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Miese Unfall – Statistik für Radfahrer in Hamburg

Fahrrad Unfall: Täglich holte es allein im ersten Halbjahr 9 Menschen in Hamburg vom Rad

Bis zu neun Radfahrer verunglücken in Hamburg – jeden Tag. Der Trend aus dem letzten Jahr scheint sich leider fortzusetzen: Statt weniger erwischt es immer mehr Radfahrer, die in einen Unfall verwickelt sind. Nach Zahlen, die für das erste Halbjahr 2019 vorliegen und bereits am 10. September dieses Jahres veröffentlicht wurden, scheinen alle Bemühungen des rotgrünen Senats, die Straßen für die Radfahrer in Hamburg  sicherer zu machen, ins Leere zu laufen. Um bis zu 33% mehr Unfälle gab es demnach im ersten Halbjahr allein im Bergedorf. In Eimsbüttel stiegen die Zahlen um 19%. Es folgen die Bezirke Mitte mit +14%, Wandsbek mit +9%, und Nord mit +4%. Keine Veränderung gab es in Harburg und nur aus Altona gibt es erfreulichere Meldungen – dort sanken die Unfälle um etwa 3%.

Radfahrer leben gefährlich in Hamburg

Obwohl viel Geld in den Ausbau der Radwege-Infrastruktur gesteckt wird, bleiben die Unfallzahlen auf einem hohen Niveau bzw. steigen sie sogar. Wie schon im letzten Jahr lässt sich aus den Zahlen einer kleinen Anfrage an den Senat herauslesen, wie viele der Fahrrad Unfälle dabei auf klassischen Radwegen, also auf dem Hochbord, oder auf den neu auf die Straßen gepinselten Streifen geschahen. Um 43% stieg die Anzahl der Unfälle demnach auf Schutz- und Fahrradstreifen und damit deutlich mehr als der Anteil auf abgetrennten Radwegen, wo „nur“ etwa 16% mehr Radfahrer in Unfälle verwickelt wurden. Leider lässt sich aus der Statistik nicht erkennen, welche Radwegart die sicherere ist, im Sinne der Schwere der Verletzungen der Verunfallten. Dies zu wissen wäre jedoch mehr als hilfreich. Insgesamt wurden 9% mehr Radfahrer in ganz Hamburg im ersten Halbjahr 2019 im Vergleich zu  2018 in einen Unfall verwickelt. Unwahrscheinlich, dass sich dieser Trend mit den Ganzjahreszahlen, die demnächst kommen werden, umkehren wird. Nicht nur in Hamburg, sondern bundesweit steigen die Unfälle mit Radfahrenden. Dazu mehr im Spiegel-TV Beitrag auf Youtube:

Fahrradstadt – Radwege in Hamburg? „Vision Zero“ noch weit entfernt!

2002 lag der Anteil der Radfahrer in Hamburg im Modalsplit bei 9%, 2008 lag er bei 12% und bei der vorerst letzten Erhebung 2017 bei 15%. In Trippelschrittchen geht es also voran, zuletzt sanken die Zahlen bei der diesjährigen Fahrradzählung aber sogar wieder um über 6%. Wie passt es also zusammen, dass die Unfallzahlen scheinbar dennoch schneller steigen, als die Zahl der Radfahrer auf den Straßen unterwegs sind? Liegt es daran, dass in dem wachsenden Hamburg immer mehr Menschen insgesamt auf den Straßen unterwegs sind, also auch im Auto? Dass die Straßen voller werden, die Aggressivität steigt?

Gerade waren die Hamburger Grünen Anjes Tjarks und Martin Bill in Kopenhagen, um sich dort anzusehen, was die Fahrradstadt Nummer 1 anders, womöglich sogar besser macht. Ähnlich, wie es auch das Copenhagenize Team der hiesigen Politik schon öfters geraten hat (2017 Hamburg Rang 17 „Copenhagenize Index“), mussten sich die beiden diesmal wieder folgenden Tipp anhören: „Ihr braucht geschützte Radwege.“ Morten Kabell, Copenhagenize-Chef und Mitverantwortlicher dafür, dass Kopenhagen zum Mekka für Radfahrer wurde, wird ganz deutlich: „Seid radikal“ und „Habt einen guten Plan“. (siehe Hamburger Abendblatt, „Hamburgs Grüne im Fahrradparadies“, 3. November 2019).

Radikal sind die Hamburger Möchtegern-Fahrradstadt-Macher allemal: So weisen Bill und Tjarks die Kritik zurück, denn die Streifen seien besser als das, was vorher da war – nämlich oft nichts. Dieses „Nichts“ allerdings verschwindet zur Zeit radikal schnell auf Hamburgs Straßen. Gerade in diesen Tagen wird in der Stresemannallee ein schöner, breiter Radweg, auf denen die Menschen und tausende Kinder über Jahrzehnte sicher vorm Auto geschützt ihren Weg zwischen Lokstedt und Eimsbüttel zurücklegen konnten, weggemacht. Bald findet er sich als weiße Striche auf der Straße wieder. Wahrscheinlich ist es auch ganz genau dieses „Nichts“, was Hamburg im aktuellen 2019er Index wieder auf einen neuen Platz katapultiert: Platz 20 und damit Schlusslicht in der Top-Liste. Zurück in die Vergangenheit.
Was rät Copenhagenize unserer Stadt?
[…] But when residents are polled, more than half respond saying that poor bicycle lanes keep them from riding. Sooner or later Hamburg will have to turn to the elephant in the room, taking space from automobiles for an expanding network of on-street bike lanes.
(mit „bike lanes“ sind in diesem Fall wohl überwiegend ganz klar geschützte Radwege gemeint).

Für die Grünen ist all das aber kein Problem. Ob aber das Festhalten am bisherigen Vorgehen Radfahrer zukünftig weniger in einen Unfall verwickelt in Hamburg und die Verkehrswende so erreicht wird; ob es endlich gelingt, wieder den Menschen anstelle das Auto in den Mittelpunkt einer lebenswerten Stadt zu stellen, wird sich wohl erst mit den Zahlen in den nächsten Jahren zeigen. Bis dahin scheinen die Grünen jedoch lieber  sogar noch Kopenhagen überholen zu wollen. Kein Witz.
When Copenhagen goes high, we go low. Schade.

Für PBL’s – geschützte Bike-Lanes an allen Hamburger Hauptstraßen!
Dafür setzt sich KURS FAHRRADSTADT ein.
Hilf uns, unterzeichne unsere Petition auf change.org!

Neu: Wir geben einen Überblick über die „Fahrrad-Szene“. Welche Initiativen für Radverkehr und eine lebenswertere Stadt in Hamburg gibt es so? Schaut mal vorbei!

KURS-FAHRRADSTADT-HAMBURG-LOGO

Fahrrad in Hamburg auf absteigendem Ast? Heute -6% Radverkehr!

Fahrrad im Hamburger Trend? Von wegen!

Wer hätte das gedacht? Vor einigen Tagen wurden die Ergebnisse der aktuellen Hamburger Fahrradzählung für das Jahr 2019 vorgestellt. Schonungslos geht aus den Zahlen der Antwort des Senats auf eine kleine Anfrage hervor, dass das Fahrrad in Hamburg heute bis zu über 6% weniger an den Zählstellen vorbei kam als dies 2018 noch der Fall war. Insgesamt gibt es zur Zeit 38 Zählstellen, davon wird an 13 von ihnen ganztags gezählt, leider nur einmal im Jahr. Insgesamt ging der Anteil des Radverkehrs um 6,6% Prozent zurück, wie das Hamburger Abendblatt gestern in „Hamburg baut weniger Radwege als versprochen“ ausgerechnet hat.
Wir haben nachgerechnet und dabei nur die Zahlen der 12 bisher vergleichbaren Langzeit-Zählstellen verglichen. Alleine an ihnen, die fast alle an großen und stark frequentierten Straßen liegen, fuhren 6,3% weniger Menschen auf ihren Rädern als im Vorjahr.
Wer selbst nachsehen möchte, kann dies hier (2018) und hier (2019) gerne tun.

Hamburg nur mit spärlicher Datenlage

Wenn nur einmal im Jahr gezählt wird, ist es unwahrscheinlich, wirklich gute Vergleichsdaten zu bekommen. Ist es kalt, ist es warm, trocken, ist es ein Montag oder ein Freitag, lief am Abend zuvor gerade das Finale der Frauen-EM, – diese Liste ließe sich endlos fortsetzen. Wird nur einmal gezählt, muss genommen werden, was man hat – auch wenn dies dann nicht unbedingt tatsächlich repräsentative Zahlen sind, die eher zu  erwarten sind, wenn Mittelwerte über mehrere Zählungen vorliegen würden. Wenn nun wie in Hamburgs Fall die Zahlen nicht so sind, wie erhofft, lässt sich vieles in die Ergebnisse hineininterpretieren: Laut Abendblatt-Artikel liegen die Zahlen für die Verkehrsbehörde im Bereich „normaler Schwankungen“. Vor allem aber glaubt man, dass das Superwetter 2018 verantwortlich war für die besseren Zahlen. Man könnte auch andere Dinge heranziehen, um zu schauen, warum die Ergebnisse sind, wie sie sind. Wurden Radwege inzwischen auf die Fahrbahnen verlegt, die nun von Radfahrenden eher vermieden werden? Gab es über einen längeren Zeitraum Baustellen vor Ort, die die Einbrüche erklären? Dies zumindest ist an den Zählstellen Dammtordamm / Große Theatherstraße der Fall, dort sind in diesem Jahr über 600 Leute weniger vorbeigeradelt. Seit Ende der Baustelle, müssen sie hier nun auf die Fahrbahn. Auch aus Wandsbek gibt es alarmierende Ziffern: An der Wandsbeker Allee / Wandsbeker Marktstraße war der Schwund um 947 Vorbeiradelnde noch extremer und hat sich damit fast halbiert – der Grund könnte aber auch hier eine Baustelle sein, die es offenbar noch immer gibt.

Warum radeln heute so viel weniger Leute durch die Stadt?

Gute Frage! Wir erinnern uns nur mal an drei Dinge, die bekannt sind:
Da wäre zum Ersten das „Bündnis für den Radverkehr“, in welchem festgelegt wurde, dass die Koalition im Rathaus „bis in die 2020er“ Jahre erreichen möchte, dass ein Viertel aller Wege der Hamburgerinnen und Hamburger bis dahin mit dem Fahrrad zurückgelegt werden sollen. 2017 lag der radelnde Anteil bei 15%, das kann man hier im „Mobilität in Deutschland – Kurzreport – Hamburg und Metropolregion“ von 2018 nachlesen. Bis in die 2020er Jahre, nehmen wir fairerweise mal die Mitte von ihnen – 2025 – als Zielmarke, müsste der Anteil von heute noch einmal um schwindelnde 66% steigen, um den angestrebten Modalsplitanteil von 25% zu erreichen. Dafür bleiben dem Senat, so er denn wiedergewählt wird, keine 6 Jahre mehr Zeit. Es wird also sportlich. Angesichts dessen kann man sich die „- 6,6%“ überhaupt nicht leisten.

Zweitens ist es ja aber nicht so, dass nichts in Hamburg passiert. Im Gegenteil. Auch wenn man noch viel mehr schaffen wollte, wird trotzdem an allen Ecken und Enden gebaut und so viele neue Kilometer Radweginfrastruktur geschaffen. Leider nur wenig davon als geschützte Radwege, wird die Mehrheit doch als Witz- und Angststreifen in Form von Fahrradstreifen auf die Fahrbahnen verlegt. Davon kann sich jeder überzeugen, die oder der mit offenen Augen in der Stadt unterwegs ist.

Drittens gab es zudem im nun langsam auslaufenden 2019 die recht fett aufgeführte Kampagne „Hamburg gibt 8„, die für mehr Sicherheit und Verständnis auf unseren Straßen sorgen soll. Mit viel Bohei und Tammtamm neu an den Start ging zudem die teure Luxus-Kampagne „Fahr ein schöneres Hamburg„, wo unter anderem schöngesungen wird, was auf unseren Wegen schmerzlich vermisst wird.

Alles in allem ist das schon eine ganze Menge. Hätte es „nur“ eine Stagnation der Zahlen zum Radverkehr gegeben, könnten wir uns unseretwegen unterhalten über die Gründe, warum das Rad in Hamburg auf dem Abstellgleis (zwischen?)geparkt wird. Angesichts der eben genannten Rahmenbedingen sind Minuszahlen, wenn zugleich auch noch die Unfallzahlen steigen, nichts anderes als eine schallende Ohrfeige, die es verbietet, überhaupt anzufangen, nach Ausreden zu suchen, warum das so ist. Stattdessen sollten die Hausaufgaben schnellstens nachgeholt werden!

Dabei könnt ihr mithelfen:
KURS FAHRRADSTADT unterzeichnen!

Neu: Wir geben einen Überblick über die „Fahrrad-Szene“. Welche Initiativen für Radverkehr und eine lebenswertere Stadt in Hamburg gibt es so? Schaut mal vorbei!

 

„Seventeen #SDG’s Zone“ Eimsbüttel

In Hamburg Eimsbüttel hat es eine Revolution in der Bezirkspolitik gegeben. Vor zwei Tagen, am Donnerstag, den 26. September 2019, hat in Eimsbüttel zunächst kaum merkbar die Zeitenwende begonnen. An diesem Tag haben Die Grünen Eimsbüttel und die CDU Eimsbüttel ihren Koalitionsvertrag unterschrieben. An diesem Tag wurde festgemacht, dass alles Handeln im Bezirk zukünftig daraufhin überprüft wird, ob die jeweils geplanten Vorhaben mit den „17 Zielen zur nachhaltigen Entwicklung“ der Vereinten Nationen im Einklang stehen. Vor allem in den Bereichen Verkehr, Mobilität und Stadtentwicklung setzen die neuen Koalitionäre ihre in der Öffentlichkeit wohl am meisten sichtbaren Schwerpunkte der Zusammenarbeit in den kommenden fünf Jahren. Es ist eine wahre Freude, den Koalitionsvertrag zu lesen! Er beinhaltet ein Feuerwerk an guten Ideen, von denen Eimsbüttel und sicher die ganze Stadt in Zukunft mehr als profitieren werden. Auch wenn diese Ideen als radikal erscheinen, sind sie schlicht geboten, wenn die Menschen es schaffen wollen, dafür zu sorgen, dass sich das Klima nicht um mehr als 2°C erwärmt. Das gilt überall – wie für jeden Einzelnen, so auch für das Handeln von Regierungen und Verwaltungen von Ländern und Kommunen, ganz gleich ob global oder lokal. Eimsbüttel hat sich nun entschieden, den ihm möglichen Beitrag hierzu leisten zu wollen. KURS FAHRRADSTADT gratuliert den Grünen und der CDU Eimsbüttel ganz herzlich!

Eine fantastische Basis ist gelegt; nun kommt es darauf an, die beabsichtigten Vorhaben in den kommenden Jahren in die Realität zu übertragen. Vorgenommen haben sich die neuen Partner vieles, wir können nicht alles aufzählen, dafür lest bitte selbst den Koalitionsvertrag. Im Verkehrsbereich soll sich am meisten ändern. Vieles von dem, wofür sich KURS FAHRRADSTADT einsetzt, scheint nun endlich umgesetzt zu werden:

Der Umweltverbund, also der öffentliche Nahverkehr, Fuß- und Radverkehr soll in Zukunft überall im Bezirk an erster Stelle stehen – noch vor den Bedürfnissen des motorisierten Individualverkehrs.

Radverkehr soll massiv weiter ausgebaut werden, neue Fahrradstraßen entstehen, der Durchgangsverkehr aus „untergeordneten Bezirksstraßen“ grundsätzlich ausgeschlossen werden. Dazu werden neue Sackgassen eingerichtet, Wendehammer gebaut und Diagonalsperren geplant. Ob Grindelhof, Johnsallee, ob im Bellalliance-Viertel oder der Methfesselstraße, überall stehen Veränderungen an. Selbst die recht neu umgebaute Osterstraße soll erneut, wenn auch mit zunächst einfachen Mitteln, angefasst werden; hinterher soll auch dem letzten Autofahrenden klar sein, dass sie sich hinter den Radfahrenden „anzustellen“ haben und nicht mehr, wie heute noch, diese einfach überholen können.

Pro Stadtteil soll es mindestens eine autofreie Straße sowie Spielstraßen geben, letztere können auch temporär, z.B. an Wochenenden bzw. in den Ferien zu solchen ausgewiesen werden. Auch möchte man erreichen, dass sich die Menschen wieder vermehrt auf ihren Straßen begegnen und sich dort wohlfühlen können, indem Straßenparks gebaut und „Parklets“, also Stadtmöblierungen, z.B. mit Sitzgelegenheiten, auf bisherigen Parkplätzen eingerichtet werden.

Tempo 30 soll überall im Bezirk gelten mit Ausnahme solcher überbezirklichen Straßen wie z.B. der Kieler Straße, die dafür jedoch pro Fahrtrichtung eine von ihren drei Spuren abgeben soll, um auch hier Bus- und Radverkehr zu fördern.

Fußwege sollen wieder frei und bequem begehbar werden, Falschparkende konsequent abgeschleppt und Bewohnerparken in allen Quartieren eingeführt werden, die heute chronisch überparkt sind. Des weiteren wird die Ausweitung des Parkraumanagements angestrebt und sollen Gehwege auch von abgestellten Fahrrädern befreit werden, indem für sie auf bisherigen KFZ Parkplätzen neue Abstellmöglichkeiten geschaffen werden.

Baumschutz bekommt einen hohen Stellenwert, ebenso wie der Erhalt und Zubau von Grünflächen. Lokaler Handel soll gestärkt, Stadtteilzentren, z.B. in Eidelstedt und Niendorf, attraktiver gestaltet und neue Buslinien in Fahrt gebracht werden. All dies ist nur ein kleiner Teil all der Vorhaben, auf die sich Grüne und CDU in Eimsbüttel nun geeinigt haben. Für den gesamten Überblick lest bitte den Koalitionsvertrag.

Liebe Grüne, liebe CDU Eimsbüttel,

Veränderungen, insbesondere viele der geplanten Maßnahmen, werden auf Widerstand stoßen. Fünf Jahre können ein lange, leider aber auch eine sehr kurze Zeit sein. Ihnen bleiben nur fünf Jahre – innerhalb dieser Zeit muss es gelingen, diesen Wandel nicht nur anzuschieben, sondern ebenso muss der Bevölkerung lange genug Zeit gegeben werden, sich an die neue Situation gewöhnen zu können und diese sicher später auch schätzen zu wissen. Dies ist eine international inzwischen oft gelernte Erfahrung. Experten, wie z.B. der Däne Jan Gehl, plädieren darum dafür, innerhalb nur einer Legislaturperiode einen größtmöglichen Wurf zu machen. Denn überall, wo solche Veränderungen eingeleitet werden, überwiegen erfahrungsgemäß letztendlich die positiven Effekte! Fünf Jahre aber auch, die das Potential haben, dass Sie krachend scheitern, wenn die Zeit nicht genutzt wird, um einen wesentlichen Teil der Vorhaben möglichst sehr schnell und überzeugend umzusetzen.

Wir freuen uns, wenn Bürgerbeteiligung einen hohen Stellenwert bekommen soll, warnen Sie aber davor, langwierige (Prüf-) Verfahren zu starten, in denen das „Ob“ überhaupt noch diskutiert wird. Nutzen Sie Bürgerbeteiligung bitte für das „Wie“, also kommen z.B. die Parklets hier oder dort hin, soll das neue Quartierszentrum so oder so aussehen, der Park seinen Zugang an alter Stelle behalten oder einen neuen bekommen und was soll sich in ihnen verändern? Diskutieren Sie bitte nicht, wo und ob Parkplätze wegfallen, ob Durchfahrten gesperrt und Fahrradstraßen eingerichtet werden. Vor allem durch die 37%, die Eimsbüttels Bevölkerung bei der letzten Wahl allein den Grünen gegeben haben, besitzen Sie bereits den klaren Handlungsauftrag, diese Dinge nun auch umzusetzen! Mit der außerordentlich breiten Bürgerbeteiligung „Hamburg besser machen“ ist bereits klar ersichtlich geworden, dass die Themen „Radverkehr stärken“ und „Autofreie Innenstadt bzw. Quartiere“ mit den Plätzen 1 und 2 von 9 ganz oben auf der Wunschliste der Hamburgerinnen und Hamburger stehen. Den „Ergebnisbericht“, der den beiden BürgermeisterInnen und der Bürgerschaftspräsidentin bereits am 11. Juni 2019 übergeben worden ist, können Sie hier herunterladen.

Nutzen Sie verstärkt die Absicht, Versuche zu starten, die sich hinterher möglichst verstetigen sollen. Machen Sie bitte in „Think Big“, nicht in Kleinklein!

Beispielhaft sei hier die Parkplatzsituation genannt. Um im Kerngebiet Fußwege wieder freier zu bekommen, werden Sie oftmals nicht umhin kommen, Schrägparkplätze in Längsparkplätze umzuwandeln. Tun Sie das bitte beherzt, auf einem Schlag und stellen Sie sicher, dass dies dann überall, wo es notwendig ist, schnell und vor allem gleich gehandhabt und konsequent durchgegriffen wird. Niemand darf sich ungerecht behandelt fühlen nach dem Motto „…aber die da dürfen immer noch so parken“. Gleiches gilt für die Bewirtschaftung von Parkraum.

Das selbe sollte für die Einrichtung von Fahrradinfrastruktur gelten. Eine Protected Bikeline auf der Edmund-Siemers-Allee, Beim Schlump, der Hallerstraße und Rothenbaumchaussee einzurichten, sollte überall zeitgleich und schnell passieren, es genügt, zunächst auf Baustellentrennelemente oder ähnliches zurückzugreifen. Währenddessen starten Sie Beteiligungsprozesse, um übrige Detailfragen der konkreten Ausgestaltung zu erarbeiten. In Berlin werden solche Protected Bikelanes inzwischen bereits eingerichtet.

Schieben Sie bitte auf keinen Fall die StVO vor, die angeblich vieles nicht möglich machen soll, weshalb Ihre Vorhaben womöglich letztlich doch nicht umgesetzt werden könnten, sondern definieren Sie den Straßenraum bzw. die Straßen (z.B. Anzahl der Fahrspuren oder die Fahrbahnbreite), auf dem die „Leichtigkeit des (KFZ) Verkehrs“ weiterhin geboten bleibt, schlicht neu!

Wir schreiben Ihnen dies, weil wir uns nichts mehr wünschen, als dass Sie Erfolg haben werden! Schauen Sie darum mal nach Bogotá, dort hat Bürgermeister Peñalosa 1999 begonnen, überhaupt erst Fahrradinfrastruktur auf die Straßen zu bekommen – um bis 2001 sagenhafte 300 Km Bikelanes zu implementieren! Bedenken Sie bitte auch die symbolische Wirkung, die eine solch gut gemachte Fahrradinfrastruktur entfaltet – auch auf die Autofahrenden!

Lernen lässt sich sicher auch vom konsequenten Parkraummanagement in Helsinki. Es gilt in der gesamten Innenstadt und im übrigen Stadtbereich in allen Gebieten, die zur Urbanisierungszone gehören. Auf Hamburg übertragen hieße es, eine solche Zone in etwa zwischen Ring 2 und Ring 3 bis zum Zentrum hin einzurichten. Weite Teile Eimsbüttels lägen dann in einem solchen Bereich.

Helsinki ist nach New York übrigens die zweite Stadt weltweit und die erste in Europa, die sich an den „Sustainable Development Goals“ (SDG) misst – entsprechend ambitioniert daher der „From Agenda to Action“-Plan, mit dem die finnische Metropole nichts mehr anstrebt, als die „The most Functional City in the World“ werden. Auch hier kann man sich sicher gut inspirieren lassen:
https://www.hel.fi/kanslia/sustainable-development/

Oder, schauen Sie nach Eimsbüttel selbst:
Gerade am vergangenen Montag sind wir von KURS FAHRRADSTADT auf die Edmund-Siemers-Allee gegangen, um dort für eine halbe Stunde eine XXL-Bikelane einzurichten. Für uns hat es 15 Minuten gedauert, hinterher konnten Radfahrende eine erstaunlich gute, schnelle und sichere Fahrt in die City genießen. Mehr Stau als sonst konnten weder wir noch die Polizei vermelden und das, obwohl wir den gesamten rechten Fahrstreifen abgetrennt hatten! Während zwei Stunden, die wir insgesamt vor Ort waren, haben wir beinahe 1.400 Radfahrende gezählt, die Richtung Innenstadt radelten. Das sind bereits beeindruckende Zahlen, die für sich sprechen.

Baustelle Langenfelder Damm. Könnte hinterher mit Durchfahrtsverbot für KFZ belassen werden, ausgenommen werden müssten nur die Busse der Linie 4.

Ganz aktuell böte sich auch noch ein Blick rund um die Apostelkirche an. Seit Wochen wird im Langenfelder Damm gebaut, der daraufhin ab der Müggenkampstraße in beide Richtungen voll gesperrt ist. Seitdem ist es deutlich ruhiger und vor allem für die zahlreichen Kinder im Stadtteil um ein vielfaches sicherer geworden, z.B. Ampeln an der Methfesselstraße und Apostelkirche zu überqueren. All das – und darum steht es hier – natürlich ohne dass auch nur ein Auto weniger in den Straßen ringsum fährt oder parkt; die Anwohnenden erreichen ihr Zuhause ganz offensichtlich auch ohne die Durchfahrt im Langenfelder Damm ganz wunderbar.

Also bitte haben Sie auch in der kommenden Zeit Mut, all diese Vorhaben in die Tat umzusetzen, lassen Sie sich nicht beirren, sondern freuen Sie sich satt dessen darauf, bald in den exklusiven Club derer zu gehören, die die Zeichen der Zeit verstanden haben und konkrete Veränderungen zum Guten bewirken können. Freuen Sie darauf, in Hamburg mit großen Schritten voranzugehen und Vorzeige-Bezirk zu werden.

Und – dies ist vielleicht das Wichtigste:

Städte sind in erster Linie gemeint, wenn es um die Umsetzung der nachhaltigen Entwicklungsziele der UN geht. Sie verursachen 70% der Treibhausgase und es sind die Cities, die die Power haben, Ziele selbst dann umzusetzen, wenn Regierungen bremsen.“

Das schreiben der Ex Bürgermeister von Quito, Ecuador und ein Senior Fellow aus dem Chicago Council on Global Affairs, lesen Sie hier, wieso sie so argumentieren. Bezirke in Millionenstädten wie Hamburg zählen selbstverständlich dazu.

Toll, dass Eimsbüttel in Hamburg der erste ist!

Es wünscht viel Erfolg und  grüßt das Team KURS FAHRRADSTADT.

Fast 5.000 Bürgerinnen und Bürger Hamburgs haben unsere Petition bereits unterschrieben. Für eine nachhaltige Verkehrs- und Mobilitätspolitik in Hamburg. Bist du dabei?

Fahrradtraum auf Edmund-Siemers-Allee

UPDATE: 24.09.2019

Das geschah rund um die Bikelane-Strecke:

 

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Heute morgen trauten Radfahrende ihren Augen nicht: viel Platz statt gefährlicher Radspur neben Schwerlastverkehr auf der Edmund-Siemers-Allee. KURS FAHRRADSTADT richtete für eine halbe Stunde von 9:30-10:00 Uhr eine XXL-Bikelane stadteinwärts ein. Mehr war leider nicht drin aber immerhin für einen Montag Morgen ein gutes Zeichen auch von der Polizei. „Der Verkehr wurde nicht beeinträchtigt“, so das positive Fazit der Polizei nach der Aktion laut Hamburger Abendblatt.

In der halben Stunde Aktionszeit zählten wir 268 RadlerInnen. Insgesamt kamen zwischen 8:00 Uhr und 10:00 Uhr sagenhafte 1.392 RadfahrerInnen vorbeigeradelt! Das sind 1.160 Autos weniger bei einer durchschnittlichen Besetzung von 1,2 Personen. Welche enorme Kapazität die Edmund-Siemers-Allee für klimafreundliche Mobilität hätte, lässt sich nur erahnen. Denn statt ca. 2.000 Personen, die eine KFZ-Spur je Stunde etwa in Autos transportiert, kann die gleiche Spur bis zu 10.000 Radfahrende fassen. Irre, oder?

Wider Erwarten einiger Kritiker gab es keine Beeinträchtigungen für den weiteren Verkehr. Während einzelne Medien im Vorfeld von „Blockade“ sprachen, war die Berichterstattung im Nachgang positiv und wohlwollend. Dem Radverkehr ausreichend Platz zu geben ist nicht schwer und muss nicht teuer sein wie wir heute simuliert haben. Wir haben für den Aufbau der Bikelane heute gerade mal 15 Minuten gebraucht. Darum fordern wir von der Stadt, dass sie es uns nun nachmacht – dauerhaft. Möglichst ab nächster Woche schon. Als klares Zeichen dafür, verstanden zu haben und Radverkehr von nun an ernsthaft fördern zu wollen.

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So geht das. Ganz einfach.

Denn worauf will man denn noch warten, wenn, wie Hamburg selbst sagt, man sogar „Mobilitäts-Europameister“ werden will?

Hamburg plant den Verkehr der Zukunft. Das tun wir gemeinsam mit Ihnen und allen Hamburgerinnen und Hamburgern – dazu gibt es die kontinuierliche Verkehrsentwicklungsplanung. Hamburg zählt deutschlandweit zu den Städten mit den meisten Mobilitätsangeboten. Neben den klassischen und etablierten Verkehrsmitteln wie U-Bahn, S-Bahn und Bus gibt es eine Vielzahl an „Sharing-Angeboten“ für Fahrräder, E-Tretroller und Autos. Die Stadt Hamburg ist entschlossen, europaweit Maßstäbe für nachhaltige Mobilitätskonzepte zu setzen.
(aus Verkehrsentwicklungsplan der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation BWVI Hamburg)

Beim globalen Klimastreik am Freitag, 20. September 2019, waren ca. 100.000 Hamburgerinnen und Hamburger auf der Straße. Es ist Zeit jetzt zu Handeln und nicht noch 3 Jahre weiter zu diskutieren! Jede Menge Ideen, wo es sonst noch losgehen kann, finden sich übrigens auch hier bei der breiten Bürgerbeteiligung von „Hamburg besser machen„.

Wir von KURS FAHRRADSTADT bleiben am Ball!

Zuletzt noch etwas in eigener Sache:

Hallo Polizei, auch bei Ihnen möchten wir uns für die unkomplizierte und freundliche Begleitung sowie Absicherung unserer Simulations-Aktion bedanken.

Bedanken möchten wir uns auch für enorm positive Resonanz, die wir in den sozialen Medien, insbesondere twitter erfahren haben. Es ist immer toll, ein solches Feedback einzusammeln!

tillsteffentweet
Nur einer von vieln, vielen Netz Reaktionen, aus denen Begeisterung spricht.

Hallo ihr Helferinnen und Helfer, ihr alle wart fantastisch heute! Wir haben uns riesig gefreut, dass sich innerhalb kürzester Zeit Leute, sogar solche, die niemand von uns kannte, heute morgen gefunden haben, um uns unter die Arme zu greifen. Das war spitze! Vielen, vielen Dank! Schaut doch gerne mal auf unserer Seite „Mitmachen“ vorbei, bringt euch ein mit neuen Ideen und plant die nächste KURS FAHRRADSTADT Aktion von Beginn an mit! Ist übrigens auch ganz einfach alles.

Danke an alle und bis demnächst,
euer Team

KURS FAHRRADSTADT
Jörn, Andreas, Christine und Kai

kfhhteam

Medienecho:

„Von wegen Mobilitätswende – Auf deutschen Fahrradwegen sind Autos noch immer die größte Gefahr“
SPIEGEL TV Magazin, 21. Oktober 2019, ab Minute 10:30
https://www.spiegel.tv/videos/1637644-spiegel-tv-vom-21102019

„XXL-Radspur am Dammtor und 22.000 Unterschriften für bessere Radwege“
Nahverkehr Hamburg, 24. September 2019

„Premium Radweg an der Uni“
Radweg Hindernisse Hamburg – DANKE 🙂
23. September 2019

„Zwist um Klimaschutz, Kritik an rabiater Polizei, HSV rehabilitiert sich, Radler erobern Edmund-Siemers-Allee“
Tagesjournal, 23. September 2019

17:30 SAT.1 Regional (Hamburg und Schleswig-Holstein)
23. September 2019

„Initiative demonstriert in City für breiten Radweg“
Hamburger Abendblatt, 23. September 2019

Fahrrad-Spur auf der Edmund-Siemers-Allee
„Initiative legt XXL-Radweg an“
HH1, 23. September 2019

„Radweg-Demo in Hamburg Stau-Alarm! Fahrrad-Initiative plant Straßenblockade“
MOPO, 21. September 2019

KURS FAHRRADSTADT Demo / Simulation
Edmund-Siemers-Allee am 23. September 2019

Pressemeldung KURS FAHRRADSTADT vom 18. September 2019

 

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Exzellenz-Uni bekommt Premium-Radweg!

Moin moin!

Nur für eine Woche. Die Klimawoche 2019. Mehr wollten wir nicht, als wir den Vorschlag an Eimsbüttels Bezirksversammlung machten, für diese Zeit einen richtig guten und sicheren Radweg in die City zu schaffen. Von der Rentzelstraße über die Verbindungsbahn und Edmund-Siemers-Allee bis zum Dammtor. Dafür sollte der rechte Fahrstreifen stadteinwärts statt für KFZ Verkehr dem Fahrradverkehr zur Verfügung gestellt werden. Viel zu stark befahrene neue Fahrradstreifen unmittelbar neben dem vorbeidonnernden (Schwerlast-) Verkehr sind an diesen Straßen viel zu schmal und eine Zumutung für jeden Radfahrenden. „Für Schutzengel gebaut“, titelten wir, als sie ganz neu auf die Fahrbahnen gepinselt wurden. Für eine Woche sollte dies mal anders sein. Wir kamen nicht durch mit unserem Vorschlag. Die Zeit zur Vorbereitung wäre zu kurz gewesen. Allein schon dieses Argument in einer Zeit zu bringen, die unverzügliche Entscheidungen zu Gunsten des Klimaschutzes jeden Tag von uns allen verlangen, ist aus unserer Sicht nicht gerade ein Ruhmesblatt.

Kurz nach Eröffnung der neuen Wundergaben für die RadlerInnen

Wenn sich die LokalpolitikerInnen außer Stande sehen, eine so sinnvolle und vor allem symbolträchtige Maßnahme anzuschieben, tut KURS FAHRRADSTADT es eben selbst: Wir freuen uns darum umso mehr, euch mitteilen zu können, dass es uns gelungen ist, für die Edmund-Siemers-Allee nun selbst eine Aktion angemeldet und auch genehmigt bekommen zu haben:

Alle, die am Montagmorgen, 23. September 2019, zwischen 9:30 Uhr und 10:00 Uhr in die Innenstadt radeln, werden ihn erleben können: In dieser Zeit werden wir auf der Edmund-Siemers-Allee bis zur Kreuzung an der Rothenbaumchaussee den kompletten rechten Fahrstreifen abtrennen und ihn euch zur Verfügung stellen – Hamburgs Radfahrerinnen und Radfahrern, die durch ihren Ritt auf dem Fahrrad ohnehin schon einen großen Anteil zum Klimaschutz in dieser Stadt beitragen!

Für euch bedeutet das wesentlich mehr Platz, mehr Schutz, Sicherheit und eine Kapazitätssteigerung der Straße um beachtliche 133% des Personentransportvolumens! Worüber wir uns auch sehr freuen, ist, dass wir dies nicht – wie bisher sonst in Hamburg auf Hauptverkehrsstraßen üblich – am Wochenende oder den späten Abendstunden tun, sondern zum Ende der montäglichen Morgenrushhour, quasi mitten im Verkehrswahnsinn des Alltags in Hamburgs City. An dieser Stelle möchten wir uns für die freundliche und wohlwollende Zusammenarbeit mit der Versammlungsbehörde bedanken.

Darum nun unser erster Aufruf an alle: Steigt insbesondere am kommenden Montag zahlreich auf das Fahrrad um oder verlegt eure jeden Tag gefahrene Route unbedingt über die Edmund-Siemers-Allee, um den super Fahrrad-Highway zu erleben. Durch zahlreiche Unterstützung können wir zeigen, wie dringend der an dieser Stelle auch gebraucht wird. Denn – unser Druck wirkt bereits so! Die Politik scheint immerhin schon ein wenig zu überlegen. Helfen wir also mächtig nach, dass sie nun auch danach handelt! Seht doch mal hier: „Fahrspur-Verlust am Dammtor?“, BILD Hamburg, 02.09.2019

Deshalb freuen wir uns, wenn ihr zahlreich extra deswegen zum Dammtor kommt. Wir wollen mit dieser Aktion während der 11. Hamburger Klimawoche ein möglichst starkes Zeichen setzen! Deshalb freuen wir uns natürlich auch über alle, die bereit sind, uns vor Ort bei der Umsetzung zu helfen. Wir werden viele Hütchen, Verkehrsleitkegel und mobile Pfosten brauchen, bitte kommt damit spätestens um 9:00 Uhr (beschriftet eure Sachen, damit klar ist, wem was gehört!) zu unserem Demostand vorm Dammtor, damit die Absperrung koordiniert abläuft und vor allem schnell steht. Mehr als eine halbe Stunde haben wir nicht! KURS FAHRRADSTADT ist bereits ab 7:30 Uhr an diesem Morgen vorm Dammtor aktiv! Danke schon jetzt für eure tatkräftige Mithilfe, für’s weitererzählen dieser Aktion, teilen in euren Netzwerken. Wer Lust hat, uns mehr und im Vorwege bei der Planung zu unterstützen, kann sich jederzeit gerne bei uns unter kursfahrradstadt@hamburg.de melden und findet einfachen Zugang zu uns über unsere „Mitmachen“ Seite. Für alle, die uns „nur“ vor Ort helfen wollen, haben wir hier noch eine kleine Infoseite eingerichtet.

Unsere Pressemitteilung geht heute (18.09.) an die Hamburger Medien.

Bevor wir die Dammtor-Aktion am kommenden Montag starten, wartet jedoch mit dem nächsten Freitag, 20.09., ein weiteres Großereignis auf euer aller Unterstützung: Der „Globale Klimastreik“.
KURS FAHRRADSTADT berichtete via Socialmedia bereits von dem Mädchen, welches vor einem Jahr einsam mit ihrem Schild „Skolstrejk för klimatet“ vor dem Reichstagsgebäude in Stockholm saß, als Fridays for Future noch überhaupt kein Begriff gewesen ist. Seitdem hat Greta Thunberg Erstaunliches geleistet; hat die Jugend dieser Welt  über alle Kontinente und Grenzen hinweg den Planeten gerockt, seitdem ist das Klima-Thema plötzlich omnipräsent (und übrigens nicht etwa wegen Dürren, Waldbränden, schmelzenden Polen,….) wie es das nie zuvor war. Nun brauchen die Jugendlichen jedoch die Hilfe der Erwachsenen. Der kommende Freitag ist die beste Gelegenheit, ihnen einmal Danke zu sagen und der Klimabewegung weitere Wucht zu verleihen.

KURS FAHRRADSTADT unterstützt dieses Vorhaben. Wir sind dem Klimastreik Unterstützerbündnis beigetreten und rufen deshalb auch zum globalen Klimastreik auf: Geht hin! Alle! Am Freitag. 12 Uhr. Auf dem Jungfernstieg.

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Zuletzt noch einmal ein Sprung an die Elbe, genauer an die Elbchaussee. Da war ja auch mal was. Dort war KURS FAHRRADSTADT im April auf der Straße und hat sie kurzerhand in eine Fahrradstraße umgewandelt. Aus Protest dagegen, dass es auch hier nur Lösungen für den Radverkehr geben sollte, die völlig aus der Zeit gefallen zu sein scheinen oder sogar, noch besser, gar nicht erst vorgesehen waren. Diese Planungen sollten am 2. September im Verkehrsausschuss der Bezirksversammlung Altona vorgestellt werden. Einen Tag vorher wurden diese Tops mir nichts dir nichts einfach gestrichen. Wir haben mal vorsichtig nachgefragt, woran das denn gelegen habe. Zur Antwort bekamen wir:

„ […]der LSBG (Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer) ist für die Planung der Elbchaussee verantwortlich und wollte diese im Verkehrsausschuss vorstellen. Nach Eingang der ersten Stellungnahmen haben sich nun deutlich geänderte Anforderungen an die Planung ergeben. Der LSBG wird die Planungen nun noch einmal punktuell überarbeiten und dann erneut in den VkA geladen werden. Den genauen Zeitpunkt kann ich Ihnen hierzu noch nicht mitteilen.“

Gut, solange ohnehin nur Murks geplant war!

„Deutlich geänderte Anforderungen? Hm…. Ob damit vielleicht sogar Fahrradinfrastruktur gemeint ist?

Es lohnt sich also, KURS FAHRRADSTADT weiter zu unterstützen:
Auf den Straßen, den Demos, nächsten Montag auf der Edmund-Siemers-Allee oder natürlich auch online, indem ihr KURS FAHRRADSTADT’s Brief an den Bürgermeister auf change.org unterzeichnet. Es fehlen nur noch wenige bis zur Schallmauer der 5.000!

Wir wünschen euch eine tolle, inspirierende und sehr aktive nächste Woche! Wir zählen auf euch, wie immer 🙂

Auf die Straße, auf in die Zukunft!

Herzliche Grüße

dein Team KURS FAHRRADSTADT

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Nachhaltigkeitsexpertin redet Hamburg ins Gewissen

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KURS FAHRRADSTADT supports the Sustainable Development Goals

Folgenden Text hat unsere KFHH-Mitstreiterin Christine heute an die Hamburger Politik und oberste Verwaltungsebene geschickt:

Offener Brief: Mobilität in Hamburg

Warum schreibe ich Ihnen als Hamburger Bürgerin?
Ich möchte Sie bitten, sich Herrn Professor Hermann Knoflacher, Verkehrsexperte aus Wien bis zum Schluss anzuhören und daraus etwas mitzunehmen: https://youtu.be/L_ogFG3cpdg („Zurück zur Mobilität – Anstöße zum Umdenken in Zeiten des Klimawandels“, 2013 und weiterhin relevant)

Sie müssen das Nachfolgende nicht mehr lesen, wenn Sie das Video angesehen haben. Wenn Sie verstehen wollen warum ich Ihnen schreibe, freue ich mich, wenn Sie dennoch weiterlesen. Diese Mail geht als offener Brief an Hamburger Medien sowie an ausgewählte Personen aus der Verkehrs- und Städtebauplanung sowie an die Hamburgische Architektenkammer.

Ich möchte Sie bitten, das Thema Mobilität aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

Ich möchte Sie dringend bitten, der Mehrheit der Hamburgerinnen und Hamburger ihre Mobilität im Verständnis von Prof. Knoflacher zurück zu geben.

Ich möchte nicht länger hören und geantwortet bekommen, dass man prüft, abwägt und dann doch so weitermacht wie bisher.

Ich möchte nicht länger medial polarisiert werden oder auf andere politische Mehrheiten mit Wahlversprechen warten, die Polizei als Freund und Helfer vermissen, wenn es um Sicherheit im Straßenverkehr geht (vergebliche Kämpfe von tausenden HamburgerInnen für Tempo 30) oder autofreie Minizonen als große temporäre Versuche verkauft bekommen, die man rückabwickeln kann. Sie sind andernorts Realität in ganz anderen Dimensionen, es ist bereits alles hierzu gelernt.

Ich möchte, dass Sie sich von der autogerechten Stadt verabschieden und das öffentlich kundtun (so wie München) und an verbleibenden Kreuzungen und noch besser an allen Ampeln automatische Blitzanlagen bei Rotlichtverstößen integriert werden. Auch das ist in anderen Bundesländern jahrelange Praxis (u.a. NRW). Die Investition dürfte sich über die Einnahmen in der Anfangszeit sicherlich amortisieren.

Ich wünsche mir, dass Hamburg aus der Mikroebene von Mobilitätslaboren und dem Ansatz allen gerecht zu werden herauskommt und das Große Ganze in den Blick nimmt sowie energisch dazu beiträgt, dass sich gesetzliche Rahmenbedingungen verändern (StVO, etc.), bereits jetzt vorhandene gesetzliche Spielräume zugunsten von Sicherheit, Gesundheit und Klimaschutz genutzt werden und oberste Priorität haben.

Ich wünsche mir eine Parkraumbewirtschaftung wie in Helsinki.

Ich schließe mich voll und ganz der Forderung der Hamburgischen Architektenkammer an, anstehende Um- und Neubauten von Straßen und Plätzen nur noch in interdisziplinären Teams zu planen und dabei städtebauliche, soziale, freiraumplanerische, ökonomische und verkehrliche Erfordernisse zusammenzudenken.

Ich möchte nicht mehr zusehen wie Verantwortung verschoben und wichtige Zeit für Veränderungen vergeudet wird.

Ich möchte, dass Hamburg vom „Virus Auto“ (Zitat Knoflacher) befreit wird und nicht mit dem nächsten Virus „autonom fahrendes Auto“ als vermeintliche Lösung infiziert wird.

Und ich wünsche mir eine differenziertere Betrachtung des Themas Verkehr und seiner klimarelevanten Bedeutung vor dem Hintergrund von Hafenlogistik und Wirtschaftsverkehren in einer Stadt, die knapp 2 Millionen Menschen beherbergt und die soziale Dimension der Gesunderhaltung und der Lebensqualität ihrer Bürgerinnen und Bürger regelmäßig an zweiter Stelle nennt (siehe alternativ Rotterdams Konzept der Zero Emission Stadtlogistik).

Ich wünsche mir neben aller Technikdiskussion die Rückbesinnung auf das menschliche Maß – dem Menschen als Individuum und soziales lebendes Wesen im urbanen Raum.

Ich wünsche mir eine klare Vision für das Hamburg der Zukunft, mehr Reallabore, die testen, ausprobieren und aus den Erfahrungen in die kostenrelevante Umsetzung gehen wie in der Metropolregion Amsterdam. Dazu gehört ein Weniger an „entweder-oder“ (Stadtbahn) zugunsten eines „sowohl-als auch“.

Ich möchte keinen Kopfairbag bei der Aktion „Hamburg gibt Acht“ gewinnen, sondern den täglichen Weg auf Hamburgs Straßen ganz selbstverständlich überleben. Ich möchte nicht mehr dreimal innerhalb eines Halbjahres in der Innenstadt und in Eimsbüttel durch Rotlichtraser überfahren werden, wenn ich von meinem Recht Gebrauch gemacht hätte, bei Grün über die Fußgängerampel zu gehen.

Ich möchte Kinder in der Stadt außerhalb von eingezäunten Spielplätzen spielen und auf sicheren Wegen zur Schule Radfahren sehen – in einer kindgerechten Stadt.

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Photo by Jordan Rowland on Unsplash

Ich bitte um mehr Bescheidenheit und Ehrlichkeit bei dem Blick auf bisher Erreichtes sowie Mut bei der Umgestaltung unserer Stadt unter Einbezug wissenschaftlicher Expertise, interdisziplinärer Teams und einem Fokus auf konkrete Umsetzung.

Ich bitte Sie zu bedenken, dass uns allen (nur) noch zehn Jahre bleiben, bis diese Stadt im Sinne des Nachhaltigkeitsziels 11 (SDG) inklusiv, sicher, resilient und nachhaltig ist und 30 % der CO2-Emissionen im Verkehrssektor eingespart hat. Es geht nicht um das Ob sondern um das Wie. Das bedarf gemeinsamer Anstrengungen und einer großen Gestaltungsfreude im Hier und Jetzt. Danke, dass Sie bis hierhin gelesen haben.

Ich freue mich, wenn ich zu einer lebendigen sachorientierten Diskussion beitragen kann, die ab sofort dazu beiträgt, dass wir eine andere Hamburger Mobilitätszukunft gestalten.

Vielen Dank und freundliche Grüße

Christines Wünsche für Hamburg gefallen dir? Dann helfe auch du, den Druck auf Hamburgs Politik weiter zu erhöhen durch Unterzeichnung des offenen Briefes von KURS FAHRRADSTADT (vom 19. September 2016), den bis heute fast 5.000 Menschen unterschrieben haben

Ziel 11

Ziel 11 der UN- „Ziele für nachhaltige Entwicklung“ beschäftigt sich mit den Städten dieser Welt. Ziel ist: „Städte und Siedlungen inklusiv, sicher, widerstandsfähig und nachhaltig gestalten“. Ziel 11 ist dabei wiederum auf 10 Unterziele aufgesplittet:

11.1 By 2030, ensure access for all to adequate, safe and affordable housing and basic services and upgrade slums

11.2 By 2030, provide access to safe, affordable, accessible and sustainable transport systems for all, improving road safety, notably by expanding public transport, with special attention to the needs of those in vulnerable situations, women, children, persons with disabilities and older persons

11.3 By 2030, enhance inclusive and sustainable urbanization and capacity for participatory, integrated and sustainable human settlement planning and management in all countries

11.4 Strengthen efforts to protect and safeguard the world’s cultural and natural heritage

11.5 By 2030, significantly reduce the number of deaths and the number of people affected and substantially decrease the direct economic losses relative to global gross domestic product caused by disasters, including water-related disasters, with a focus on protecting the poor and people in vulnerable situations

11.6 By 2030, reduce the adverse per capita environmental impact of cities, including by paying special attention to air quality and municipal and other waste management

11.7 By 2030, provide universal access to safe, inclusive and accessible, green and public spaces, in particular for women and children, older persons and persons with disabilities

11.A Support positive economic, social and environmental links between urban, peri-urban and rural areas by strengthening national and regional development planning

11.B By 2020, substantially increase the number of cities and human settlements adopting and implementing integrated policies and plans towards inclusion, resource efficiency, mitigation and adaptation to climate change, resilience to disasters, and develop and implement, in line with the Sendai Framework for Disaster Risk Reduction 2015-2030, holistic disaster risk management at all levels

11.C Support least developed countries, including through financial and technical assistance, in building sustainable and resilient buildings utilizing local materials

Mehr ausführliche Informationen dazu findet ihr hier:
https://www.un.org/sustainabledevelopment/cities/

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Image by pixababy / Shon Ejai

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Kommt jetzt Hamburgs erste extra-breite Protected Bikelane bis zum Dammtor?

Hallo allerseits,

nach einiger Zeit der Ruhe melden wir uns nun wieder zurück.
Vieles ist passiert in den letzten Wochen: Von Verkehrsminister Scheuers Ideen, für bestimmte Verhaltensweisen höhere Bußgelder verlangen zu wollen (sehr gut!) oder Busspuren für Autos zu öffnen, in denen mindestens drei Leute sitzen (das letzte Aufbäumen der KFZ-Lobby?), über weiter steigende Unfallzahlen mit Radfahrenden, Kinder, die immer noch und gerade wieder auf Hamburgs Straßen ums Leben kommen oder, gerade ging es durch die Presse, die Grünen seien für Gratis-HVV-Monatskarten für Hamburgs SchülerInnen und Schüler nicht zu haben – schade, aber sie wollen demnächst mit besseren Ideen überzeugen. Zudem brennt allerorten der Wald, ob in Brasilien oder Sibirien und auf Grönland werden Gletscher zu Kreuze getragen.
Wir möchten uns aber nun nicht im Kleinklein der vielen Dinge verlieren, sondern einfach mal wieder etwas tun, was Dinge anschieben kann. Konkret. In unserer Stadt. Für alle. Jetzt.

Demnächst zelebriert Hamburg vom 22. bis zum 29. September die „11. Hamburger Klimawoche“. Warum das nicht einfach zum Anlass nehmen und in dieser Woche mal zeigen, wie Klimaschutz ganz sinnvoll genau dort umgesetzt werden kann, wo es einfach möglich wäre:
Für eine Woche wünschen wir uns, dass die neuen und jetzt schon völlig unzureichenden Fahrradstreifen Richtung stadteinwärts auf den Straßen an der Verbindungsbahn, Bundesstraße und Edmund-Siemers-Allee bis hin zum Theodor-Heuss-Platz am Bahnhof Dammtor und zur Ecke Dammtordamm Verstärkung bekommen – in Form eines wesentlich breiteren Radweges, durchgehend, von Anfang bis Ende, schön abgetrennt mit aufgestellten Gittern. So wird das Leben für all jene leichter und sicherer, die an dieser Haupteinfallsmagistrale tagtäglich auf ihren Rädern oder Rollern in die City unterwegs sind. So macht es Spaß, zur Ausbildung, Arbeit, zum Shoppen oder sonst wohin zu fahren, so wird umsteigen vom Auto auf das Rad zur Freude. Ganz nebenbei wird damit auch noch das Hamburger Klima geschont. Es wäre ein gutes, ein starkes Zeichen, welches zeigt, wohin die Reise der Fahrradstadt Hamburg gehen wird und muss.

KURS FAHRRADSTADT hat darum einen Eilantrag an alle Fraktionen in der Bezirksversammlung Eimsbüttel gesendet mit der Bitte, diesen auf der kommenden Bezirksversammlung am 29. August zur Abstimmung zu stellen. Hierin bittet der Bezirksamtsleiter die Verkehrsbehörde, kurzfristig eine Sperrung des rechten KFZ-Fahrstreifens zu veranlassen und diesen für Radverkehr freizugeben.
Das Schreiben, welches wir per Mail versendet haben, könnt ihr hier einsehen: (Dokument-Download)

In Zeiten, in denen der Klimawandel in aller Munde ist, in denen viel über ihn geredet, geschrieben sowie kleinkariert verhandelt wird und vor allem Hamburg selbst das Klima mit einer eigenen Woche feiert, sollte der politische Wille, diesem auf einfachen und unkomplizierten Wege etwas Gutes zu tun, absolut selbstverständlich sein! Und welcher Ort bietet sich dafür in Hamburg besser an, als der, der direkt an der nun neuen Exzellenz-Universität vorbeiführt?

Liebe Politikerinnen und Politiker, zeigen Sie einmal, dass es auch anders geht!

Wir bleiben am Ball und werden über den Ausgang der Sache berichten.

Es grüßt herzlich euer Team

KURS FAHRRADSTADT

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Falls nicht – hier könnt ihr es gerne tun