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KURS FAHRRADSTADT Demo auf der Elbchaussee

Heute, einen Tag danach, schien wieder die Sonne über Hamburg und wurde es wieder warm. Davon konnte gestern leider keine Rede sein. Hamburger Schietwetter halt, kalt noch dazu. Wir gingen von mindestens 500 Teilnehmenden aus, ganz so viele sind es am Ende dann doch nicht geworden. Aber hey, rund 300 wackere Radlerinnen und Radler, jung und alt, auf Klapprädern, normalen Rädern, Lastis oder sogar einem Radboot ließen sich davon nicht abhalten! Es gab ja auch Wichtiges zu tun! Gestern wurde die Elbchaussee nämlich zur Fahrradstraße gemacht! Danke schon hier einmal für die grandiose Unterstützung! Ohne euch hätten wir es niemals gewuppt!

„Aufmarschgebiet“ war an der Ecke vor der Christians Kirche, da, wo die 8,6 Kilometer lange Elbchaussee beginnt. Neben unserem Infotisch hatten sich die Freunde vom  Radentscheid Hamburg aufgebaut, um ordentlich Unterschriften für die gerade begonnene Volksinitiative zu sammeln.

Wir haben hier nun alles für euch zusammengetragen, damit ihr alle, auch die, die nicht dabei waren, die Möglichkeit habt, diese tolle Verkehrswende-Demo noch einmal zu erleben.

Die Schiffsglocke läutet. Damit läuten wir die Verkehrswende in Hamburg ein.

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Nachdem nach und nach mehr Leute mit ihren Rädern eingetrudelt waren, eröffnete Jörn unsere Demo, weckte Freude auf mehr und übergab an mich.

Kurz später war es dann endlich soweit:
Wir enterten die Elbchaussee und hatten sie zur Fahrradstraße gemacht! Die Polizei hatte weiträumig und konsequent abgesperrt und sämtlichen Verkehr umgeleitet, so dass alle wirklich entspannt und gefahrlos auf dieser tollen Straße radeln konnten.

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Wow, wie ruhig es plötzlich ist, wie schön es ist, angstfrei nebeneinander dahinzugleiten. Wir – und wir glauben, ganz bestimmt nicht nur wir – sind begeistert!

Aber, sind wir denn nicht total verrückt? Meint ihr es wirklich ernst, mit einer Fahrradstraße auf der Elbchaussee? Aber klar doch!
Das erklären euch Christine und Jörn jetzt am einen Kilometer entfernten Hohenzollernring:

Danach konnte die autofreie Elbchaussee, also die Fahrradstraße, nochmals für ein paar Runden beradelt werden, um sicherzugehen, dass das tatsächlich funktioniert. Es klappte wunderbar! Zwischenzeitlich hatte es auch geregnet und die ersten verließen nun die Demo. Darum waren wir am Ende, als Andreas allen noch einmal ins Gewissen redet, warum genau so etwas jetzt auf dieser Straße passieren sollte, einige Leute weniger. Im Hintergrund rauschten nun nach über einer Stunde wieder die Autos vorbei. Wie kann man das nur freiwillig weiter so hinnehmen?

Das war es nun, die Simulation einer Fahrradstraße auf der Elbchaussee.

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Schade, dass das Wetter nicht so mitspielte, wie wir es uns gewünscht hatten und dass diese Demonstration so gut wie komplett unterhalb des Medienradars lief. Ein bisschen mehr Medienunterstützung wäre schon wünschenswert, damit die wichtige Message auch bei den Menschen außerhalb unseres Unterstützerzirkels ankommt. Es ist schließlich noch ein weiter Weg bis zur Verkehrswende – gerade in dieser Stadt.

Wir sagen DANKE!
Danke an die Polizei, die uns die Elbchaussee so lange und gut von Autos freigehalten und unsere Simulation einer Fahrradstraße hervorragend begleitet hat.
Danke an alle, die Bilder und Videos gemacht haben und diese verbreitet oder uns zu Verfügung gestellt haben.
Danke an unsere Familien, ohne deren Rückendeckung wir dieses Engagement wahrscheinlich gar nicht leisten könnten und
DANKE an euch alle, die dabei waren! Ihr seid spitze!
Dank euch werden wir uns nicht entmutigen lassen, uns weiter einzumischen.
Bis zum nächsten Mal!

Kai und das ganze KURS FAHRRADSTADT-Team

Wir haben hier unsere Reden auch in Textform für euch hinterlegt. Ladet euch hier die PDF Datei herunter

Pressemitteilung zur KURS FAHRRADSTADT Verkehrswende-Demo Elbchaussee (PDF)

Presseschau zur Verkehrswende-Demo:

Vor der Demo:
„Elbchaussee: Fahrraddemo gegen Umbaupläne“
Hamburger Abendblatt, 12. April 2019

Ihr findet uns auch auf twitter, facebook und diaspora* und natürlich:

Habt ihr KURS FAHRRADSTADT schon unterzeichnet?
Falls nicht, hier könnt ihr es jetzt tun:
https://www.change.org/p/kurs-fahrradstadt

kfhhlogo-change-org

Elbchaussee macht Platz für euch! KURS FAHRRADSTADT Demo am 14. April

Hallo liebe Fans von
KURS FAHRRADSTADT,

nur noch wenige Tage, dann steigt am Sonntag die nächste Aktion von KURS FAHRRADSTADT: Zusammen mit der Initiative „Reine!Luft!Altona“ gehen wir mit den Rädern wieder auf die Straße, um mit dem Beginn der neuen Radsaison auch Hamburgs träger Verkehrspolitik mächtig Dampf zu machen.

Das ist auch bitter nötig, wie es der heute vom adfc vorgestellte Fahrradklimatest 2018 zeigt. „Wir haben etwas gegen Mangelhaft“, titelte KURS FAHRRADSTADT zu den jämmerlichen Resultaten von 2016. Dieses Jahr sind die Ergebnisse noch ein wenig schlechter. Eine schallende Ohrfeige ist das für den Senat und sein „Bündnis für den Radverkehr“ sowie für den Hamburger adfc, dessen Fahrradinfrastrukturpolitik damit erneut von den Radfahrenden zerfleddert wird. Es ist eben nicht damit getan, sich über ein paar Velorouten oder neue Streifenmalereien auf den Fahrbahnen zu freuen. Radverkehr fördern – das geht anders!

Zum Beispiel Fahrradstraßen da zu fordern und zu bauen, wo sie Sinn machen.
Darum machen wir von KURS FAHRRADSTADT Platz für euch auf der Elbchaussee. Nicht nur reden – sondern live erleben, mit euch, mit allen, Groß und Klein, laut und bunt! Seid kreativ, bringt Plakate mit, malt Fahrradstraßenschilder und was euch sonst noch einfällt.

Und, noch einmal unsere dringende Bitte, kurz zu überlegen, ob es nicht noch ein paar Menschen gibt, die ihr kennt und die sich freuen würden, auch dabei zu sein. Bitte teilt unsere Demoaufrufe, damit ganz Fahrrad-Hamburg kommen kann:

Immer gerne auf unsere Demo-Seite hinweisen:
https://kursfahrradstadt.wordpress.com/2019/03/27/verkehrswende-demo-elbchaussee/ (Hier findet ihr alle Infos und Hintergründe zur Verkehrswende-Demo)

Link Veranstaltung Facebook:
https://www.facebook.com/events/1336965563121711/

Link Veranstaltung nebenan.de:
https://nebenan.de/public_feed/6729531

KURS FAHRRADSTADT auf twitter:
https://twitter.com/OsterstrasseHH

KURS FAHRRADSTADT auf *JoinDiaspora:
https://joindiaspora.com/people/ef5a4920997901344b190242ac110007

KURS FAHRRADSTADT auf change.org:
https://www.change.org/p/kurs-fahrradstadt (Petition unterzeichnen)

Also, wir sehen wir uns am Sonntag, 14.4., 14 Uhr auf der Elbchaussee Ecke Klopstockstraße.

Wir zählen und freuen uns auf euch! Bis bald!

Euer Team KURS FAHRRADSTADT

 

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„HYPER 5“ für Linie 5

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„Hyper5“ auf Streckenabschnitt Hoheluftchaussee. Nachdruck bei Urhebernennung gestattet.

Nachdem die HHLA angekündigt hat, vom Containerterminal Altenwerder ins Hamburger Umland einen Hyperloop bauen und einsetzen zu wollen („Mit dem „Hyperloop“ So will die HHLA in Zukunft Container durch den Hafen schießen“, MOPO, 05.12.2018) sowie die Container auf dem Terminalgelände selbst und im Hafen mit Flugdrohnen zu bewegen („Das Tor zur Zukunft“ Fliegen bald Containerdrohnen durch den Hamburger Hafen?“, MOPO, 27.03.2019), um den (Ab)Transport der Container aus dem Hafen zu revolutionieren, zieht nun offenbar auch das Hamburger U-Bahn und Busunternehmen nach: Wie KURS FAHRRADSTADT aus gut informierten Kreisen gestern erfuhr, wird angedacht, Europas meist frequentierte Buslinie, den Metrobus 5 aus Burgwedel in die City, durch einen Hyperloop zu ersetzen. Ein Sprecher des Unternehmens äußerte sich uns gegenüber mit den Worten, dass die aktuell geplante U5 und die Verlängerung der U4 zur Horner Geest die letzten neu gebauten U-Bahnen dieser Art in Hamburg werden. „Was danach folgt, sei ein gewaltiger Schritt in der urbanen Mobilität, wie ihn die Welt bis jetzt noch nicht gesehen hat. Mit dem „Hyper5″ werden wir neue Stadtverkehrsgeschichte schreiben“.

Aktuell sei man in Kooperation mit dem „Hyper5“-Bauer in der hauseigenen Forschungsabteilung dabei, einige letzte „kleinere offene Fragen“ zu klären. Als problematisch erweist sich noch die starke Beschleunigung an den Haltestellen. Aber man sei zuversichtlich, auch dafür rasch Lösungen zu finden. „Die Fahrgäste können sich schon jetzt auf komplett neuartige Sitz- und Stehmöglichkeiten freuen: Bis zu 1,5 Meter dicke und weiche Schaumstoffpolsterungen über die vollen Sitz- und Stehhöhen sorgen dafür, dass man weder von der Beschleunigung noch vom Bremsvorgang etwas merkt, verspricht der Projektsprecher. „Butterweich“ werde der Fahrgast in die elastische Kunststoffmembran gedrückt, so sanft, dass man es nicht einmal als ein Reingedrücktwerden empfinden würde – „absolut kein Vergleich mit den eher unangenehmen Starts und Landungen in Flugzeugen“. Jeder Passagier hat eine einzelne Luke, die neben viel Raum auch alle anderen Annehmlichkeiten wie WLAN und USB-Slots sowie ein völlig neuartiges Beleuchtungskonzept und Entertainment-System bereithält. Dass mehr Platz pro Fahrgast benötigt werde als in den herkömmlichen Bussen, sei insofern nicht weiter relevant, weil dafür der „Hyper5“ im 20 Sekunden Abstand an den Haltestellen anlanden und auf diese Weise „letztlich ein Vielfaches der heutigen Transportkapazität geschaffen“ würde. Ein großer Teil der Fahrzeit werde leider auch zukünftig durch das Halten an den Haltestellen verbraucht, aber man sei nun mal ein Nahverkehrsunternehmen, „da können wir nicht einfach Stopps ausfallen und die Leute da stehen lassen“. Dennoch würde sich die gesamte Fahrzeit von Burgwedel über Niendorf bis zum Hauptbahnhof annähernd um zwei Drittel reduzieren, was „ein sensationeller Zeitvorteil“ sei.

Zu den Kosten könne noch keine genaue Angabe gemacht werden, nur soviel sei klar, dass der „Hyper5“ in absoluter Leichtbauweise aus Aluminium entwickelt und auf ebenfalls in Leichtbauweise errichteten Stelzenbahnen verkehren werde. Dadurch würden am Ende Kosten angepeilt, die weit unterhalb des klassischen U-Bahnbaus liegen sollen. Zudem könne aufgrund der über den Fahrbahnen entlangflitzenden „Hyper5″s auf die in der Bevölkerung nicht gut angekommene Busbeschleunigung verzichtet und könne diese darum zurückgebaut werden („Mein Viertel, meine Straße, mein Zorn“, Süddeutsche Zeitung, 11.02.2015). Es sei geplant, auch ein paar neue Bäume zu pflanzen, erfuhren wir durch unsere Quelle. 

Zur Zeit gehe man von einem Baustart in Burgwedel im Jahr 2025 aus.

 

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Verkehrswende-Demo ELBCHAUSSEE

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KURS FAHRRADSTADT organisiert am Sonntag, den 14. April 2019 von 14:30 bis 16:30 Uhr eine Teilsperrung der Elbchaussee, um diese als Fahrradstraße erlebbar zu machen. Alle Hamburgerinnen und Hamburger sind eingeladen, sich für eine zukunftsgerichtete Mobilitätswende einzusetzen und durch die Teilnahme an der Aktion ein starkes Signal auf der Elbchaussee zu setzen und die wohl schönste Straße Hamburgs gemeinsam zu erradeln. Unterstützt wird die Aktion von der Initiative „Reine!Luft!Altona“.

Selbstverständlich handelt es sich hierbei um eine polizeilich angemeldete und genehmigte Demonstration.

Wir freuen uns über rege Teilnahme und Eure Hilfe dabei, die Verkehrswende-Demo insbesondere auch im Bereich Altona / Ottensen / Bahrenfeld / Nienstedten bekannt zu machen. Unseren offiziellen Demoaufruf dürft ihr gerne teilen, ihr dürft ihn auch ausdrucken und möglichst an vielen Orten so aufhängen, dass viele Menschen ihn sehen können:

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Demoaufruf downloaden, PDF Datei, 1,3 MB,
für Drucke in A4 und A3 geeignet

Wir mobilisieren für diese Demo auch mit einer facebook-Veranstaltungsankündigung. Wir freuen uns immer, wenn ihr mithelft, diese dort weitere Kreise ziehen zu lassen.

Unsere Pressemitteilung ist heute an die Hamburger Medien gesendet worden:
Pressemitteilung Verkehrswende-Demo Elbchaussee vom 27. März 2019

 

Zum Hintergrund der Verkehrswende-Demo:

(Auszüge aus KURS FAHRRADSTADT Beitrag „Wundersame Wandlung der Elbchaussee“)

Hintergrund der Aktion, die wir mit Unterstützung der Initiative Reine!Luft!Altona planen, sind Äußerungen des Landesbetriebs Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG), in denen es heißt, dass es aller Voraussicht nach auch nach dem geplanten Umbau der Elbchaussee auf deren östlichem Abschnitt (Hohenzollernring – Rathaus Altona) aufgrund von Platzmangel wohl keine sichere Radwegeinfrastruktur realisiert werden könne. Stattdessen werde für diesen Bereich wohl eher in Frage kommen, dass geprüft wird, inwieweit der Radverkehr statt über die Elbchaussee über die noch auszubauende Veloroute 12 durch Ottensen geführt werden könne. Das jedoch wäre eine grobe Missachtung der Bedürfnisse und Wünsche von Radfahrenden, die seit Jahren auf eine gute Verbindung aus dem Westen der Stadt Richtung City warten.

Eine Umleitung des Radverkehrs über die Bernadotte Straße bis zum Anschluss an die Veloroute 12 an der Königstraße entspräche einem Umweg von 800 Metern; möchte der Radfahrende jedoch das Ziel Palmaille erreichen, beträgt der Umweg sogar einen ganzen Kilometer! Das ist für uns schlicht inakzeptabel. Es ist erwiesen, dass Radfahrende (wie auch Fußgänger) Umwege scheuen, sondern eher ‚kreative‘ Abkürzungen gefunden werden. Das darf auch nicht verwundern, schließlich ist es deren eigene Kraft, mit der sie sich im Gegensatz zu KFZ-Fahrenden fortbewegen. Es sollte innerhalb der Stadt daher selbstverständlich sein, in solchen Fällen das Bedürfnis der Radfahrenden, welches sich in diesem Punkt absolut nicht von dem der Autofahrenden unterscheidet, die im Gegensatz zu ihnen jedoch umweltfreundlich unterwegs sind, vorzuziehen. Umwege können eher die fahren, die dafür keine eigene Energie verbrauchen.

Sind wir verrückt geworden?

Ganz und gar nicht! Gute Lösungen für den Radverkehr wurden von der Mehrheit der an der Bürgerbeteiligung teilnehmenden Menschen übrigens ausdrücklich gewünscht. Mit überwältigender Mehrheit wurde dieses bereits bei der Auftaktveranstaltung deutlich (siehe Seite 1 und 2, jeweils Punkt 7: https://lsbg.hamburg.de/contentblob/11078242/ec8c2c81c8effb4c16752e040648eba6/data/elbchaussee-1-beteiligungsveranstaltung-stimmungsbild-und-zusatzbeitraege.pdf) Für den mittleren Abschnitt der Elbchaussee wurde diese Lösung nun auch als eine Variante bereits tatsächlich geplant und im weiteren Verlauf des Beteiligungsverfahrens zudem als die mit deutlichem Abstand beste Planungsvariante ausgewählt (von 92 Bewertungen 56 „sehr gut“, 24 „gefällt mir gar nicht“, 2 „gefällt weniger gut“ und 10 „Entwurf ist ok“ https://lsbg.hamburg.de/contentblob/11963502/0683db4845d3c7febce9b29a75c199df/data/elbchaussee-2-dialogveranstaltung-poster.pdf Seite 10).

Als Gründe, warum auf weiten Teilen der Elbchaussee angeblich keine vernünftigen Radwege eingerichtet werden können, verweist der LSBG auf zu schmale Fahrbahnschnitte, Bäume, die im Wege seien, Parkplätze, die entfallen würden sowie im östlichen Abschnitt auf die zu hohe (Auto)Verkehrsdichte, die eine Verschmälerung der Fahrbahn nicht zulassen würden und die Einrichtung einer Fahrradstraße schon gleich gar nicht. Denn „eine Fahrradstraße kann nach StVO nur dann angeordnet werden, wenn das erwartete Radverkehrsaufkommen das Kfz-Aufkommen aktuell oder in Zukunft übersteigt. Eine solche Entwicklung ist für die Elbchaussee nicht zu erwarten“, heißt es vom LSBG. Wie denn auch, wenn es dort keinerlei sichere Fahrradinfrastruktur gab und geben wird? (Merke: In den heutigen Fahrradstraßen Harvestehuder Weg und Leinpfad hatte es schon immer in weiten Teilen baulich getrennte Radwege gegeben).

Zudem muss hier ganz offensichtlich noch einmal erinnert werden an ein Ereignis, welches unserer Meinung nach in den bisherigen Überlegungen scheinbar komplett verdrängt wurde: Es geht um den Radweg unten am Elbstrand, der gebaut werden sollte. 5 Meter breit oder mehr. Eine Beton-Piste, die den Charme des Stadtstrandes massiv zum Schlechteren verändert hätte. Mit 76% haben die Altonaerinnen und Altonaer im September 2017 gegen dieses Projekt gestimmt, nicht ohne schon damals zu betonen, dass Alternativen auf der Elbchaussee geschaffen werden sollten. (Siehe auch Elbstrand bleibt Elbstrand“, KURS FAHRRADSTADT, 18. September 2017)

 

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KURS FAHRRADSTADT –
Vision einer neuen Elbchaussee:

Ein Pärchen schlendert aus dem Gebäude an der Van der Smissen Straße auf einen kleinen Vorplatz, auf dem sich viele Menschen tummeln. Nein, die beiden sind nicht mit dem hier liegenden Kreuzfahrtriesen angekommen, sondern der Zufall hat sie vom Fischmarkt aus her gespült. Dort hatten sie sich zuvor begeistert den legendären Markt angesehen, der seit einiger Zeit täglich und ganztags abgehalten wird. Bevor sie eben aus dem Gebäude kamen, hatten sie sich drinnen zur Stärkung noch einen „Hamburg Cocktail“ an der Terminal-Bar gegönnt. Und nun fällt ihnen auf, dass hier einiges ganz anders ist als anderswo.

Zuerst fesselt eine gewaltige StadtRADHamburg Bike-Sharing-Station ihre Aufmerksamkeit, in der es neben normalen Drahteseln auch knallrote, knubbelige, überdachte Räder gibt, die – in Hamburg durchaus nicht ohne Sinn – mit eingebauten Seitentüren vor Wind und Regen schützen. Es gibt sogar spacig aussehende „Doppelsitzer“, Räder fast mit Sofa, Seilbahngondeln ähnlich. Ein Fahrrad nach dem anderen wird entliehen und verschwindet samt den Strampelnden links auf die Große Elbstraße.

Im nächsten Moment entdecken unsere Hamburg-Landgänger eine kleine Schlange Rikschas, wie gemacht für sie. Das Angebot an Touren ist weit gefächert, von den „Touristik-Highlights“ inklusive Elphi- und Elbtower-Besuch bis hin zur „Fahrradstadt-Tour“ für alle, die sich ansehen wollen, wie sich Hamburg in den letzten Jahren zu einer international angesehenen „Slow-City“ -Stadt gemausert hat, die wieder den Menschen und damit das Lebenswerte in den Mittelpunkt allen Handelns stellt. Könnte interessant sein, oder?

Doch was ist das? Fast wie aus dem Nichts fahren leise surrend kleine, rundum verglaste Busse ohne Fahrer an unseren Touristen vorbei und bleiben wenige Meter weiter hinter dem Terminal am Fahrbahnrand stehen, zeitgleich öffnen sich die Türen aller 15 seltsamer Gefährte. Im nächsten Moment marschiert eine mittelgroße Menschenmenge in die Busse, die Türen schließen sich und vollautomatisch setzt sich die Karawane wieder in Bewegung. Welch ein ungewohntes Schauspiel! Was unsere erstaunten Gäste nicht sehen und wissen können, ist, dass diese Busse minutengenau am Fähranleger Dockland angekommen sind. Seit zwei Jahren, seit Hamburg den ITS Verkehrsweltkongress abgehalten hat, pendeln nämlich insgesamt 6 kombinierte Elektro-LNG-Highspeed Express-Katamarane im HADAG und HVV Auftrag zwischen Stade, Wedel, Blankenese, Airbus bei Finkenwerder, Dockland, Landungs- und Elbbrücken. Alle 20 Minuten wird am Dockland angelegt und die Fahrgäste, von denen einige sogar Fahrräder von Bord schieben, werden dann mit den Minibussen direkt und nonstop zu den westlichen Knotenpunkten „Alter Bahnhof Altona“ und weiter zum neuen Fernbahnhof Altona-Diebsteich geshuttelt, von wo aus die Menschen sich weiter verteilen. Der Erfolg ist so überwältigend, dass über eine Taktverdichtung und eine wasserseitige Verlängerung des Services auch nach Harburg konkret nachgedacht wird.

Wir sind mal optimistisch und tippen darauf, dass unsere Hamburg-Entdecker sich für die „Fahrradstadt-Tour“ entscheiden. Sie tun es tatsächlich und nehmen in einer der Rikschas Platz. Wenig später biegt auch dieses Gefährt links in die Große Elbstraße ab, nur um kurz darauf rechts wieder auf eine Art großen Parkplatz zu steuern. Links liegt eine aufgemotzte alte Lagerhalle, am Ende und zur rechten Seite des belebten Platzes, auf dem einige gut besuchte Cafés zum Verweilen einladen, erhebt sich eine mächtige, rot in der Sonne schimmernde Backsteinwand. Riesige, fast überdimensional große Fahrrad-Symbole prangen weit oben an dem historischen Mauerwerk. Nun lenkt die Rikscha in den Eingang eines hell ausgeleuchteten Tunnels und rastet wie von Geisterhand auf einer Art Laufband ein. Erst langsam, dann mit steigender Geschwindigkeit zuckeln Rikscha und Touristen durch den Tunnel bergauf, immerhin so schnell, dass ein leichter Fahrtwind durch die Haare streicht. Jetzt erkennen sie, dass sie nicht alleine sind, sondern auch fast alle anderen Leute mit ihren Rädern, die sie eben noch unten am Terminal gesehen hatten, vor und hinter ihnen durch die Röhre geschaukelt werden, deren Wände scheinbar mit gekrümmten Flatscreen-Elementen ausgekleidet sind, auf denen wundersame Dinge flimmern. Z.B. Birkenhaine mit saftgrünen Wiesen zwischen den weißen Stämmen – welch ein Kontrast! Plötzlich erscheint in 3D Optik und zweisprachig die unübersehbare Frage, ob man weiter durch den Tunnel zum „Alten Bahnhof Altona“ möchte oder den „Exit Elbchaussee“ wählt. Die Rikschafahrerin wedelt kurz mit ihrem rechten Arm, schon ruckelt es einmal und die drei biegen automatisch in einen etwas schmaleren Seitentunnel ab, an dessen Ende schon Tageslicht scheint. Im nächsten Moment rastet die Rikscha auf einer Straße vor einem großen, weißen, alten und würdevoll wirkendem Gebäude vom Band und die Fahrerin beginnt, wieder selbst in die Pedale zu treten. „Now, you are on the famous Bicycle-Runway Elbchaussee“, erklärt die Expertin auf dem Sattel vorne.

Was für eine verkehrt anmutende Welt es doch hier ist! Die Straße wimmelt nur so von Rädern, Rikschas, Pedelecs und Leuten auf elektrischen Rollerblades. An den Rändern sind schöne Gehwege, jedoch nicht breit, denn Fußgänger sind hier, kurz hinterm Rathaus Altona, kaum unterwegs (die flanieren nämlich viel lieber auf den direkt hinter den Häusern verlaufenden Wanderwegen oder gleich unten am Elbstrand und Övelgönne). Autos fahren kaum, eher noch sind auch hier bis auf die Fahrzeuge einer Linie, der 111, nur kleine Busse unterwegs, die sich in der Mitte der grün gehaltenen Fahrbahn mit ihren in regelmäßigen Abständen angebrachten großen Rad-Symbolen gekonnt an all den Zweirädern vorbei schieben, ohne ihnen dabei bedrohlich nahe zu kommen. Auf der Straße radeln die Menschen in Trauben, Leute in Business-Anzügen, ganze Familien, Kinder, die alleine unterwegs sind und auch Senioren sind zahlreich unterwegs, an einigen Drahteseln der älteren Herrschaften sind sogar Stützräder montiert. Gemächlich und dennoch zügig geht es an großen Villen vorbei, in deren oft pompösen Vorgärten viele kleine Cafés und Service-Stellen für die vorbei radelnden Massen entstanden sind. Weil die Rikscha eher zu den langsamen Gefährten zählt, werden unsere Fahrradstadt-Erkundenden immer wieder auch von schwer bepackten Rädern überholt, die auf dem „Elberadweg“ unterwegs sind – die Elbchaussee ist inzwischen für sie einer der attraktivsten Abschnitte an der gesamten Elbe geworden. Hin und wieder biegt ein Auto der Anwohnenden aus Einfahrten und reiht sich in den Fluss der Radelnden ein. Neben der Rikscha überholt gerade ein Linienbus. Plötzlich hält er kurz an, Menschen steigen aus, andere zu und während das Auto, welches eben noch aus einer Einfahrt auf die Straße kam, rechts in den Hohenzollernring abbiegt, versenken sich vor dem Bus in Sekundenschnelle drei beleuchtete Poller automatisch im Boden und der Bus setzt seine Fahrt auf der Elbchaussee fort. Als die Rikscha die Stelle passiert, fahren zu beiden Seiten die Poller bereits wieder aus dem Boden empor. „That’s how we stopped the through traffic. Imagine, there were up to 32.000 cars every day on this street“, klärt die Fahrerin das Pärchen auf. Auf dem weiteren Weg werden des Öfteren größere, belebte Plätze durchfahren. Von den schön zueinander ausgerichteten, neuen Bankgruppen aus eröffnet sich ein großartiges Panorama auf den unten fließenden Strom. Grüne Parks an beiden Seiten ziehen vorbei. Es dauert nicht lange und die Fahrt endet in Teufelsbrück. Der Platz vor dem Anleger wurde ebenfalls vor drei Jahren komplett erneuert. Auch hier sehen unsere Fahrradstadt-Interessierten wieder eine große StadtRAD Station, die sogar, wie ein kleiner Leuchtturm, in den Himmel wächst. Immer wieder fahren im gläsernen, rot schimmernden Turm Räder auf und ab und unten schieben Menschen die Bikes unten hinein oder heraus. Neben der Fahrradstadstation haben City-Paketzusteller einen kleinen Hub in einem containerartigen Ensemble eingerichtet. Ein moderner LKW steht direkt daneben und es schwirren allenthalben Lastenräder, lustige Robotergefährte mit blinkenden Antennen und einige kleine Express-Brief-Drohnen zur „letzten Meile“ von und zu der Station. Der Platz direkt vor dem Fähranleger hat sich übrigens in letzter Zeit zu einem weiteren Hotspot in der Stadt entwickelt und trägt den Namen „Park Fiction Zwo“. Es wimmelt von Menschen, die den schönen Tag an der Sonne genießen möchten. Auf dem Wasser flitzt einer der Highspeed-Katamarane vorbei; von gegenüber, aus Finkenwerder kommend, legt gerade die normale Fähre am Anleger an.

Unsere Fahrradstadt-Freunde sind begeistert, mieten sich nun selbst Räder und strampeln die Elbchaussee zurück stadteinwärts. Wieder am Rathaus Altona angekommen und kurz hinter dem Tunnelausgang, aus dem sie zwei Stunden zuvor ans Tageslicht gekommen waren, stehen sie vor der Wahl, ob sie weiter geradeaus Richtung Innenstadt auf der Palmaille radeln wollen, in deren Mitte nun zwischen alten Baumreihen ein erstklassiger Zweirichtungsradweg gebaut wurde oder ob sie links in die Max-Brauer-Allee abbiegen. Hier fahren zwar Autos und Busse, aber der rechte Streifen ist zu einer guten Protected Bike Lane ausgebaut worden, die beschildert ist mit „Eimsbüttel“ und „University-Campus“. Kaum sind sie auf der Fahrradabbiegespur an die Kreuzung vorgefahren, springt die Fahrradampel für sie für 5 Sekunden auf grün. Smarte Chips registrieren ankommende Räder und schalten die Ampel umgehend um, es sei denn, Busse sind zugegen, dann bekommen zuerst sie die freie Fahrt. Sind auch Fußgänger vor Ort, entscheidet ein Zufallsgenerator zwischen Rädern und Fußgängern. Weil sie den Fischmarkt schon gesehen haben, biegen die beiden nun also links ab – und erleben das nächste Wunder der Fahrradstadt-Hamburg.
Rolf-Lasse und Mette aus Kopenhagen können kaum glauben, was sie hier erleben.
Aber eines wissen sie ganz sicher: Sie wollen bald wieder nach Hamburg kommen.

Die eben beschriebene Elbchaussee ist nur ein kleiner Teil eines weit verzweigten Fahrradnetzes, welches die von der Bevölkerung nie wirklich akzeptierten und oftmals umständliche Velorouten vor einigen Jahren abgelöst hat. Seitdem konnte Hamburg den Anteil am Radverkehr beinahe verdreifachen und auch die Fahrgastzahlen im HVV sind dank zahlreicher weiterer Verbesserungen und Vergünstigungen exorbitant gestiegen. Die Luft ist weitaus gesünder und die Stadt um vieles leiser geworden, ohne auch nur einen Hauch von Verlust zu spüren. Sehr positiv entwickeln sich auch die Unfallzahlen: Schwerverletzte im Straßenverkehr sind um über 80% zurück gegangen und die Stadt ist kurz davor, mit nur nur noch 2 Verkehrstoten die angestrebte „Vision Zero“ sehr bald zu erreichen. Wie Hamburg diesen Weg gefunden hätte, fragten Mette und Rolf-Lasse noch ihre Rikschafahrerin Kirsten, bevor sie sich verabschiedet hatten. „Oh“, sagte sie, „we got Dennis Thering, a mayor, who understood that nothing was cheaper, faster, and more effective for the city than just getting started on cycling.“

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Kleine Anmerkung:
KURS FAHRRADSTADT ist bekannt dafür, dass wir uns nicht zufrieden geben mit in Kompromissen ausgehandeltem Mittelmaß. Unser Ziel ist, den Blick auf das zu richten, was angesichts der wachsenden Stadt sowie des Klimaschutzes nötig und möglich sein muss.

Zukunftsmusik? Nö, wieso?

Es gibt heute bereits einen Fahrradlift in Norwegen, Trampe (https://www.treehugger.com/bikes/lot-cities-could-use-trampe-cyclocable.html), smarte Ampeln in den Niederlanden, die für Räder mittels Chips und Apps auf Grün schalten (https://www.mybike-magazin.de/news/gruene-welle-fuer-radfahrer-via-app-in-den-niederlanden/a6185.html) und versenkbare Poller, die Busse durchlassen, z.B. in Lissabon. Eine ähnliche Situation gibt es in Hannover, wo Straßenbahnen weiter fahren, Autos jedoch vorher die Straße durch Abbiegen verlassen müssen. Autonom fahrende Busse plant die Hochbahn bereits für die Hafencity (https://dialog.hochbahn.de/bus-in-zukunft/autonome-e-busse-fuer-hamburg-das-projekt-heat/). Auch Fahrradtunnel gibt es, z.B. in alter Kanalisation, wie hier in Jerusalem (https://www.thewashcycle.com/2018/05/jerusalem-opens-a-bike-path-in-a-sewage-tunnel.html) oder auch in Bilbao in einem ausgedienten Bahntunnel (http://www.copenhagenize.com/2009/08/worlds-longest-bicycle-tunnel-opens.html). Na, und etwas ganz ähnliches gibt es mit dem Alten Elbtunnel auch schon sehr lange in Hamburg! Bei all der Inspiration sollte es nun vielleicht möglich sein, auch aus dem Altonaer „Schellfischtunnel“ etwas zu machen – denn die alte Bahnröhre gibt es wirklich! (https://de.wikipedia.org/wiki/Schellfischtunnel)
Bliebe noch das StadtRAD „Leuchttürmchen“, aber auch so etwas ist zumindest bereits von den Machern der „Berliner Wanne“ durchgedacht worden – das Ergebnis ist ein „Bike-O-Mat“, den man ganz sicher auch mit beispielsweise rötlichem Glas ummanteln könnte… (http://berlinerwanne.de/bikomat/)

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Schon wieder: Ein Radfahrer stirbt in Hamburg

Wir sind bestürzt, wir sind schockiert, wir sind wütend – und ohnmächtig.
Wir sind teilweise selber jahrelang jeden Tag diese Strecke mit Rad entlanggefahren. Wir kennen diese Kreuzung. Sie ist fast nebenan.

Wir denken an die Angehörigen und trauern mit ihnen.

Ein 48-jähriger radelt mit seinem Mountainbike die Brücke über die Gleise den Holstenkamp herunter. Die Große Bahnstraße, die nächste Kreuzung, überlebt er nicht mehr. Der LKW, der zeitgleich mit dem Radfahrer grün hatte, aus der gleichen Richtung kam und hier rechts in die Große Bahnstraße abbog, hingegen schon.

Kein Baum, kein Strauch, kein gar nichts behindert hier die Sicht auf den parallel auf dem Hochbord verlaufenden Radweg. Der 37-jährige Fahrer des LKW erlitt an der Unfallstelle einen Schock – auch an ihn denken wir.

Wir machen es kurz an dieser Stelle:

Herr Bürgermeister Tschentscher, Herr Verkehrssenator Westhagemann, wie lange wollen Sie solche Unfälle weiter tatenlos auf Hamburgs Straßen geschehen lassen?

Schließen Sie sich bitte unmittelbar der Initiative des Grünen Bundestagsabgeordneten Gelbhaar und der Berliner Grünen an, die prüfen lassen wollen, ob sie generelle Einfahrverbote für alle LKW ohne Abbiegeassistenten in das Stadtgebiet verhängen können. („Lastwagen bald aus Berlin verbannt?“, taz, 29. Januar 2019 – Aus einem Rechtsgutachten der Hochschule Darmstadt geht hervor, dass dies – im Gegensatz zu den den deutschen Spediteuren gesetzlich vorgeschriebenen Maßnahmen – ein recht vielversprechender Ansatz sei, da er für alle gleich und niemanden diskriminierend sei).

Warum warten Sie weiter, anstelle die Hamburger Ampeln bedingungslos auf „Rundum-Grün“ zu stellen und auf diese Weise ganz einfach Leben zu retten?

Warum unterlassen Sie es, endlich tatkräftig Ihre Bürgerinnen und Bürger vor dem Wahnsinn des täglichen Verkehrs auf unseren Straßen zu schützen?

Es scheint nur Druck zu helfen. Wenn auch du diesen Weg nicht mehr weitergehen möchtest, wenn du einen sichereren Verkehr für Hamburg wünscht, wenn du meinst, es sei Zeit, die Dinge endlich massiv zu ändern, dann unterstütze KURS FAHRRADSTADT bei seinem Einsatz eben ganz genau dafür – und unterschreibe bitte unseren offenen Brief an unseren Bürgermeister. Knapp 4.000 Menschen haben es bereits getan.

 

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Wundersame Wandlung der Elbchaussee

Ein Pärchen schlendert aus dem Gebäude an der Van der Smissen Straße auf einen kleinen Vorplatz, auf dem sich viele Menschen tummeln. Nein, die beiden sind nicht mit dem hier liegenden Kreuzfahrtriesen angekommen, sondern der Zufall hat sie vom Fischmarkt aus her gespült. Dort hatten sie sich zuvor begeistert den legendären Markt angesehen, der seit einiger Zeit täglich und ganztags abgehalten wird. Bevor sie eben aus dem Gebäude kamen, hatten sie sich drinnen zur Stärkung noch einen „Hamburg Cocktail“ an der Terminal-Bar gegönnt. Und nun fällt ihnen auf, dass hier einiges ganz anders ist als anderswo.

Zuerst fesselt eine gewaltige StadtRADHamburg Bike-Sharing-Station ihre Aufmerksamkeit, in der es neben normalen Drahteseln auch knallrote, knubbelige, überdachte Räder gibt, die – in Hamburg durchaus nicht ohne Sinn – mit eingebauten Seitentüren vor Wind und Regen schützen. Es gibt sogar spacig aussehende „Doppelsitzer“, Räder fast mit Sofa, Seilbahngondeln ähnlich. Ein Fahrrad nach dem anderen wird entliehen und verschwindet samt den Strampelnden links auf die Große Elbstraße.

Im nächsten Moment entdecken unsere Hamburg-Landgänger eine kleine Schlange Rikschas, wie gemacht für sie. Das Angebot an Touren ist weit gefächert, von den „Touristik-Highlights“ inklusive Elphi- und Elbtower-Besuch bis hin zur „Fahrradstadt-Tour“ für alle, die sich ansehen wollen, wie sich Hamburg in den letzten Jahren zu einer international angesehenen „Slow-City“ -Stadt gemausert hat, die wieder den Menschen und damit das Lebenswerte in den Mittelpunkt allen Handelns stellt. Könnte interessant sein, oder?

Doch was ist das? Fast wie aus dem Nichts fahren leise surrend kleine, rundum verglaste Busse ohne Fahrer an unseren Touristen vorbei und bleiben wenige Meter weiter hinter dem Terminal am Fahrbahnrand stehen, zeitgleich öffnen sich die Türen aller 15 seltsamer Gefährte. Im nächsten Moment marschiert eine mittelgroße Menschenmenge in die Busse, die Türen schließen sich und vollautomatisch setzt sich die Karawane wieder in Bewegung. Welch ein ungewohntes Schauspiel! Was unsere erstaunten Gäste nicht sehen und wissen können, ist, dass diese Busse minutengenau am Fähranleger Dockland angekommen sind. Seit zwei Jahren, seit Hamburg den ITS Verkehrsweltkongress abgehalten hat, pendeln nämlich insgesamt 6 kombinierte Elektro-LNG-Highspeed Express-Katamarane im HADAG und HVV Auftrag zwischen Stade, Wedel, Blankenese, Airbus bei Finkenwerder, Dockland, Landungs- und Elbbrücken. Alle 20 Minuten wird am Dockland angelegt und die Fahrgäste, von denen einige sogar Fahrräder von Bord schieben, werden dann mit den Minibussen direkt und nonstop zu den westlichen Knotenpunkten „Alter Bahnhof Altona“ und weiter zum neuen Fernbahnhof Altona-Diebsteich geshuttelt, von wo aus die Menschen sich weiter verteilen. Der Erfolg ist so überwältigend, dass über eine Taktverdichtung und eine wasserseitige Verlängerung des Services auch nach Harburg konkret nachgedacht wird.

Wir sind mal optimistisch und tippen darauf, dass unsere Hamburg-Entdecker sich für die „Fahrradstadt-Tour“ entscheiden. Sie tun es tatsächlich und nehmen in einer der Rikschas Platz. Wenig später biegt auch dieses Gefährt links in die Große Elbstraße ab, nur um kurz darauf rechts wieder auf eine Art großen Parkplatz zu steuern. Links liegt eine aufgemotzte alte Lagerhalle, am Ende und zur rechten Seite des belebten Platzes, auf dem einige gut besuchte Cafés zum Verweilen einladen, erhebt sich eine mächtige, rot in der Sonne schimmernde Backsteinwand. Riesige, fast überdimensional große Fahrrad-Symbole prangen weit oben an dem historischen Mauerwerk. Nun lenkt die Rikscha in den Eingang eines hell ausgeleuchteten Tunnels und rastet wie von Geisterhand auf einer Art Laufband ein. Erst langsam, dann mit steigender Geschwindigkeit zuckeln Rikscha und Touristen durch den Tunnel bergauf, immerhin so schnell, dass ein leichter Fahrtwind durch die Haare streicht. Jetzt erkennen sie, dass sie nicht alleine sind, sondern auch fast alle anderen Leute mit ihren Rädern, die sie eben noch unten am Terminal gesehen hatten, vor und hinter ihnen durch die Röhre geschaukelt werden, deren Wände scheinbar mit gekrümmten Flatscreen-Elementen ausgekleidet sind, auf denen wundersame Dinge flimmern. Z.B. Birkenhaine mit saftgrünen Wiesen zwischen den weißen Stämmen – welch ein Kontrast! Plötzlich erscheint in 3D Optik und zweisprachig die unübersehbare Frage, ob man weiter durch den Tunnel zum „Alten Bahnhof Altona“ möchte oder den „Exit Elbchaussee“ wählt. Die Rikschafahrerin wedelt kurz mit ihrem rechten Arm, schon ruckelt es einmal und die drei biegen automatisch in einen etwas schmaleren Seitentunnel ab, an dessen Ende schon Tageslicht scheint. Im nächsten Moment rastet die Rikscha auf einer Straße vor einem großen, weißen, alten und würdevoll wirkendem Gebäude vom Band und die Fahrerin beginnt, wieder selbst in die Pedale zu treten. „Now, you are on the famous Bicycle-Runway Elbchaussee“, erklärt die Expertin auf dem Sattel vorne.

Was für eine verkehrt anmutende Welt es doch hier ist! Die Straße wimmelt nur so von Rädern, Rikschas, Pedelecs und Leuten auf elektrischen Rollerblades. An den Rändern sind schöne Gehwege, jedoch nicht breit, denn Fußgänger sind hier, kurz hinterm Rathaus Altona, kaum unterwegs (die flanieren nämlich viel lieber auf den direkt hinter den Häusern verlaufenden Wanderwegen oder gleich unten am Elbstrand und Övelgönne). Autos fahren kaum, eher noch sind auch hier bis auf die Fahrzeuge einer Linie, der 111, nur kleine Busse unterwegs, die sich in der Mitte der grün gehaltenen Fahrbahn mit ihren in regelmäßigen Abständen angebrachten großen Rad-Symbolen gekonnt an all den Zweirädern vorbei schieben, ohne ihnen dabei bedrohlich nahe zu kommen. Auf der Straße radeln die Menschen in Trauben, Leute in Business-Anzügen, ganze Familien, Kinder, die alleine unterwegs sind und auch Senioren sind zahlreich unterwegs, an einigen Drahteseln der älteren Herrschaften sind sogar Stützräder montiert. Gemächlich und dennoch zügig geht es an großen Villen vorbei, in deren oft pompösen Vorgärten viele kleine Cafés und Service-Stellen für die vorbei radelnden Massen entstanden sind. Weil die Rikscha eher zu den langsamen Gefährten zählt, werden unsere Fahrradstadt-Erkundenden immer wieder auch von schwer bepackten Rädern überholt, die auf dem „Elberadweg“ unterwegs sind – die Elbchaussee ist inzwischen für sie einer der attraktivsten Abschnitte an der gesamten Elbe geworden. Hin und wieder biegt ein Auto der Anwohnenden aus Einfahrten und reiht sich in den Fluss der Radelnden ein. Neben der Rikscha überholt gerade ein Linienbus. Plötzlich hält er kurz an, Menschen steigen aus, andere zu und während das Auto, welches eben noch aus einer Einfahrt auf die Straße kam, rechts in den Hohenzollernring abbiegt, versenken sich vor dem Bus in Sekundenschnelle drei beleuchtete Poller automatisch im Boden und der Bus setzt seine Fahrt auf der Elbchaussee fort. Als die Rikscha die Stelle passiert, fahren zu beiden Seiten die Poller bereits wieder aus dem Boden empor. „That’s how we stopped the through traffic. Imagine, there were up to 32.000 cars every day on this street“, klärt die Fahrerin das Pärchen auf. Auf dem weiteren Weg werden des Öfteren größere, belebte Plätze durchfahren. Von den schön zueinander ausgerichteten, neuen Bankgruppen aus eröffnet sich ein großartiges Panorama auf den unten fließenden Strom. Grüne Parks an beiden Seiten ziehen vorbei. Es dauert nicht lange und die Fahrt endet in Teufelsbrück. Der Platz vor dem Anleger wurde ebenfalls vor drei Jahren komplett erneuert. Auch hier sehen unsere Fahrradstadt-Interessierten wieder eine große StadtRAD Station, die sogar, wie ein kleiner Leuchtturm, in den Himmel wächst. Immer wieder fahren im gläsernen, rot schimmernden Turm Räder auf und ab und unten schieben Menschen die Bikes unten hinein oder heraus. Neben der Fahrradstadstation haben City-Paketzusteller einen kleinen Hub in einem containerartigen Ensemble eingerichtet. Ein moderner LKW steht direkt daneben und es schwirren allenthalben Lastenräder, lustige Robotergefährte mit blinkenden Antennen und einige kleine Express-Brief-Drohnen zur „letzten Meile“ von und zu der Station. Der Platz direkt vor dem Fähranleger hat sich übrigens in letzter Zeit zu einem weiteren Hotspot in der Stadt entwickelt und trägt den Namen „Park Fiction Zwo“. Es wimmelt von Menschen, die den schönen Tag an der Sonne genießen möchten. Auf dem Wasser flitzt einer der Highspeed-Katamarane vorbei; von gegenüber, aus Finkenwerder kommend, legt gerade die normale Fähre am Anleger an.

Unsere Fahrradstadt-Freunde sind begeistert, mieten sich nun selbst Räder und strampeln die Elbchaussee zurück stadteinwärts. Wieder am Rathaus Altona angekommen und kurz hinter dem Tunnelausgang, aus dem sie zwei Stunden zuvor ans Tageslicht gekommen waren, stehen sie vor der Wahl, ob sie weiter geradeaus Richtung Innenstadt auf der Palmaille radeln wollen, in deren Mitte nun zwischen alten Baumreihen ein erstklassiger Zweirichtungsradweg gebaut wurde oder ob sie links in die Max-Brauer-Allee abbiegen. Hier fahren zwar Autos und Busse, aber der rechte Streifen ist zu einer guten Protected Bike Lane ausgebaut worden, die beschildert ist mit „Eimsbüttel“ und „University-Campus“. Kaum sind sie auf der Fahrradabbiegespur an die Kreuzung vorgefahren, springt die Fahrradampel für sie für 5 Sekunden auf grün. Smarte Chips registrieren ankommende Räder und schalten die Ampel umgehend um, es sei denn, Busse sind zugegen, dann bekommen zuerst sie die freie Fahrt. Sind auch Fußgänger vor Ort, entscheidet ein Zufallsgenerator zwischen Rädern und Fußgängern. Weil sie den Fischmarkt schon gesehen haben, biegen die beiden nun also links ab – und erleben das nächste Wunder der Fahrradstadt-Hamburg.
Rolf-Lasse und Mette aus Kopenhagen können kaum glauben, was sie hier erleben.
Aber eines wissen sie ganz sicher: Sie wollen bald wieder nach Hamburg kommen.

Die eben beschriebene Elbchaussee ist nur ein kleiner Teil eines weit verzweigten Fahrradnetzes, welches die von der Bevölkerung nie wirklich akzeptierten und oftmals umständliche Velorouten vor einigen Jahren abgelöst hat. Seitdem konnte Hamburg den Anteil am Radverkehr beinahe verdreifachen und auch die Fahrgastzahlen im HVV sind dank zahlreicher weiterer Verbesserungen und Vergünstigungen exorbitant gestiegen. Die Luft ist weitaus gesünder und die Stadt um vieles leiser geworden, ohne auch nur einen Hauch von Verlust zu spüren. Sehr positiv entwickeln sich auch die Unfallzahlen: Schwerverletzte im Straßenverkehr sind um über 80% zurück gegangen und die Stadt ist kurz davor, mit nur nur noch 2 Verkehrstoten die angestrebte „Vision Zero“ sehr bald zu erreichen. Wie Hamburg diesen Weg gefunden hätte, fragten Mette und Rolf-Lasse noch ihre Rikschafahrerin Kirsten, bevor sie sich verabschiedet hatten. „Oh“, sagte sie, „we got Dennis Thering, a mayor, who understood that nothing was cheaper, faster, and more effective for the city than just getting started on cycling.“

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Kleine Anmerkung:
KURS FAHRRADSTADT ist bekannt dafür, dass wir uns nicht zufrieden geben mit in Kompromissen ausgehandeltem Mittelmaß. Unser Ziel ist, den Blick auf das zu richten, was angesichts der wachsenden Stadt sowie des Klimaschutzes nötig und möglich sein muss.

Zukunftsmusik? Nö, wieso?

Es gibt heute bereits einen Fahrradlift in Norwegen, Trampe (https://www.treehugger.com/bikes/lot-cities-could-use-trampe-cyclocable.html), smarte Ampeln in den Niederlanden, die für Räder mittels Chips und Apps auf Grün schalten (https://www.mybike-magazin.de/news/gruene-welle-fuer-radfahrer-via-app-in-den-niederlanden/a6185.html) und versenkbare Poller, die Busse durchlassen, z.B. in Lissabon. Eine ähnliche Situation gibt es in Hannover, wo Straßenbahnen weiter fahren, Autos jedoch vorher die Straße durch Abbiegen verlassen müssen. Autonom fahrende Busse plant die Hochbahn bereits für die Hafencity (https://dialog.hochbahn.de/bus-in-zukunft/autonome-e-busse-fuer-hamburg-das-projekt-heat/). Auch Fahrradtunnel gibt es, z.B. in alter Kanalisation, wie hier in Jerusalem (https://www.thewashcycle.com/2018/05/jerusalem-opens-a-bike-path-in-a-sewage-tunnel.html) oder auch in Bilbao in einem ausgedienten Bahntunnel (http://www.copenhagenize.com/2009/08/worlds-longest-bicycle-tunnel-opens.html). Na, und etwas ganz ähnliches gibt es mit dem Alten Elbtunnel auch schon sehr lange in Hamburg! Bei all der Inspiration sollte es nun vielleicht möglich sein, auch aus dem Altonaer „Schellfischtunnel“ etwas zu machen – denn die alte Bahnröhre gibt es wirklich! (https://de.wikipedia.org/wiki/Schellfischtunnel)
Bliebe noch das StadtRAD „Leuchttürmchen“, aber auch so etwas ist zumindest bereits von den Machern der „Berliner Wanne“ durchgedacht worden – das Ergebnis ist ein „Bike-O-Mat“, den man ganz sicher auch mit beispielsweise rötlichem Glas ummanteln könnte… (http://berlinerwanne.de/bikomat/)

Es kommt nur darauf an, smarte Lösungen auch wirklich smart zu verbinden. Und genau damit tut sich die „City of Solutions“ Hamburg bekanntlich leider mehr als schwer. Deshalb wollen wir nachhelfen!

Kurs Fahrradstadt ruft bald zur großen Verkehrswende-Demo auf der Elbchaussee auf

„Wir könnten auch anders!“ ist das Motto der Demo, die im April auf der Elbchaussee stattfinden soll. Zur Zeit befinden wir uns im Planungs- und Anmeldungsprozess.
Den genauen Ort und Datum nennen wir, sobald wir klar sind.

Hintergrund der Aktion, die wir mit Unterstützung der Initiative Reine!Luft!Altona planen, sind Äußerungen des Landesbetriebs Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG), in denen es heißt, dass es aller Voraussicht nach auch nach dem geplanten Umbau der Elbchaussee auf deren östlichem Abschnitt (Hohenzollernring – Rathaus Altona) aufgrund von Platzmangel wohl keine sichere Radwegeinfrastruktur realisiert werden könne. Stattdessen werde für diesen Bereich wohl eher in Frage kommen, dass geprüft wird, inwieweit der Radverkehr statt über die Elbchaussee über die noch auszubauende Veloroute 12 durch Ottensen geführt werden könne. Das jedoch wäre eine grobe Missachtung der Bedürfnisse und Wünsche von Radfahrenden, die seit Jahren auf eine gute Verbindung aus dem Westen der Stadt Richtung City warten.

Wir tragen den Protest nun auf diese Straße, weil nicht nur wir von KURS FAHRRADSTADT eine sinnvolle und zukunftsfähige Neuplanung der Straße schmerzlich vermissen.

Wir fordern daher die Einrichtung einer Fahrradstraße über die gesamte Länge der Elbchaussee, mindestens jedoch den tatsächlichen Bau einer sicheren Fahrradweginfrastruktur mit baulich vom KFZ Verkehr getrennten Radwegen, entweder wie dies in Kopenhagen Standard ist oder (wo dies nicht möglich ist oder zu viele Bäume im Weg sind) nach Hamburger Art auf dem Hochbord. (Diesmal ist es kein Witz – den hatten wir nämlich schon: „Elbchaussee wird Fahrradstraße“, KURS FAHRRADSTADT, 1. April 2018) Zudem fordern wir ebenso mindestens die Reduzierung der zugelassenen Geschwindigkeit auf Tempo 30.

Eine Umleitung des Radverkehrs über die Bernadotte Straße bis zum Anschluss an die Veloroute 12 an der Königstraße entspräche einem Umweg von 800 Metern; möchte der Radfahrende jedoch das Ziel Palmaille erreichen, beträgt der Umweg sogar einen ganzen Kilometer! Das ist für uns schlicht inakzeptabel. Es ist erwiesen, dass Radfahrende (wie auch Fußgänger) Umwege scheuen, sondern eher ‚kreative‘ Abkürzungen gefunden werden. Das darf auch nicht verwundern, schließlich ist es deren eigene Kraft, mit der sie sich im Gegensatz zu KFZ-Fahrenden fortbewegen. Es sollte innerhalb der Stadt daher selbstverständlich sein, in solchen Fällen das Bedürfnis der Radfahrenden, welches sich in diesem Punkt absolut nicht von dem der Autofahrenden unterscheidet, die im Gegensatz zu ihnen jedoch umweltfreundlich unterwegs sind, vorzuziehen. Umwege können eher die fahren, die dafür keine eigene Energie verbrauchen.

Sind wir verrückt geworden?

Ganz und gar nicht! Solche Radwege wurden von der Mehrheit der an der Bürgerbeteiligung teilnehmenden Menschen übrigens ausdrücklich gewünscht. Mit überwältigender Mehrheit wurde dieses bereits bei der Auftaktveranstaltung deutlich (siehe Seite 1 und 2, jeweils Punkt 7: https://lsbg.hamburg.de/contentblob/11078242/ec8c2c81c8effb4c16752e040648eba6/data/elbchaussee-1-beteiligungsveranstaltung-stimmungsbild-und-zusatzbeitraege.pdf) Für den mittleren Abschnitt der Elbchaussee wurde diese Lösung nun auch als eine Variante bereits tatsächlich geplant und im weiteren Verlauf des Beteiligungsverfahrens zudem als die mit deutlichem Abstand beste Planungsvariante ausgewählt (von 92 Bewertungen 56 „sehr gut“, 24 „gefällt mir gar nicht“, 2 „gefällt weniger gut“ und 10 „Entwurf ist ok“ https://lsbg.hamburg.de/contentblob/11963502/0683db4845d3c7febce9b29a75c199df/data/elbchaussee-2-dialogveranstaltung-poster.pdf Seite 10).

Als Gründe, warum auf weiten Teilen der Elbchaussee angeblich keine vernünftigen Radwege eingerichtet werden können, verweist der LSBG auf zu schmale Fahrbahnschnitte, Bäume, die im Wege seien, Parkplätze, die entfallen würden sowie im östlichen Abschnitt auf die zu hohe (Auto)Verkehrsdichte, die eine Verschmälerung der Fahrbahn nicht zulassen würden und die Einrichtung einer Fahrradstraße schon gleich gar nicht. Denn „eine Fahrradstraße kann nach StVO nur dann angeordnet werden, wenn das erwartete Radverkehrsaufkommen das Kfz-Aufkommen aktuell oder in Zukunft übersteigt. Eine solche Entwicklung ist für die Elbchaussee nicht zu erwarten“, heißt es vom LSBG. Wie denn auch, wenn es dort keinerlei sichere Fahrradinfrastruktur gab und geben wird? (Merke: In den heutigen Fahrradstraßen Harvestehuder Weg und Leinpfad hatte es schon immer in weiten Teilen baulich getrennte Radwege gegeben).

Zudem muss hier ganz offensichtlich noch einmal erinnert werden an ein Ereignis, welches unserer Meinung nach in den bisherigen Überlegungen scheinbar komplett verdrängt wurde: Es geht um den Radweg unten am Elbstrand, der gebaut werden sollte. 5 Meter breit oder mehr. Eine Beton-Piste, die den Charme des Stadtstrandes massiv zum Schlechteren verändert hätte. Mit 76% haben die Altonaerinnen und Altonaer im September 2017 gegen dieses Projekt gestimmt, nicht ohne schon damals zu betonen, dass Alternativen auf der Elbchaussee geschaffen werden sollten. (Siehe auch Elbstrand bleibt Elbstrand“, KURS FAHRRADSTADT, 18. September 2017)

Wir fordern deshalb den LSBG, die Obere Verkehrsbehörde und den Senat auf, zu handeln und die Interessen der Radfahrenden nicht weiter zu ignorieren, sie nicht weiter zu brüskieren sondern schnellstmöglich Planungen zu veranlassen, die es ermöglichen, Elbchaussee und Klopstockstraße jederzeit sicher und durchgängig mit dem Rad zu befahren.

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Guter Plan für die Elbchaussee?
Dann bewerte unsere Idee und kommentiere sie gerne auch auf www.hamburgbessermachen.de, wo wir sie eingestellt haben:

Unbenannt
KURS FAHRRADSTADT Vorschlag auf www.hamburgbessermachen.de

Du hast Lust, uns bei der weiteren Planung zur Elbchaussee Demo zu unterstützen? Schön, melde dich doch sehr gerne bei uns: kursfahrradstadt@hamburg.de

!!! Dringend gesucht: Wir würden uns sehr freuen, wenn sich Leute melden, die uns anbieten, z.B. zu anfangs Beschriebenes zu visualisieren. Einzige Bedingungen: Es muss vom Herzen kommen – und wir müssen es hinterher frei verwenden dürfen – selbstverständlich aber immer mit Nennung der Macher/in sowie gff. Linkangabe !!!

Du möchtest, dass aus Visionen Realität wird? Auch gut, dann unterzeichne doch bitte unseren offenen Brief an unseren aktuellen Bürgermeister Peter Tschentscher:
https://www.change.org/p/kurs-fahrradstadt

Du möchtest insgesamt unsere Arbeit unterstützen? Super, schau mal hier:
https://kursfahrradstadt.wordpress.com/mitmachen/

kfhhlogo-change-org

Anschluss verpasst?

„*dooong* Nächster Halt: Elbbrücken“.
So ungewohnt klingt es aus den Lautsprechern, als sich die Bahn an der Hafencity Universität in Bewegung setzt und Fahrt aufnimmt Richtung Hamburgs jüngstens Kind im U-Bahn-Netz. Nach einigen Hundert Metern durch den Tunnel geht es in einer geschwungenen Kurve nach Süden nicht nur ans Tageslicht, sondern über eine Rampe gleichzeitig und parallel zur „Stelzenbahn“ der neuen Station entgegen. Kurz später endet die Fahrt in einer futuristisch anmutenden Stahl- und Glaskonstruktion, die nicht nur auf dem gleichen Höhenlevel wie die nebenan beginnenden echten Elbbrücken liegt. Wer hier aussteigt und den Bahnhof verlässt, findet sich mitten im Nirgendwo wieder: Drumherum nur Brachland, Bauland, unwirtliche wirkende Straßen. Das wird sich ändern in den nächsten Jahren. Was nun noch wie ein Ufo daherkommt, welches sich im Ziel ein wenig vertan haben muss, wird bald inmitten des neuen Quartiers Elbbrücken liegen, zu Füßen des geplanten knapp 250 Meter Hohen Wolkenkratzers Elbtower. Gehen wir wieder hinein in die neue Station – Hamburg und Hochbahn feiern das neue, schmucke, dieser Tage ganz in Stahlblau bestrahlte Stück – gewiss nicht ganz zu unrecht. Und dennoch: Wer von oben, dem Übergangssteg kurz unter dem geschwungenem Dach über die Gleise zur Elbe schaut, dem drängt sich angesichts des fast schon zu symbolisch wirkenden Bildes, das da zu sehen ist – das Ende der Schienen, Prellblöcke und der unüberwindbare Strom dahinter – nur eine Frage auf: Wo bleibt der Anschluss?

In diesem letzten Beitrag von KURS FAHRRADSTADT in diesem Jahr wollen wir dieser symptomatischen Frage – Wo bleibt der Anschluss? – nachgehen. An der neuen Haltestelle Elbbrücken wird er sicherlich bald kommen, denn gegenüber auf dem anderen Ufer, auf dem kleinen Garsbrook, soll das nächste große städtebauliche Projekt beginnen. Wenn alles gut läuft, wird damit, wenigstens das, der langersehnte „Sprung über die Elbe“ endlich gelingen. Ob aber die Chancen genutzt werden, die sich der Stadt (nicht nur) dort bieten, steht leider auf einem anderem Blatt. Und, auch dies muss gesagt werden, angesichts vieler anderer Dinge, bei denen Hamburg den Anschluss zu verlieren droht oder ihn bereits verpasst hat, ist die Wahrscheinlichkeit, dass nachhaltige und sinnvolle Lösungen auch umgesetzt werden, bei der bisherigen Politik nicht unbedingt sehr hoch.

Da wäre zunächst die traurige Nachricht, dass in Hamburg, obwohl sich die Stadt redlich bemüht, „Fahrradstadt“ zu werden, die Unfälle mit Radfahrenden wieder erhöhen. Von 2.640 verunglückten Radfahrenden kamen dabei in den ersten neun Monaten dieses Jahres 1.985 zu Schaden, 171 von ihnen verletzten sich schwer und 2 ließen ihr Leben auf den Straßen. Das ist die höchste Zahl seit 2011, um satte 8,2% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum legten die Fahrradunfälle mit Verletzten zu. Der Senat verweist darauf, dass diese Zahlen zwar nur vorläufig und nicht vergleichbar seien, allein schon darum, weil die Anzahl der Radfahrenden dank des Supersommers um ganze 20% zugelegt hätten. Nachdenklich sollte es jedoch schon stimmen, denn ist nicht „Safety in Numbers“, dass heisst, je mehr Radfahrer auf den Straßen unterwegs sind, desto höher automatisch die Sicherheit, unter Experten eine mittlerweile anerkannte Annahme? Wer zudem zur Kenntnis nimmt, dass vor allem in der letzten Zeit sehr viele Radweg-Führungen in den Autoverkehr auf die Straßen verlegt wurden, darf da durchaus zu dem mulmigen Gefühl kommen, dass irgendetwas an der Sache nicht stimmen kann. Die Antwort auf eine kleine Anfrage legt zudem offen, wie viele Fahrradunfälle in den ersten drei Monaten 2018 auf welcher Art von Radverkehrsanlage stattfanden – also ob auf baulich getrennten Radwegen, auf Gemeinsamen Geh- und Fußwegen oder eben auf Fahrrad- und Schutzstreifen auf den Fahrbahnen. In bis auf einem Bezirk sind die Unfallzahlen auf letztgenannter Art (Fahrrad- und „Schutz“streifen) signifikant gestiegen – hamburgweit von 186 auf 317 Fälle. Vor allem, weil wohl noch die meisten Radwege nicht auf den Fahrbahnen, sondern daneben verlaufen, gab es hier auch deutlich mehr Unfälle. Dazu meint der Senat, dass diese Zahlen keine Rückschlüsse auf die Häufigkeit der Unfälle auf den verschiedenen Radwegvarianten erlauben – aber, wir finden, dass jeder Unfall, der auf Fahrrad- und Schutzstreifen passiert, recht einfach vermeidbar wäre, wenn Radwege gleich anders angelegt und der Sicherheit ein ganz anderer Stellenwert zugestanden wird. Wenn schon ein Unfall, dann bitte nicht da, wo Busse, LKW und PKW entlangbrettern. Alle Daten können hier in den Antworten des Senats auf eine kleine CDU Anfrage eingesehen werden. Erschreckende Zahlen erreichen übrigens auch die Unfälle mit den Kleinsten: Auf 570 verunglückte Kinder ist die Zahl gestiegen, ein Plus von untragbaren 15% zum Vorjahreszeitraum. Diese Zahlen schreien zum Himmel!

Und, was hatte der letzte Fahrradkimatest des adfc 2016 für Hamburg ergeben? Mieseste Ergebnisse, einen der allerletzten Plätze im Städteranking, Platz 31 von 39 und keine nennenswerte Verbesserung zum Test zwei Jahre zuvor. Hauptkritikpunkt war nicht von ungefähr die Sicherheit beim Radfahren – für die kassierte die Stadt ’ne glatte 5. Siehe „Butter bei die Fische – liebe Grüne und adfc Hamburg“.

In Kopenhagen steigt dagegen die Zufriedenheit in Sachen Sicherheitsgefühl bei Radfahrenden auf neu eingerichteten, vom übrigen Kraftverkehr getrennten Radwegen, um bis zu 100%! (Copenhagen City of Cyclists Facts and Figures 2017, Seite 3). Jemand, der es ganz genau wissen muss, ist Morten Kabell von Copenhagenize und ehemaliger Umweltbürgermeister von Kopenhagen, der wesentlich mit dazu beitrug, dass sich diese Ostseemetropole zum Fahrradparadies gewandelt hat. In der aktuellen „Radcity“ des Hamburger adfc’s sagt er: „Ganz ehrlich, ich hasse es, in deutschen Städten mit dem Rad zu fahren, weil man da auf einer Straße mit den Autos ist, aber ich hasse es auch, dort zu Fuß zu gehen, weil ich mich dabei unsicher fühle und ich immer über die Schulter schauen muss, ob mir gerade ein Fahrradfahrer reinfährt. Wer will da schon seine Kinder alleine zur Schule schicken? Fühlt man sich als etwas schwache, ältere Person so sicher? Die Antwort lautet: Auf keinen Fall.“ Ach ja, einen Tipp für Hamburg hat er auch parat: („So geht Fahrradstadt!“ RadCity 6/2018).

Die 3 wichtigsten Gründe für ein gutes Fahrradklima sind Infrastruktur, Infrastruktur und Infrastruktur! (Morten Kabell)

Bevor wir uns einem anderen Themen widmen, blicken wir noch einmal kurz auf’s spanische Sevilla. Denn diese Stadt ist vor einigen Jahren schon Fahrradstadt geworden. Um es kurz zu machen: Der Bürgermeister startete eine Umfrage. ‚Denken Sie, dass eine Fahrrad-Infrastruktur gut wäre für Sevilla?‘ Er bekam ein erstaunliches Ergebnis: 90 % der Befragten sagten ‚Ja‘. Damit war der Startschuss gefallen für ein 32 Millionen Euro Projekt, welches innerhalb nur einer einzigen Legislaturperiode umgesetzt wurde. 5.000 Parkplätze wurden zurückgebaut und gute, neue und baulich getrennte Radwege auf 80 Kilometer Länge angelegt. Heute kommt selbst die konservative Nachfolgeregierung angesichts des Erfolges nicht mehr auf die Idee, diesen begonnenen Weg zu verlassen. „Fahrradstadt Hamburg“ – abgehängt von Sevilla.
(„Sevilla – In Lichtgeschwindigkeit zur Fahrradstadt“, monda, 01.12.2018)

Ach ja, dass man mit dem Bau einer guten Fahrradstadt auch eher die eigenen Klimaschutzziele erreichen kann, dass die Luft sauberer wird, die Menschen gesünder und Hamburg jede Menge Geld damit sparen könnte – mehr noch – sogar welches verdienen könnte, hat sich zu den Pfeffersäcken im Rathaus offenbar noch immer nicht herumgesprochen.

Anschluss verpasst – nicht nur bei der Fahrradstadt, sondern auch der autofreien Innenstadt. Für Privatautos ist im Zentrum von Norwegens Hauptstadt Oslo ab 2019 Ende Gelände, denn die Innenstadt soll autofrei werden. Umfasst werden zunächst 6 recht nah beieinanderliegende Pilotprojekte, zur Zeit läuft bereits die begleitende Evaluierung. Gab es nicht gerade im Sommer auch in Hamburg viele Diskussionen um eine autofreie Innenstadt in den Medien? Äh, autofreie was bitte nochmal…?

Hamburg wächst, und darum werden neue Baugebiete ins Visier genommen. Wie schon vorhin erwähnt, wird sich demnächst im östlichen Ende der Hafencity einiges tun, ebenso gegenüber auf dem Kleinen Grasbrook. Aber nicht nur dort, auch anderswo sind die Pläne groß: So richtet die Stadt ihr Augenmerk stromaufwärts an Elbe und Bille, wo zwischen Rothenburgsort, der Horner Geest über Öjendorf, Mümmelmannsberg bis hin zum neuen Stadtteil Oberbillwerder im Osten quasi Hamburgs neue, schöne Zukunft entstehen soll. Es wäre mehr als wünschenswert, wenn diese neuen Quartiere tatsächlich als Quartiere der kurzen Wege und einem insgesamt nachhaltigen Konzept entwickelt und geplant werden – das betrifft bei Weitem nicht nur nur die Lösungen für neue Mobilität, sondern auch ein durchdachtes Klima-, Entsorgungs-, Energie- und Baukonzept. Denn es gibt kaum andere Bereiche, in denen Städte so viele eigene Möglichkeiten der Gestaltung haben wie den Bereich der Stadtentwicklung. Diese Chancen sollten genutzt und nicht vertan werden. Die bisher veröffentlichten Pläne, insbesondere von Oberbillwerder, sehen zunächst vielversprechend aus. So werden Freiräume geplant für die neuen Bewohnenden, die autofrei sind. Im Masterplan des neu zu bauenden Stadtteils (Seite 62) heißt es vollmundig, dass nicht irgendwelche Gebäude, sondern – man staune – der Mensch im Mittelpunkt stehen soll und weiter, dass das Ziel sein soll, alternative Mobilitätslösungen so auszubauen, dass am Ende nur noch 20% aller Wege der neuen Oberbillwerderer mit eigenen Autos (MIV) zurückgelegt werden sollen. Dann wird eine Reihe von Maßnahmen aufgelistet, wie dies erreicht werden soll. Vom Radfahren auf dem „grünen Loop“ bis zu Carsharing-Anreizen und nur noch 04, – 0,6 PKW Parkplätzen je Wohneinheit. Keine Frage, das hört sich alles super an.

Wer Hamburg kennt und sich mit der Thematik ein wenig befasst, sollte wissen, dass allzu große Hoffnungen auf vernünftige Ideen mit Vorsicht zu genießen sind.

So wurde in der bisherigen Hafencity der Radverkehr so gut wie vergessen, werden Straßen wie die Harkortstraße in der entstehenden Mitte Altona zu neuen „Hauptstraßen“, auf denen sich der MIV Verkehr laut städtischen Prognosen mal eben verdoppeln soll („Fahrradstadt versenkt“) und angeblich zukunftsweisende neue Carsharingangebote in gehypten „Firstmover!“ Pilotprojekten in Eimsbüttel und Ottensen gleichen eher einem Flop, weil viel zu halbherzig umgesetzt wird, was in ganz anderen Dimensionen geschehen müsste. Die Liste ließe sich beliebig verlängern. Leider.

Wie so oft, gibt es da aber an anderer Stelle etwas in der Welt, was man sich mal anschauen sollte, zumindest als Hamburger Entscheidungsträger. In Stockholm, Schwedens Hauptstadt, entstand vor kurzem der komplett neue Stadtteil Hammarby Sjöstad. Leben am Wasser, Leben mit dem Wasser, vor allem aber wurde alles getan, um tatsächlich zu nachhaltigen Lösungen zu kommen. 80% aller Wege, die die Leute in Hammarby Sjöstad zurücklegen, sollten nicht mit dem eigenen Wagen zurückgelegt werden. Am Ende schrammte man knapp dran vorbei: 79% wurden tatsächlich erreicht. Der Autobesitz der neuen Stadtteilbewohner liegt satte 43% unter dem Durchschnitt von gesamt Stockholm und toppt sogar das grün- und ökoorientierte nahe Sundbyberg, denn Hammarby liegt selbst hier noch 25% darunter. Kein Bewohnender muss weiter als 300 Meter zur nächsten Haltestelle des gut ausgebauten ÖPNV Systems gehen. All das, obwohl in Hammarby sogar 0,65% Parkplätze je Wohneinheit bereitgehalten werden – jedoch, und das ist wohl der große Unterschied, beziehen sich diese 0,65% auf alle zur Verfügung stehenden Parkflächen, d.h., öffentliche Stellplätze am Straßenrand sind hier schon inkludiert. (Sehr interessant sind die Erläuterungen und Grafiken in diesem PDF aus „Cities for People in Practise“, ab Seite 12). Und – Hammarby Sjöstad liegt nur 3 Kilometer vom Stockholmer Zentrum entfernt, ist auch mit Straßenbahnen, Bussen und Fähren angebunden und zahlreichen Carsharingstationen ausgestattet. Oberbillwerder liegt 13 Kilometer vom Rathaus entfernt, angebunden nur mit einer Schnellbahnstation und vielleicht einigen Bushaltestellen. Da muss sich Hamburg schon megamäßig ins Zeug legen, damit aus Wunschtraum auch Wirklichkeit wird. Sonst heißt es wieder: Anschluss verpasst an Schweden….

Aber, wünschen kann man sich ja vieles, gerade zur Weihnachtszeit. Die Dänen sind in diesem Fach auch wieder ganz stark. Kopenhagen rüstet nämlich mächtig auf, nach der Fahrradstadt nimmt man in Angriff, die lebenswerteste Stadt zu werden. Heraus kommen dann neue Stadtteile wie Nordhavn, der sich zur Zeit im Bau befindet. Stöbert mal durch diese Seiten (Ladet euch unbedingt das „Strategie Buch“ herunter, den Link findet ihr dort!) – Hamburger Hafencity Bewohner sollten lieber die Finger davon lassen, wollen sie nicht pünktlich zum Fest vor Neid erblassen. Und das ist dann auch nur der kleine Vorgeschmack auf das, was schräg gegenüber von Nordhavn danach entstehen soll. Lynette Holmen (fertig in 2070!), ein Stadtteil, der mitten im Meer entstehen soll, kommt gleich mit eigenem Badestrand daher.

Ach Hamburg….

Anschluss gesucht gilt aber auch in eigener Sache:
Für das kommende Jahr haben wir uns von KURS FAHRRADSTADT wieder einige Dinge auf die Fahnen geschrieben, die wir gerne in Angriff nehmen wollen. Da wäre zum Einen eine Aktion an der Fahrradstraße Uferstraße am Eilbekkanal, wir haben da schon einige Ideen. Denn da geht mehr. Wie fast überall.

Zum Anderen wollen wir den Affront nicht auf uns sitzen lassen, mit dem Politik und der Landesbetrieb Verkehr sämtliche Hamburger Radfahrende kürzlich wieder vor den Kopf gestoßen haben.

Wir wollen zeigen, dass „Radwege wie Dänemark“ überall, auf beiden Seiten, durchgängig auf der Elbchaussee kein Hexenwerk ist, sondern ganz einfach geht.

Grob angepeilt haben wir die Aktion, die wir ab Januar planen wollen, für Februar. Und dann würden wir uns gerne mal wieder Eimsbüttel zuwenden und versuchen, für diesen Stadtteil einen Vorschlag zu erarbeiten, wie es gelingt, durch andere Verkehrsführungen das Quartier wieder lebenswerter zu bekommen. Viele Vorhaben, für die wir gerne alles geben, bei denen wir aber auch auf tatkräftige Unterstützung durch möglichst viele von euch angewiesen sind! Wer also Lust hat, diese Aktionen mit uns zu planen, möge sich bitte unbedingt melden bei uns: kursfahrradstadt@hamburg.de oder siehe unsere Rubrik „Mitmachen“.

Kürzlich wurden wir als Initiative gefragt, was wir uns für das neue Jahr am meisten wünschen würden. Schwierig, denn es gibt so vieles, was uns einfällt. Vielleicht dies: Dass ab 2019 die Zeit beginnt, ab der in Hamburg bei allen Um- und Neuplanungen von Straßen die Fahrrad-Infrastruktur so sicher und genial ist, dass es sofort ins Auge sticht. Und dass niemand mehr verletzt werden muss, nur weil man Fahrrad fährt. Wenn unsere PolitikerInnen dies endlich mal begreifen würden, das wär‘ ein Traum! Und bis dahin gilt, uns weiterzuempfehlen und fleißig weiter zu unterzeichnen!

Frohe Weihnachten euch allen und kommt gut und gesund ins neue Jahr!

Euer Team von KURS FAHRRADSTADT

 

Hier KURS FAHRRADSTADT auf change.org unterzeichnen – über 3.500 sind schon dabei!

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