen Früchte zu tragen scheint.

Der ganze lesenswerte Bericht kann übrigens hier heruntergeladen werden: https://www.hamburgbessermachen.de

Gestern erhielten wir Post aus der Bürgerschaft. Auch an dieser Stelle hatten wir mittels einer Eingabe auf die drohende Nichtberücksichtigung des Radverkehrs im östlichen Abschnitt hingewiesen und Änderung bei dieser Haltung angemahnt. Interessant dabei sind vor allem zwei Aussagen, die der Senat macht: So soll nun auch für den östlichen Abschnitt die Einrichtung von Fahrradinfrastruktur geprüft werden und sollten erste Ergebnisse noch in diesem Jahr vorgestellt werden. Wir sind gespannt, ob der Senat nach unserer letzten Demo, den Wahlen neulich und auch den „Hamburg besser machen“ Ergebnissen erste Lernerfolge verbuchen kann.

Hallo Hamburg, wenn du schon so immun gegen andere gute Vorbilder bist, dann höre und sehe wenigstens mal genauer hin, was deine eigenen Bürgerinnen und Bürger für tolle Ideen haben! Das allein wäre mehr als wünschenswert!

Zum Ende hin noch einiges in Kürze:

  • Kennt ihr eigentlich schon die „Extinction Rebellion“? Dies ist die neueste Bewegung, die nicht nur reden will, sondern ganz konkret und auch durch zivilen Ungehorsam Dinge für das Klima und die Straßen erreichen und somit zum Handeln zwingen möchte. Entstanden in England, fasst diese Bewegung hierzulande Fuß, auch in Hamburg. Wer sich hier für Kreisel-Blockaden oder ähnliche Aktionen erwärmen kann, sollte einmal auf diesen Kanälen vorbeischauen: https://facebook.com/xrebellionhh/ und auf Twitter @xrebellionhh
  • Etwas gemächlicher wird es am 5. Juli zur „Climatical Mass“ zugehen. „Greta than Cars“ wird dann auf einer fahrradfreundlichen Radtour durch Hamburg geradelt. Start wird um 17 Uhr auf der Moorweide sein. https://www.t.me/climaticalmass
  • Der Radentscheid Hamburg hat die Halbzeit der Sammelzeit für das Volksbegehren bereits geschafft. Dennoch freuen sich die Macherinnen und Macher nach wie vor über jede geleistete Unterschrift. Bitte unterstützt auch ihr den Radentscheid Hamburg: https://radentscheid-hamburg.de
  • „Fahr ein schöneres Hamburg“ heißt die aktuelle Werbekampagne der Stadt für mehr Fahrrad. Schön zu sehen und zu hören ist hier, wie Teile der 6,2 Millionen Euro teuren Kampagne dafür verjubelt werden und Mensch fragt sich am Ende nicht nur, warum das Radeln zur Nordsee besungen wird, nicht jedoch der Weg von der Bille bis zur Tarpenbek…. https://fahrrad.hamburg/de/

Zuletzt noch etwas in eigener Sache:

KURS FAHRRADSTADT steht ganz knapp vor 5.000 Menschen, die unseren offenen Brief an Hamburgs Bürgermeister inzwischen unterschrieben haben, sowohl online als auch analog auf Papierlisten. Darüber freuen wir uns sehr! Online auf change.org brauchen wir noch etwa 500, um auch hier den nächsten Meilenstein zu erreichen. Mit eurer Hilfe werden wir auch das bald schaffen. Da aus uns unerklärlichen Gründen die Medien über unsere Unterschriftensammlung nach wie vor so gut wie überhaupt nicht berichtet haben, bewegen wir uns noch immer in einer Art Blase, über deren Rand wir es nur schwer hinaus schaffen. Darum wären wir euch mehr als dankbar, wenn ihr euren FreundInnen und KollegInnen oder Initiativen, in denen ihr euch engagiert, von KURS FAHRRADSTADT erzählen würdet und bitte eure Möglichkeiten nutzt, den Link zum Unterschreiben https://www.change.org/p/kurs-fahrradstadt weiter via Mail und die sozialen Medien durch Teilen zu verbreiten. Wir hoffen noch immer darauf, dass möglichst bald eine Art Schneeballeffekt eine kleine Lawine ins Rollen bringt… Wer Lust hat, uns und unsere Arbeit auch mal mit Taten zu unterstützen, darf gerne hier vorbei sehen: https://kursfahrradstadt.wordpress.com/mitmachen/ Herzlichen Dank!

Wir wünschen euch schöne, laue Sommernächte und kommt alle gut durch die heißen Sommertage!

Bis bald mit frischen Kräften für neue Taten –

Euer Team KURS FAHRRADSTADT

Hier KURS FAHRRADSTADT auf change.org unterschreiben

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Autofahren in Hamburg muss weh tun

Nun ist es angekommen in der Mitte der Gesellschaft: Das Thema Klimawandel. Und mit diesem Thema rückt vor allem der Bereich immer weiter in den Fokus, der bisher sträflich vernachlässigt wurde. Dieser Bereich hat nicht nur enormes Potenzial, einen weiteren großen Schritt zum Erreichen der Klimaschutz-Ziele zu tun, sondern hat durchaus das Zeug, die Gewohnheiten unserer Gesellschaft, wie wir sie bisher kannten, komplett über den Haufen zu fegen. Gemeint ist die Verkehrswende.

Dank der weltweiten Schulstreik-Bewegung, dank der Tatsache, dass immer mehr Menschen auch hierzulande längst erkannt haben, dass es so wie bisher nicht weitergehen kann, dank des aktuellen Höhenflugs der Grünen, dank solchen Leuten wie dem Youtuber Rezo, der gerade in einem bereits über 8 millionenfach geklickten „CDU Zerstörvideo“ über den ökologischen Selbstmord dieser und anderer Parteien herzieht sowie der Wissenschaft, die sich immer deutlicher und auch schon lange mit Lösungen zu Wort meldet, kann es sich die Politik nicht mehr lange erlauben, diesem Thema aus dem Weg zu gehen. Das ist gut so.

Leider gibt es aber vor allem in Hamburg, der Stadt, die sich schon immer für etwas Besonderes hielt, der täglich staugeplagten Stadt, der es nicht zu peinlich ist, bald schon den Internationalen Weltverkehrskongress ITS 2021 auszurichten, noch immer Leute in der Politik, die die Zeichen der Zeit nicht erkannt haben und dringend Nachhilfe brauchen. Einer von ihnen ist der Eimsbütteler Bezirks-SPD Fraktionsvorsitzende Rüdiger Rust.

Nachdem eine Initiative mit wissenschaftlicher Begleitung der TU Hamburg Harburg das Rathausquartier ab Juni für drei Monate autofrei machen will (das will sie immer noch, aber es scheint sich – welch Wunder – zu verzögern) und der Nachbarbezirk Altona mit gutem Beispiel und sogar mit den Stimmen der CDU voran geht und ab September für sechs Monate in mehreren Straßen im Kern von Ottensen die Autos verbannt, wollen Eimsbüttels Grüne nicht tatenlos nur zusehen müssen und brachten daher Anfang Mai in einem Antrag in der Eimsbütteler Bezirksversammlung das „Pilotprojekt Straßenpark“ ein. Auch hier geht es darum, Autos aus bestimmten Straßen(abschnitten) fernzuhalten, um öffentlichen Raum wieder allen zugänglich zu machen. Parkplätze werden dabei wegfallen, anders ginge es auch gar nicht. So oder so, es ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, doch das scheint besagter Rüdiger Rust ganz anders zu sehen: „Parkplätze sind wichtig, der Druck nimmt zu. Niemand darf verdrängt werden. Das muss genau geprüft werden.“ Und Rust ist da leider nicht alleine. Auch Parteikollege Moritz Altner scheint es schwer zu fallen, sich überhaupt in Frage kommende Straßen in seinem doch recht großen und dicht besiedelten Bezirk vorstellen zu können: “Falls es überhaupt geeignete Straßen für eine solche Idee in Eimsbüttel gibt, werden wir nach Abschluss der Prüfung diskutieren, ob und wie die Idee der Grünen von uns unterstützt werden kann” . Wow, SPD Eimsbüttel, wir hätten nie gedacht, dass es sich die Partei so dermaßen einfach macht, sich selbst ins verkehrs-, flächengerechtigkeits- und klimapolitische Abseits zu katapultieren. Und das ausgerechnet wenige Tage, bevor EU Parlament und die Bezirksparlamente neu gewählt werden. Chapeau!

Was soll denn da eigentlich geprüft werden? Soll geprüft werden, an welcher Ecke betroffene Bürger am wenigsten auf die Barrikaden gehen? Diese Ecke werden Sie niemals finden, da können Sie lange prüfen. Oder wollen Sie monatelang jede Straße unter Beobachtung stellen? Sehen, wo die Leute ihre Autos abstellen, auf Fuß- und Radwegen, in Kreuzungsbereichen, Rettungswegeinfahrten, auf Schulwegen oder vielleicht sogar in Grünanlagen, genauer, im Straßenbegleitgrün, sofern davon überhaupt noch etwas übrig geblieben ist? Unser Tipp: Auch das brauchen Sie nicht zu prüfen. Wir – und sicher auch sehr viele andere geplagte Eimsbütteler Bürgerinnen und Bürger – haben das teilweise schon jahrelang dokumentiert. So lange, dass wir es vor lauter Frustration ob der Aussicht, dass „sich ja eh nichts ändert“, längst wieder aufgegeben haben.

„Niemand darf verdrängt werden“
Rüdiger Rust (SPD Eimsbüttel Bezirksfraktionsvorsitzender)

Lieber Herr Rust, im Kerngebiet Eimsbüttel besitzt die Mehrheit der Bewohnenden schon längst kein Auto mehr. Meinen Sie, die fühlen sich überhaupt noch angesprochen mit „verdrängt werden“?
Schauen wir uns lieber mal einige Fakten an: Die Autozahlen in Hamburg steigen und es kommen weiter wieder mehr Kinder und Radfahrende bei Unfällen zu Schaden. Das ist eindeutig ein Zeichen dafür, dass etwas grundfalsch läuft in dieser Stadt. Dass es voller auf den Straßen wird ist das eine. Das andere sind zu einem Großteil sicherlich die KFZ Lenkenden, die gar nicht mehr mitbekommen und wahrnehmen, dass sie sich in einem Raum bewegen (wenn sie sich denn überhaupt bewegen), der gerade Kindern so ziemlich alles nimmt, was diese für eine gute Entwicklung brauchen. Zehnmal so viel Parkplatzfläche gibt es z.B. in Berlin statt für die Hauptstadtkinder Spielplätze. Aus Hamburg haben wir leider keine Zahlen dazu, auch aus Berlin gibt es keine offiziellen Zahlen dazu, aber die Agentur für Clevere Städte hat bereits 2014 ein Kooperationsprojekt mit Frau. Prof. Dr. Ines Carstensen von der Best-Sabel-Hochschule durchgeführt, um diesen Zahlen wissenschaftlich auf den Grund zu gehen. Nun, Berlin und Hamburg sind nicht ganz gleich groß, aber beide Städte fühlen sich in dieser Beziehung recht ähnlich an. Dank in Berlin oftmals recht breiter Straßen und somit auch breiteren Fußwegen dürften die Zahlen für Hamburg vergleichsweise noch mieser sein. Und, noch dies kurz vorweg – pro 1000 Einwohner kommen in Hamburg aktuell 434 PKW, in Berlin sind es dagegen „nur“ 335. Aber, kommen wir nun zu besagten Berliner Ergebnissen: Stolze 19%, fast ein fünftel aller Verkehrsflächen, ist dort allein parkenden Fahrzeugen vorbehalten Und die parken bekanntlich ganz schön lange: 23 Stunden am Tag im Schnitt. Insgesamt werden 58% aller Verkehrsflächen vom Auto, fahrend und stehend, belegt. Dabei werden nur noch ein Drittel aller Wege in der Hauptstadt mit Autos zurückgelegt. Nur 3% bleiben z.B. den Berliner Radfahrenden übrig.

Herr Rust und Herr Altner, nun noch einmal die Frage von vorhin: Was möchten Sie denn da gerne so genau prüfen noch? Geben Sie uns bitte mal einen Hinweis!

Machen Sie die Osterstraße zum „Straßenpark“, sie schreit geradezu danach! Zahlen, Daten, Fakten und Ideen dazu finden Sie alles hier auf „Osterstraße autofrei!“ Ganz besonders ans Herz legen möchten wir Ihnen und allen anderen Interessierten zudem die Lektüre des Beitrags „Alles Glück liegt auf der Fahrbahn“ (Februar 2014), ebenfalls dort erschienen. Einmal lesen und hinterher die Stadt mit anderen Augen sehen! Richten Sie zudem im Umfeld von mindestens ca. 100 Metern vor allen Eimsbütteler Schulen solche Straßenparks ein. Nicht prüfen (oder wenn, dann nur ganz kurz!), sondern einfach mal Hände hoch für diese Projekte! Denn diese Kleinigkeiten sind allesamt Pillepalle gegen all das, was es sonst noch braucht, um dem Wandel auf Straßen und im Raum den nötigen Anstupps zu geben. Das wollen wir doch eigentlich alle, Sie auch, oder etwa nicht?!

„Viele KFZ müssen verdrängt werden!“
(Kai Ammer, KURS FAHRRADSTADT)

Nichts ist so effektiv, Autos in den Städten zu verbannen, wie das Einführen einer City Maut, das Parken im öffentlichen Raum kostenpflichtig zu machen und Innenstädte sowie Quartiesrzentren autofrei zu halten. Es nützt auch gar nichts, verdruckst um eine Sache herumzureden, von der wir alle ganz genau wissen, worum es geht. Genauso wie wir alle wissen, dass es die Verkehrswende nur dann geben kann, wenn zunächst ordentlich Platz geschaffen wird. Denn der ist die Grundvoraussetzung, um die Angebote für Fuß- Rad- und öffentlichen Verkehr weitaus attraktiver ausbauen zu können. Wenn wir unseren Planeten dauerhaft einigermaßen lebenswert halten möchten, dann müssen wir JETZT damit beginnen, mit voller Kraft voraus, nicht nach achtern, die lieben Herren Rust und Altner. Und weil das so ist, schlägt nun sogar der wissenschaftliche Beirat von Bundeswirtschafts(!)Minister Peter Altmaier genau eine solche City Maut auch für deutsche Städte vor. In vielen anderen Metropolen gibt es das bereits alles. In London kostet die Einfahrt in die City aktuell 14,50 Euro am Tag, zuzüglich einer „Staugebühr“ von 13,35 Euro. Wer keinen Diesel Klasse 6 hat, zahlt noch eine Gebühr dazu. In Amsterdam wird zwar keine City-Maut erhoben, dafür kostet aber das Parken – etwa 535 Euro im Jahr. In Stockholm werden bis zu 9,82 Euro/Stunde „Staugebühr“ (Ex City-Maut) kassiert, wenn mit dem KFZ in die Stadt gefahren wird. Parken in Innenstadtlage schlägt noch einmal mit etwa 6 Euro pro Stunde zu Buche. Für Anwohner ist es ein wenig günstiger: Sie zahlen „nur“ 6 Euro pro Tag dafür, 345 – 1200 Euro im Jahr. In Tokio ticken die Gebührenuhren noch einmal ganz anders. Das lassen wir mal weg jetzt. So oder so – da überlegt man es sich dreimal, ob ein eigenes Auto tatsächlich noch lohnt. Keine Stadt, die bisher eine City-Maut oder hohe Parkgebühren eingeführt hat, hat diese wieder abgeschafft. Warum auch? Die Erfolge können sich sehen lassen! Mit dem eingenommenen Mitteln kann nämlich kräftig in die Verkehrswende investiert werden. Sie sehen schon, mit kleinen „Straßenparks“, die Sie so gerne noch prüfen möchten erst, hat all dies nicht wirklich was zu tun….

Für das Gratisparken in Deutschland und das „Gratisparken“ nur für Bewohner (ca. 20 Euro für zwei Jahre) gibt es schlicht keine sinnvollen Argumente mehr. Unverschämt ist, dass z.B. falsch parken deutlich billiger ist, als in Bahnen und Bussen schwarz zu fahren. Noch unverschämter ist, dass dieses Falschparken so gut wie gar nicht sanktioniert, sondern, ganz im Gegenteil, in weiten Teilen ganz einfach weiter geduldet wird. Zum Thema parken hat die AGORA Verkehrswende auch noch Interessantes zusammengetragen: „Umparken – den öffentlichen Raum gerechter verteilen“.

Unsozial ist aber etwas ganz anderes, liebe sozialdemokratische Parteigenossen Altner und Rust. Unsozial ist, wenn durch hiesigen KFZ Verkehr beträchtliche Kosten entstehen, die alle tragen müssen, also auch diejenigen, die selbst nicht Auto fahren. Unsozial ist, wenn Menschen mit niedrigerem Einkommen, die oftmals keine eigenen Autos mehr besitzen, an unbeliebteren Hauptverkehrsstraßen wohnen, auf denen die Vorstadt- oder gar auf dem Lande lebenden Möchtegern-naturpur-Freunde in ihren energiefressenden SUV’s (18,3% aller Neuzulassungen!!!) gedankenlos und luftverpestend ihren Stauanteil in die Hamburger Innenstadt schieben. Unsozial ist, wenn den HVV dagegen nur diejenigen zahlen sollen, die ihn nutzen. Ausgerechnet diejenigen, die damit den größten Beitrag für Lebensqualität und Klimaschutz in Hamburg leisten.

Stadt neu denken – Stadt neu leben!

Wenn wir anfangen, neu zu denken, wenn wir den Raum schaffen, neue Fußgängerzonen in der Innenstadt und den Quartierszentren zu etablieren, wenn wir es in Angriff nehmen, den Straßenraum vor unseren Schulen umzugestalten, wenn wir neue Bahnen und Buslinien einrichten, HVV dichter getaktet und erschwinglich zu machen, dann werden wir ganz schnell merken, dass niemand mehr das Gefühl haben wird, verdrängt zu werden, um es noch einmal mit SPD-Rust’s Worten zu sagen. Im Gegenteil. Die Hamburgerinnen und Hamburger werden wieder näher zueinander finden, sie werden mehr miteinander kommunizieren, sich mehr an der frischen Luft bewegen, gesünder leben, mehr Freude haben, kurzum, sie werden zufriedenere und ausgeglichenere Menschen werden. In wenigen Jahren schon könnte die Innenstadt komplett autofrei sein, längs des Ring 1 verkehrt nun der spacige „Hyper5“ der Hochbahn, den alle gratis nutzen dürfen. Nur etwa 200 Meter sind die Stationen voneinander entfernt, von denen sich jeder Punkt in der Innenstadt zu Fuß innerhalb von maximal 5 – 7 Minuten erreichen lässt. Unter ihm umrundet ein Radschnellweg die City.

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In den Quartierszentren der Stadtteile wurden viele Flächen begrünt, fröhlich wird nun gemeinsam in vielen öffentlich geförderten Urban-Gardening-Areas gesät, gerupft und gepflückt. Kinder toben auf Sport- und Spielflächen in Sichtweite der in kleinen Läden shoppenden und in Cafés Latte-trinkenden Eltern – nicht wie bisher nur irgendwo umzäunt in den Nebenstraßen. Gerade startet Hamburg noch ein weiteres ganz neues Projekt: Sogenannte Stadtteilidentifikationspavillons entstehen überall in Hamburg. Info- und Selbsthilfesharingpoint, Nachbarschaftstreff mit Bistro- und kleinem Veranstaltungsraum für alle möglichen Aktionen – von schlichtem Beisammensein über Kunst und Musik, Film bis Spiel. Finanziert werden sie aus Etats der Kulturbehörde, der seit einigen Jahren 8% der Einnahmen aus Maut- und Parkgebühren zugeteilt werden. Hamburg entschleunigt sich, profitiert enorm vom eingeschlagenen Weg, wird erstmals seit dem Bau der Elphi wieder international bewundert und zählt nun mit zum Club der Städte mit den glücklichsten Menschen in der Welt.

Na? Vielleicht ist die Idee mit den „Straßenparks“ ja doch nicht so schlecht, oder?
Was meinen Sie, werte Herren Rust und Altner?
Über eine Antwort – gern auch nach den Wahlen, würden wir uns von KURS FAHRRADSTADT jedenfalls sehr freuen!

Übrigens, kennen Sie Mikael Colville-Andersen? Das ist der Mensch, der Copenhagenize gegründet hat. Heute berät sein Team Metropolen überall in der Welt in Sachen Wende im Verkehr. Was es dazu braucht und wie das geht. Das alles verrät er in diesem Video, ganz aktuell von der re:publica 2019 im Mai in Berlin. Schauen Sie einmal rein!

Vielleicht möchten Sie unsere Arbeit sogar unterstützen? Das freut uns ganz besonders! Bitte unterschreiben Sie dann hier unsere Petition an Bürgermeister Tschentscher:
kfhhlogo-change-org

KURS FAHRRADSTADT Demo auf der Elbchaussee

Heute, einen Tag danach, schien wieder die Sonne über Hamburg und wurde es wieder warm. Davon konnte gestern leider keine Rede sein. Hamburger Schietwetter halt, kalt noch dazu. Wir gingen von mindestens 500 Teilnehmenden aus, ganz so viele sind es am Ende dann doch nicht geworden. Aber hey, rund 300 wackere Radlerinnen und Radler, jung und alt, auf Klapprädern, normalen Rädern, Lastis oder sogar einem Radboot ließen sich davon nicht abhalten! Es gab ja auch Wichtiges zu tun! Gestern wurde die Elbchaussee nämlich zur Fahrradstraße gemacht! Danke schon hier einmal für die grandiose Unterstützung! Ohne euch hätten wir es niemals gewuppt!

„Aufmarschgebiet“ war an der Ecke vor der Christians Kirche, da, wo die 8,6 Kilometer lange Elbchaussee beginnt. Neben unserem Infotisch hatten sich die Freunde vom  Radentscheid Hamburg aufgebaut, um ordentlich Unterschriften für die gerade begonnene Volksinitiative zu sammeln.

Wir haben hier nun alles für euch zusammengetragen, damit ihr alle, auch die, die nicht dabei waren, die Möglichkeit habt, diese tolle Verkehrswende-Demo noch einmal zu erleben.

Die Schiffsglocke läutet. Damit läuten wir die Verkehrswende in Hamburg ein.

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Nachdem nach und nach mehr Leute mit ihren Rädern eingetrudelt waren, eröffnete Jörn unsere Demo, weckte Freude auf mehr und übergab an mich.

Kurz später war es dann endlich soweit:
Wir enterten die Elbchaussee und hatten sie zur Fahrradstraße gemacht! Die Polizei hatte weiträumig und konsequent abgesperrt und sämtlichen Verkehr umgeleitet, so dass alle wirklich entspannt und gefahrlos auf dieser tollen Straße radeln konnten.

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Wow, wie ruhig es plötzlich ist, wie schön es ist, angstfrei nebeneinander dahinzugleiten. Wir – und wir glauben, ganz bestimmt nicht nur wir – sind begeistert!

Aber, sind wir denn nicht total verrückt? Meint ihr es wirklich ernst, mit einer Fahrradstraße auf der Elbchaussee? Aber klar doch!
Das erklären euch Christine und Jörn jetzt am einen Kilometer entfernten Hohenzollernring:

Danach konnte die autofreie Elbchaussee, also die Fahrradstraße, nochmals für ein paar Runden beradelt werden, um sicherzugehen, dass das tatsächlich funktioniert. Es klappte wunderbar! Zwischenzeitlich hatte es auch geregnet und die ersten verließen nun die Demo. Darum waren wir am Ende, als Andreas allen noch einmal ins Gewissen redet, warum genau so etwas jetzt auf dieser Straße passieren sollte, einige Leute weniger. Im Hintergrund rauschten nun nach über einer Stunde wieder die Autos vorbei. Wie kann man das nur freiwillig weiter so hinnehmen?

Das war es nun, die Simulation einer Fahrradstraße auf der Elbchaussee.

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Schade, dass das Wetter nicht so mitspielte, wie wir es uns gewünscht hatten und dass diese Demonstration so gut wie komplett unterhalb des Medienradars lief. Ein bisschen mehr Medienunterstützung wäre schon wünschenswert, damit die wichtige Message auch bei den Menschen außerhalb unseres Unterstützerzirkels ankommt. Es ist schließlich noch ein weiter Weg bis zur Verkehrswende – gerade in dieser Stadt.

Wir sagen DANKE!
Danke an die Polizei, die uns die Elbchaussee so lange und gut von Autos freigehalten und unsere Simulation einer Fahrradstraße hervorragend begleitet hat.
Danke an alle, die Bilder und Videos gemacht haben und diese verbreitet oder uns zu Verfügung gestellt haben.
Danke an unsere Familien, ohne deren Rückendeckung wir dieses Engagement wahrscheinlich gar nicht leisten könnten und
DANKE an euch alle, die dabei waren! Ihr seid spitze!
Dank euch werden wir uns nicht entmutigen lassen, uns weiter einzumischen.
Bis zum nächsten Mal!

Kai und das ganze KURS FAHRRADSTADT-Team

Wir haben hier unsere Reden auch in Textform für euch hinterlegt. Ladet euch hier die PDF Datei herunter

Pressemitteilung zur KURS FAHRRADSTADT Verkehrswende-Demo Elbchaussee (PDF)

Presseschau zur Verkehrswende-Demo:

Vor der Demo:
„Elbchaussee: Fahrraddemo gegen Umbaupläne“
Hamburger Abendblatt, 12. April 2019

Ihr findet uns auch auf twitter, facebook und diaspora* und natürlich:

Habt ihr KURS FAHRRADSTADT schon unterzeichnet?
Falls nicht, hier könnt ihr es jetzt tun:
https://www.change.org/p/kurs-fahrradstadt

kfhhlogo-change-org

Elbchaussee macht Platz für euch! KURS FAHRRADSTADT Demo am 14. April

Hallo liebe Fans von
KURS FAHRRADSTADT,

nur noch wenige Tage, dann steigt am Sonntag die nächste Aktion von KURS FAHRRADSTADT: Zusammen mit der Initiative „Reine!Luft!Altona“ gehen wir mit den Rädern wieder auf die Straße, um mit dem Beginn der neuen Radsaison auch Hamburgs träger Verkehrspolitik mächtig Dampf zu machen.

Das ist auch bitter nötig, wie es der heute vom adfc vorgestellte Fahrradklimatest 2018 zeigt. „Wir haben etwas gegen Mangelhaft“, titelte KURS FAHRRADSTADT zu den jämmerlichen Resultaten von 2016. Dieses Jahr sind die Ergebnisse noch ein wenig schlechter. Eine schallende Ohrfeige ist das für den Senat und sein „Bündnis für den Radverkehr“ sowie für den Hamburger adfc, dessen Fahrradinfrastrukturpolitik damit erneut von den Radfahrenden zerfleddert wird. Es ist eben nicht damit getan, sich über ein paar Velorouten oder neue Streifenmalereien auf den Fahrbahnen zu freuen. Radverkehr fördern – das geht anders!

Zum Beispiel Fahrradstraßen da zu fordern und zu bauen, wo sie Sinn machen.
Darum machen wir von KURS FAHRRADSTADT Platz für euch auf der Elbchaussee. Nicht nur reden – sondern live erleben, mit euch, mit allen, Groß und Klein, laut und bunt! Seid kreativ, bringt Plakate mit, malt Fahrradstraßenschilder und was euch sonst noch einfällt.

Und, noch einmal unsere dringende Bitte, kurz zu überlegen, ob es nicht noch ein paar Menschen gibt, die ihr kennt und die sich freuen würden, auch dabei zu sein. Bitte teilt unsere Demoaufrufe, damit ganz Fahrrad-Hamburg kommen kann:

Immer gerne auf unsere Demo-Seite hinweisen:
https://kursfahrradstadt.wordpress.com/2019/03/27/verkehrswende-demo-elbchaussee/ (Hier findet ihr alle Infos und Hintergründe zur Verkehrswende-Demo)

Link Veranstaltung Facebook:
https://www.facebook.com/events/1336965563121711/

Link Veranstaltung nebenan.de:
https://nebenan.de/public_feed/6729531

KURS FAHRRADSTADT auf twitter:
https://twitter.com/OsterstrasseHH

KURS FAHRRADSTADT auf *JoinDiaspora:
https://joindiaspora.com/people/ef5a4920997901344b190242ac110007

KURS FAHRRADSTADT auf change.org:
https://www.change.org/p/kurs-fahrradstadt (Petition unterzeichnen)

Also, wir sehen wir uns am Sonntag, 14.4., 14 Uhr auf der Elbchaussee Ecke Klopstockstraße.

Wir zählen und freuen uns auf euch! Bis bald!

Euer Team KURS FAHRRADSTADT

 

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KURS FAHRRADSTADT auf change.org unterzeichnen

kfhhlogo-change-org

„HYPER 5“ für Linie 5

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„Hyper5“ auf Streckenabschnitt Hoheluftchaussee. Nachdruck bei Urhebernennung gestattet.

Nachdem die HHLA angekündigt hat, vom Containerterminal Altenwerder ins Hamburger Umland einen Hyperloop bauen und einsetzen zu wollen („Mit dem „Hyperloop“ So will die HHLA in Zukunft Container durch den Hafen schießen“, MOPO, 05.12.2018) sowie die Container auf dem Terminalgelände selbst und im Hafen mit Flugdrohnen zu bewegen („Das Tor zur Zukunft“ Fliegen bald Containerdrohnen durch den Hamburger Hafen?“, MOPO, 27.03.2019), um den (Ab)Transport der Container aus dem Hafen zu revolutionieren, zieht nun offenbar auch das Hamburger U-Bahn und Busunternehmen nach: Wie KURS FAHRRADSTADT aus gut informierten Kreisen gestern erfuhr, wird angedacht, Europas meist frequentierte Buslinie, den Metrobus 5 aus Burgwedel in die City, durch einen Hyperloop zu ersetzen. Ein Sprecher des Unternehmens äußerte sich uns gegenüber mit den Worten, dass die aktuell geplante U5 und die Verlängerung der U4 zur Horner Geest die letzten neu gebauten U-Bahnen dieser Art in Hamburg werden. „Was danach folgt, sei ein gewaltiger Schritt in der urbanen Mobilität, wie ihn die Welt bis jetzt noch nicht gesehen hat. Mit dem „Hyper5″ werden wir neue Stadtverkehrsgeschichte schreiben“.

Aktuell sei man in Kooperation mit dem „Hyper5“-Bauer in der hauseigenen Forschungsabteilung dabei, einige letzte „kleinere offene Fragen“ zu klären. Als problematisch erweist sich noch die starke Beschleunigung an den Haltestellen. Aber man sei zuversichtlich, auch dafür rasch Lösungen zu finden. „Die Fahrgäste können sich schon jetzt auf komplett neuartige Sitz- und Stehmöglichkeiten freuen: Bis zu 1,5 Meter dicke und weiche Schaumstoffpolsterungen über die vollen Sitz- und Stehhöhen sorgen dafür, dass man weder von der Beschleunigung noch vom Bremsvorgang etwas merkt, verspricht der Projektsprecher. „Butterweich“ werde der Fahrgast in die elastische Kunststoffmembran gedrückt, so sanft, dass man es nicht einmal als ein Reingedrücktwerden empfinden würde – „absolut kein Vergleich mit den eher unangenehmen Starts und Landungen in Flugzeugen“. Jeder Passagier hat eine einzelne Luke, die neben viel Raum auch alle anderen Annehmlichkeiten wie WLAN und USB-Slots sowie ein völlig neuartiges Beleuchtungskonzept und Entertainment-System bereithält. Dass mehr Platz pro Fahrgast benötigt werde als in den herkömmlichen Bussen, sei insofern nicht weiter relevant, weil dafür der „Hyper5“ im 20 Sekunden Abstand an den Haltestellen anlanden und auf diese Weise „letztlich ein Vielfaches der heutigen Transportkapazität geschaffen“ würde. Ein großer Teil der Fahrzeit werde leider auch zukünftig durch das Halten an den Haltestellen verbraucht, aber man sei nun mal ein Nahverkehrsunternehmen, „da können wir nicht einfach Stopps ausfallen und die Leute da stehen lassen“. Dennoch würde sich die gesamte Fahrzeit von Burgwedel über Niendorf bis zum Hauptbahnhof annähernd um zwei Drittel reduzieren, was „ein sensationeller Zeitvorteil“ sei.

Zu den Kosten könne noch keine genaue Angabe gemacht werden, nur soviel sei klar, dass der „Hyper5“ in absoluter Leichtbauweise aus Aluminium entwickelt und auf ebenfalls in Leichtbauweise errichteten Stelzenbahnen verkehren werde. Dadurch würden am Ende Kosten angepeilt, die weit unterhalb des klassischen U-Bahnbaus liegen sollen. Zudem könne aufgrund der über den Fahrbahnen entlangflitzenden „Hyper5″s auf die in der Bevölkerung nicht gut angekommene Busbeschleunigung verzichtet und könne diese darum zurückgebaut werden („Mein Viertel, meine Straße, mein Zorn“, Süddeutsche Zeitung, 11.02.2015). Es sei geplant, auch ein paar neue Bäume zu pflanzen, erfuhren wir durch unsere Quelle. 

Zur Zeit gehe man von einem Baustart in Burgwedel im Jahr 2025 aus.

 

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Verkehrswende-Demo ELBCHAUSSEE

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KURS FAHRRADSTADT organisiert am Sonntag, den 14. April 2019 von 14:30 bis 16:30 Uhr eine Teilsperrung der Elbchaussee, um diese als Fahrradstraße erlebbar zu machen. Alle Hamburgerinnen und Hamburger sind eingeladen, sich für eine zukunftsgerichtete Mobilitätswende einzusetzen und durch die Teilnahme an der Aktion ein starkes Signal auf der Elbchaussee zu setzen und die wohl schönste Straße Hamburgs gemeinsam zu erradeln. Unterstützt wird die Aktion von der Initiative „Reine!Luft!Altona“.

Selbstverständlich handelt es sich hierbei um eine polizeilich angemeldete und genehmigte Demonstration.

Wir freuen uns über rege Teilnahme und Eure Hilfe dabei, die Verkehrswende-Demo insbesondere auch im Bereich Altona / Ottensen / Bahrenfeld / Nienstedten bekannt zu machen. Unseren offiziellen Demoaufruf dürft ihr gerne teilen, ihr dürft ihn auch ausdrucken und möglichst an vielen Orten so aufhängen, dass viele Menschen ihn sehen können:

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Demoaufruf downloaden, PDF Datei, 1,3 MB,
für Drucke in A4 und A3 geeignet

Wir mobilisieren für diese Demo auch mit einer facebook-Veranstaltungsankündigung. Wir freuen uns immer, wenn ihr mithelft, diese dort weitere Kreise ziehen zu lassen.

Unsere Pressemitteilung ist heute an die Hamburger Medien gesendet worden:
Pressemitteilung Verkehrswende-Demo Elbchaussee vom 27. März 2019

 

Zum Hintergrund der Verkehrswende-Demo:

(Auszüge aus KURS FAHRRADSTADT Beitrag „Wundersame Wandlung der Elbchaussee“)

Hintergrund der Aktion, die wir mit Unterstützung der Initiative Reine!Luft!Altona planen, sind Äußerungen des Landesbetriebs Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG), in denen es heißt, dass es aller Voraussicht nach auch nach dem geplanten Umbau der Elbchaussee auf deren östlichem Abschnitt (Hohenzollernring – Rathaus Altona) aufgrund von Platzmangel wohl keine sichere Radwegeinfrastruktur realisiert werden könne. Stattdessen werde für diesen Bereich wohl eher in Frage kommen, dass geprüft wird, inwieweit der Radverkehr statt über die Elbchaussee über die noch auszubauende Veloroute 12 durch Ottensen geführt werden könne. Das jedoch wäre eine grobe Missachtung der Bedürfnisse und Wünsche von Radfahrenden, die seit Jahren auf eine gute Verbindung aus dem Westen der Stadt Richtung City warten.

Eine Umleitung des Radverkehrs über die Bernadotte Straße bis zum Anschluss an die Veloroute 12 an der Königstraße entspräche einem Umweg von 800 Metern; möchte der Radfahrende jedoch das Ziel Palmaille erreichen, beträgt der Umweg sogar einen ganzen Kilometer! Das ist für uns schlicht inakzeptabel. Es ist erwiesen, dass Radfahrende (wie auch Fußgänger) Umwege scheuen, sondern eher ‚kreative‘ Abkürzungen gefunden werden. Das darf auch nicht verwundern, schließlich ist es deren eigene Kraft, mit der sie sich im Gegensatz zu KFZ-Fahrenden fortbewegen. Es sollte innerhalb der Stadt daher selbstverständlich sein, in solchen Fällen das Bedürfnis der Radfahrenden, welches sich in diesem Punkt absolut nicht von dem der Autofahrenden unterscheidet, die im Gegensatz zu ihnen jedoch umweltfreundlich unterwegs sind, vorzuziehen. Umwege können eher die fahren, die dafür keine eigene Energie verbrauchen.

Sind wir verrückt geworden?

Ganz und gar nicht! Gute Lösungen für den Radverkehr wurden von der Mehrheit der an der Bürgerbeteiligung teilnehmenden Menschen übrigens ausdrücklich gewünscht. Mit überwältigender Mehrheit wurde dieses bereits bei der Auftaktveranstaltung deutlich (siehe Seite 1 und 2, jeweils Punkt 7: https://lsbg.hamburg.de/contentblob/11078242/ec8c2c81c8effb4c16752e040648eba6/data/elbchaussee-1-beteiligungsveranstaltung-stimmungsbild-und-zusatzbeitraege.pdf) Für den mittleren Abschnitt der Elbchaussee wurde diese Lösung nun auch als eine Variante bereits tatsächlich geplant und im weiteren Verlauf des Beteiligungsverfahrens zudem als die mit deutlichem Abstand beste Planungsvariante ausgewählt (von 92 Bewertungen 56 „sehr gut“, 24 „gefällt mir gar nicht“, 2 „gefällt weniger gut“ und 10 „Entwurf ist ok“ https://lsbg.hamburg.de/contentblob/11963502/0683db4845d3c7febce9b29a75c199df/data/elbchaussee-2-dialogveranstaltung-poster.pdf Seite 10).

Als Gründe, warum auf weiten Teilen der Elbchaussee angeblich keine vernünftigen Radwege eingerichtet werden können, verweist der LSBG auf zu schmale Fahrbahnschnitte, Bäume, die im Wege seien, Parkplätze, die entfallen würden sowie im östlichen Abschnitt auf die zu hohe (Auto)Verkehrsdichte, die eine Verschmälerung der Fahrbahn nicht zulassen würden und die Einrichtung einer Fahrradstraße schon gleich gar nicht. Denn „eine Fahrradstraße kann nach StVO nur dann angeordnet werden, wenn das erwartete Radverkehrsaufkommen das Kfz-Aufkommen aktuell oder in Zukunft übersteigt. Eine solche Entwicklung ist für die Elbchaussee nicht zu erwarten“, heißt es vom LSBG. Wie denn auch, wenn es dort keinerlei sichere Fahrradinfrastruktur gab und geben wird? (Merke: In den heutigen Fahrradstraßen Harvestehuder Weg und Leinpfad hatte es schon immer in weiten Teilen baulich getrennte Radwege gegeben).

Zudem muss hier ganz offensichtlich noch einmal erinnert werden an ein Ereignis, welches unserer Meinung nach in den bisherigen Überlegungen scheinbar komplett verdrängt wurde: Es geht um den Radweg unten am Elbstrand, der gebaut werden sollte. 5 Meter breit oder mehr. Eine Beton-Piste, die den Charme des Stadtstrandes massiv zum Schlechteren verändert hätte. Mit 76% haben die Altonaerinnen und Altonaer im September 2017 gegen dieses Projekt gestimmt, nicht ohne schon damals zu betonen, dass Alternativen auf der Elbchaussee geschaffen werden sollten. (Siehe auch Elbstrand bleibt Elbstrand“, KURS FAHRRADSTADT, 18. September 2017)

 

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KURS FAHRRADSTADT –
Vision einer neuen Elbchaussee:

Ein Pärchen schlendert aus dem Gebäude an der Van der Smissen Straße auf einen kleinen Vorplatz, auf dem sich viele Menschen tummeln. Nein, die beiden sind nicht mit dem hier liegenden Kreuzfahrtriesen angekommen, sondern der Zufall hat sie vom Fischmarkt aus her gespült. Dort hatten sie sich zuvor begeistert den legendären Markt angesehen, der seit einiger Zeit täglich und ganztags abgehalten wird. Bevor sie eben aus dem Gebäude kamen, hatten sie sich drinnen zur Stärkung noch einen „Hamburg Cocktail“ an der Terminal-Bar gegönnt. Und nun fällt ihnen auf, dass hier einiges ganz anders ist als anderswo.

Zuerst fesselt eine gewaltige StadtRADHamburg Bike-Sharing-Station ihre Aufmerksamkeit, in der es neben normalen Drahteseln auch knallrote, knubbelige, überdachte Räder gibt, die – in Hamburg durchaus nicht ohne Sinn – mit eingebauten Seitentüren vor Wind und Regen schützen. Es gibt sogar spacig aussehende „Doppelsitzer“, Räder fast mit Sofa, Seilbahngondeln ähnlich. Ein Fahrrad nach dem anderen wird entliehen und verschwindet samt den Strampelnden links auf die Große Elbstraße.

Im nächsten Moment entdecken unsere Hamburg-Landgänger eine kleine Schlange Rikschas, wie gemacht für sie. Das Angebot an Touren ist weit gefächert, von den „Touristik-Highlights“ inklusive Elphi- und Elbtower-Besuch bis hin zur „Fahrradstadt-Tour“ für alle, die sich ansehen wollen, wie sich Hamburg in den letzten Jahren zu einer international angesehenen „Slow-City“ -Stadt gemausert hat, die wieder den Menschen und damit das Lebenswerte in den Mittelpunkt allen Handelns stellt. Könnte interessant sein, oder?

Doch was ist das? Fast wie aus dem Nichts fahren leise surrend kleine, rundum verglaste Busse ohne Fahrer an unseren Touristen vorbei und bleiben wenige Meter weiter hinter dem Terminal am Fahrbahnrand stehen, zeitgleich öffnen sich die Türen aller 15 seltsamer Gefährte. Im nächsten Moment marschiert eine mittelgroße Menschenmenge in die Busse, die Türen schließen sich und vollautomatisch setzt sich die Karawane wieder in Bewegung. Welch ein ungewohntes Schauspiel! Was unsere erstaunten Gäste nicht sehen und wissen können, ist, dass diese Busse minutengenau am Fähranleger Dockland angekommen sind. Seit zwei Jahren, seit Hamburg den ITS Verkehrsweltkongress abgehalten hat, pendeln nämlich insgesamt 6 kombinierte Elektro-LNG-Highspeed Express-Katamarane im HADAG und HVV Auftrag zwischen Stade, Wedel, Blankenese, Airbus bei Finkenwerder, Dockland, Landungs- und Elbbrücken. Alle 20 Minuten wird am Dockland angelegt und die Fahrgäste, von denen einige sogar Fahrräder von Bord schieben, werden dann mit den Minibussen direkt und nonstop zu den westlichen Knotenpunkten „Alter Bahnhof Altona“ und weiter zum neuen Fernbahnhof Altona-Diebsteich geshuttelt, von wo aus die Menschen sich weiter verteilen. Der Erfolg ist so überwältigend, dass über eine Taktverdichtung und eine wasserseitige Verlängerung des Services auch nach Harburg konkret nachgedacht wird.

Wir sind mal optimistisch und tippen darauf, dass unsere Hamburg-Entdecker sich für die „Fahrradstadt-Tour“ entscheiden. Sie tun es tatsächlich und nehmen in einer der Rikschas Platz. Wenig später biegt auch dieses Gefährt links in die Große Elbstraße ab, nur um kurz darauf rechts wieder auf eine Art großen Parkplatz zu steuern. Links liegt eine aufgemotzte alte Lagerhalle, am Ende und zur rechten Seite des belebten Platzes, auf dem einige gut besuchte Cafés zum Verweilen einladen, erhebt sich eine mächtige, rot in der Sonne schimmernde Backsteinwand. Riesige, fast überdimensional große Fahrrad-Symbole prangen weit oben an dem historischen Mauerwerk. Nun lenkt die Rikscha in den Eingang eines hell ausgeleuchteten Tunnels und rastet wie von Geisterhand auf einer Art Laufband ein. Erst langsam, dann mit steigender Geschwindigkeit zuckeln Rikscha und Touristen durch den Tunnel bergauf, immerhin so schnell, dass ein leichter Fahrtwind durch die Haare streicht. Jetzt erkennen sie, dass sie nicht alleine sind, sondern auch fast alle anderen Leute mit ihren Rädern, die sie eben noch unten am Terminal gesehen hatten, vor und hinter ihnen durch die Röhre geschaukelt werden, deren Wände scheinbar mit gekrümmten Flatscreen-Elementen ausgekleidet sind, auf denen wundersame Dinge flimmern. Z.B. Birkenhaine mit saftgrünen Wiesen zwischen den weißen Stämmen – welch ein Kontrast! Plötzlich erscheint in 3D Optik und zweisprachig die unübersehbare Frage, ob man weiter durch den Tunnel zum „Alten Bahnhof Altona“ möchte oder den „Exit Elbchaussee“ wählt. Die Rikschafahrerin wedelt kurz mit ihrem rechten Arm, schon ruckelt es einmal und die drei biegen automatisch in einen etwas schmaleren Seitentunnel ab, an dessen Ende schon Tageslicht scheint. Im nächsten Moment rastet die Rikscha auf einer Straße vor einem großen, weißen, alten und würdevoll wirkendem Gebäude vom Band und die Fahrerin beginnt, wieder selbst in die Pedale zu treten. „Now, you are on the famous Bicycle-Runway Elbchaussee“, erklärt die Expertin auf dem Sattel vorne.

Was für eine verkehrt anmutende Welt es doch hier ist! Die Straße wimmelt nur so von Rädern, Rikschas, Pedelecs und Leuten auf elektrischen Rollerblades. An den Rändern sind schöne Gehwege, jedoch nicht breit, denn Fußgänger sind hier, kurz hinterm Rathaus Altona, kaum unterwegs (die flanieren nämlich viel lieber auf den direkt hinter den Häusern verlaufenden Wanderwegen oder gleich unten am Elbstrand und Övelgönne). Autos fahren kaum, eher noch sind auch hier bis auf die Fahrzeuge einer Linie, der 111, nur kleine Busse unterwegs, die sich in der Mitte der grün gehaltenen Fahrbahn mit ihren in regelmäßigen Abständen angebrachten großen Rad-Symbolen gekonnt an all den Zweirädern vorbei schieben, ohne ihnen dabei bedrohlich nahe zu kommen. Auf der Straße radeln die Menschen in Trauben, Leute in Business-Anzügen, ganze Familien, Kinder, die alleine unterwegs sind und auch Senioren sind zahlreich unterwegs, an einigen Drahteseln der älteren Herrschaften sind sogar Stützräder montiert. Gemächlich und dennoch zügig geht es an großen Villen vorbei, in deren oft pompösen Vorgärten viele kleine Cafés und Service-Stellen für die vorbei radelnden Massen entstanden sind. Weil die Rikscha eher zu den langsamen Gefährten zählt, werden unsere Fahrradstadt-Erkundenden immer wieder auch von schwer bepackten Rädern überholt, die auf dem „Elberadweg“ unterwegs sind – die Elbchaussee ist inzwischen für sie einer der attraktivsten Abschnitte an der gesamten Elbe geworden. Hin und wieder biegt ein Auto der Anwohnenden aus Einfahrten und reiht sich in den Fluss der Radelnden ein. Neben der Rikscha überholt gerade ein Linienbus. Plötzlich hält er kurz an, Menschen steigen aus, andere zu und während das Auto, welches eben noch aus einer Einfahrt auf die Straße kam, rechts in den Hohenzollernring abbiegt, versenken sich vor dem Bus in Sekundenschnelle drei beleuchtete Poller automatisch im Boden und der Bus setzt seine Fahrt auf der Elbchaussee fort. Als die Rikscha die Stelle passiert, fahren zu beiden Seiten die Poller bereits wieder aus dem Boden empor. „That’s how we stopped the through traffic. Imagine, there were up to 32.000 cars every day on this street“, klärt die Fahrerin das Pärchen auf. Auf dem weiteren Weg werden des Öfteren größere, belebte Plätze durchfahren. Von den schön zueinander ausgerichteten, neuen Bankgruppen aus eröffnet sich ein großartiges Panorama auf den unten fließenden Strom. Grüne Parks an beiden Seiten ziehen vorbei. Es dauert nicht lange und die Fahrt endet in Teufelsbrück. Der Platz vor dem Anleger wurde ebenfalls vor drei Jahren komplett erneuert. Auch hier sehen unsere Fahrradstadt-Interessierten wieder eine große StadtRAD Station, die sogar, wie ein kleiner Leuchtturm, in den Himmel wächst. Immer wieder fahren im gläsernen, rot schimmernden Turm Räder auf und ab und unten schieben Menschen die Bikes unten hinein oder heraus. Neben der Fahrradstadstation haben City-Paketzusteller einen kleinen Hub in einem containerartigen Ensemble eingerichtet. Ein moderner LKW steht direkt daneben und es schwirren allenthalben Lastenräder, lustige Robotergefährte mit blinkenden Antennen und einige kleine Express-Brief-Drohnen zur „letzten Meile“ von und zu der Station. Der Platz direkt vor dem Fähranleger hat sich übrigens in letzter Zeit zu einem weiteren Hotspot in der Stadt entwickelt und trägt den Namen „Park Fiction Zwo“. Es wimmelt von Menschen, die den schönen Tag an der Sonne genießen möchten. Auf dem Wasser flitzt einer der Highspeed-Katamarane vorbei; von gegenüber, aus Finkenwerder kommend, legt gerade die normale Fähre am Anleger an.

Unsere Fahrradstadt-Freunde sind begeistert, mieten sich nun selbst Räder und strampeln die Elbchaussee zurück stadteinwärts. Wieder am Rathaus Altona angekommen und kurz hinter dem Tunnelausgang, aus dem sie zwei Stunden zuvor ans Tageslicht gekommen waren, stehen sie vor der Wahl, ob sie weiter geradeaus Richtung Innenstadt auf der Palmaille radeln wollen, in deren Mitte nun zwischen alten Baumreihen ein erstklassiger Zweirichtungsradweg gebaut wurde oder ob sie links in die Max-Brauer-Allee abbiegen. Hier fahren zwar Autos und Busse, aber der rechte Streifen ist zu einer guten Protected Bike Lane ausgebaut worden, die beschildert ist mit „Eimsbüttel“ und „University-Campus“. Kaum sind sie auf der Fahrradabbiegespur an die Kreuzung vorgefahren, springt die Fahrradampel für sie für 5 Sekunden auf grün. Smarte Chips registrieren ankommende Räder und schalten die Ampel umgehend um, es sei denn, Busse sind zugegen, dann bekommen zuerst sie die freie Fahrt. Sind auch Fußgänger vor Ort, entscheidet ein Zufallsgenerator zwischen Rädern und Fußgängern. Weil sie den Fischmarkt schon gesehen haben, biegen die beiden nun also links ab – und erleben das nächste Wunder der Fahrradstadt-Hamburg.
Rolf-Lasse und Mette aus Kopenhagen können kaum glauben, was sie hier erleben.
Aber eines wissen sie ganz sicher: Sie wollen bald wieder nach Hamburg kommen.

Die eben beschriebene Elbchaussee ist nur ein kleiner Teil eines weit verzweigten Fahrradnetzes, welches die von der Bevölkerung nie wirklich akzeptierten und oftmals umständliche Velorouten vor einigen Jahren abgelöst hat. Seitdem konnte Hamburg den Anteil am Radverkehr beinahe verdreifachen und auch die Fahrgastzahlen im HVV sind dank zahlreicher weiterer Verbesserungen und Vergünstigungen exorbitant gestiegen. Die Luft ist weitaus gesünder und die Stadt um vieles leiser geworden, ohne auch nur einen Hauch von Verlust zu spüren. Sehr positiv entwickeln sich auch die Unfallzahlen: Schwerverletzte im Straßenverkehr sind um über 80% zurück gegangen und die Stadt ist kurz davor, mit nur nur noch 2 Verkehrstoten die angestrebte „Vision Zero“ sehr bald zu erreichen. Wie Hamburg diesen Weg gefunden hätte, fragten Mette und Rolf-Lasse noch ihre Rikschafahrerin Kirsten, bevor sie sich verabschiedet hatten. „Oh“, sagte sie, „we got Dennis Thering, a mayor, who understood that nothing was cheaper, faster, and more effective for the city than just getting started on cycling.“

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Kleine Anmerkung:
KURS FAHRRADSTADT ist bekannt dafür, dass wir uns nicht zufrieden geben mit in Kompromissen ausgehandeltem Mittelmaß. Unser Ziel ist, den Blick auf das zu richten, was angesichts der wachsenden Stadt sowie des Klimaschutzes nötig und möglich sein muss.

Zukunftsmusik? Nö, wieso?

Es gibt heute bereits einen Fahrradlift in Norwegen, Trampe (https://www.treehugger.com/bikes/lot-cities-could-use-trampe-cyclocable.html), smarte Ampeln in den Niederlanden, die für Räder mittels Chips und Apps auf Grün schalten (https://www.mybike-magazin.de/news/gruene-welle-fuer-radfahrer-via-app-in-den-niederlanden/a6185.html) und versenkbare Poller, die Busse durchlassen, z.B. in Lissabon. Eine ähnliche Situation gibt es in Hannover, wo Straßenbahnen weiter fahren, Autos jedoch vorher die Straße durch Abbiegen verlassen müssen. Autonom fahrende Busse plant die Hochbahn bereits für die Hafencity (https://dialog.hochbahn.de/bus-in-zukunft/autonome-e-busse-fuer-hamburg-das-projekt-heat/). Auch Fahrradtunnel gibt es, z.B. in alter Kanalisation, wie hier in Jerusalem (https://www.thewashcycle.com/2018/05/jerusalem-opens-a-bike-path-in-a-sewage-tunnel.html) oder auch in Bilbao in einem ausgedienten Bahntunnel (http://www.copenhagenize.com/2009/08/worlds-longest-bicycle-tunnel-opens.html). Na, und etwas ganz ähnliches gibt es mit dem Alten Elbtunnel auch schon sehr lange in Hamburg! Bei all der Inspiration sollte es nun vielleicht möglich sein, auch aus dem Altonaer „Schellfischtunnel“ etwas zu machen – denn die alte Bahnröhre gibt es wirklich! (https://de.wikipedia.org/wiki/Schellfischtunnel)
Bliebe noch das StadtRAD „Leuchttürmchen“, aber auch so etwas ist zumindest bereits von den Machern der „Berliner Wanne“ durchgedacht worden – das Ergebnis ist ein „Bike-O-Mat“, den man ganz sicher auch mit beispielsweise rötlichem Glas ummanteln könnte… (http://berlinerwanne.de/bikomat/)

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Schon wieder: Ein Radfahrer stirbt in Hamburg

Wir sind bestürzt, wir sind schockiert, wir sind wütend – und ohnmächtig.
Wir sind teilweise selber jahrelang jeden Tag diese Strecke mit Rad entlanggefahren. Wir kennen diese Kreuzung. Sie ist fast nebenan.

Wir denken an die Angehörigen und trauern mit ihnen.

Ein 48-jähriger radelt mit seinem Mountainbike die Brücke über die Gleise den Holstenkamp herunter. Die Große Bahnstraße, die nächste Kreuzung, überlebt er nicht mehr. Der LKW, der zeitgleich mit dem Radfahrer grün hatte, aus der gleichen Richtung kam und hier rechts in die Große Bahnstraße abbog, hingegen schon.

Kein Baum, kein Strauch, kein gar nichts behindert hier die Sicht auf den parallel auf dem Hochbord verlaufenden Radweg. Der 37-jährige Fahrer des LKW erlitt an der Unfallstelle einen Schock – auch an ihn denken wir.

Wir machen es kurz an dieser Stelle:

Herr Bürgermeister Tschentscher, Herr Verkehrssenator Westhagemann, wie lange wollen Sie solche Unfälle weiter tatenlos auf Hamburgs Straßen geschehen lassen?

Schließen Sie sich bitte unmittelbar der Initiative des Grünen Bundestagsabgeordneten Gelbhaar und der Berliner Grünen an, die prüfen lassen wollen, ob sie generelle Einfahrverbote für alle LKW ohne Abbiegeassistenten in das Stadtgebiet verhängen können. („Lastwagen bald aus Berlin verbannt?“, taz, 29. Januar 2019 – Aus einem Rechtsgutachten der Hochschule Darmstadt geht hervor, dass dies – im Gegensatz zu den den deutschen Spediteuren gesetzlich vorgeschriebenen Maßnahmen – ein recht vielversprechender Ansatz sei, da er für alle gleich und niemanden diskriminierend sei).

Warum warten Sie weiter, anstelle die Hamburger Ampeln bedingungslos auf „Rundum-Grün“ zu stellen und auf diese Weise ganz einfach Leben zu retten?

Warum unterlassen Sie es, endlich tatkräftig Ihre Bürgerinnen und Bürger vor dem Wahnsinn des täglichen Verkehrs auf unseren Straßen zu schützen?

Es scheint nur Druck zu helfen. Wenn auch du diesen Weg nicht mehr weitergehen möchtest, wenn du einen sichereren Verkehr für Hamburg wünscht, wenn du meinst, es sei Zeit, die Dinge endlich massiv zu ändern, dann unterstütze KURS FAHRRADSTADT bei seinem Einsatz eben ganz genau dafür – und unterschreibe bitte unseren offenen Brief an unseren Bürgermeister. Knapp 4.000 Menschen haben es bereits getan.

 

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