Gefahrengebiet entschärft – Rad Demo auf der Osterstraße

Liebe alle,

für die Osterstraße war es gestern ohne Frage ein turbulenter Tag. Wir von KURS FAHRRADSTADT waren daran nicht ganz unschuldig.

Etwa 100 Leute waren unserem Demoaufruf gefolgt. Sie kamen mit ihren Rädern, brachten Klobürsten, Pömpel, Blumenpötte und Dosen mit. Um 13 Uhr besetzten wir ab der Ecke Hellkamp den Fahrrad-Nichtmal-“Schutz“streifen und trennten ihn auf einer Breite von etwa 1,50 Metern vom übrigen Autoverkehr ab. Auf einer Länge von etwa 100 Metern war ab nun aus einem traurigen „Scherzstreifen“ ein Radweg geworden, den die wartenden Radfahrer im nächsten Moment begeistert in Beschlag nahmen. Endlich konnte hier drauflos geradelt werden, jung und alt schwang sich auf den Sattel, ohne die neue Dauerangst im Nacken zu haben, gerade hier an dieser Stelle ständig von Autos geschnitten, abgedrängt oder ausgebremst zu werden. Diverse Journalisten versammelten sich an der Straße und Autos bekamen zu spüren, was sonst den Radfahrenden vorbehalten ist – sie mussten warten und sich gegenseitig durchlassen. Kurz später hielt es die Polizei für angemessener, stadtauswärts einfach gar keine Autos mehr passieren zu lassen.

Neugierigen Passanten und Demoteilnehmenden erläuterten wir die Hintergründe, die letztlich zu dieser Verschlimmbesserung führten und warben für die Ziele von KURS FAHRRADSTADT sowie weitere Unterschriften für die Online-Petition bei change.org. Den nächsten Schritt Richtung 2.000 haben wir erreicht – die 1.700 sind mittlerweile eingetütet. (Ich möchte dabei sein und auch unterzeichnen!)

 

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Danke, Team „@RadwegH“/twitter!

Eine Stunde zuvor wurde einige Meter weiter rauf die „preisgekrönte“ Osterstraße durch Eimsbüttels Bezirkschef Kay Gätgens und den Staatsrat der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation, Andreas Rieckhof, eingeweiht. Während der Selbstbeweihräucherungsaktion vor vergleichsweise eher spärlichem Publikum hielten wir bereits Plakate hoch, „Stoppt den Autowahnsinn“, „Osterstraße – Augen zu und alle durch“, „Hier radelt jetzt die Angst mit!“ oder auch, in Anspielung auf die Tatsache, dass unsere Staustadt 2021 Gastgeber des Welt-Mobilitätskongresses ist, „Danke, City of Solutions“. Für Rieckhof dagegen ist der Umbau sehr gelungen, er sieht hier die Zukunft von Hamburger Geschäftsstraßen. Uns demonstrierenden Radfahrenden sagte er: „Auch Hardcore-Fahrradfahrer, wenn sie nicht mit Blindheit geschlagen sind, müssen sehen, dass sich viel verbessert hat“. Damit ist er in guter Gesellschaft mit dem Hamburger Fahrradclub adfc, der in seiner Pressemitteilung in höchsten Tönen von der neuen Boulevardstraße und dem tollen Raderlebnis spricht, welches man hier erleben könne.

Ich hätte dazu auf unserer Demo gerne noch einiges gesagt. Leider fiel aber die Lautsprecheranlage aus, was dem Spaß am neuen Radweg jedoch nicht minderte.

Deshalb möchte ich auf zwei Dinge noch einmal eingehen:
Nein, Herr Rieckhof, wir sind weder Hardcore-Fahrradfahrer noch sind wir blind. Selbstverständlich nehmen wir zur Kenntnis und freuen uns auch aufrichtig darüber, dass die Umgestaltung dieser Straße für Fußgänger mehr als nur Verbesserungen gebracht hat. Ohne Frage hat die Aufenthaltsqualität deutlich zugenommen. Das ist gut, aber das war es leider auch schon. Was Radfahrende, und – ja, sogar Autofahrende betrifft, hat sich schlicht vieles verschlechtert. Damit meine ich noch nicht einmal den Abbau von vielen Parkplätzen. Oder meinen Sie, dass es für KFZ-Lenkende einfacher wird, im engen und belebten Straßenkorsett der Osterstraße den Überblick und Nerven zu behalten? Die Feierlichkeiten rund um die Eröffnung an diesem verkaufsoffenen Sonntag lieferten auch gleich die passenden Bilder: Menschentrauben sammeln sich um Musiker herum, laufen, stehen und tanzen halb auf der Straße. Es könnte so schön sein. Nur leider scheint in diesem Bild in Hamburg etwas zu fehlen, wenn nicht vorbeirauschende Autos im Vordergrund zu sehen sind. Schade.

Zweitens wurde ich des öfteren gefragt, warum wir gerade hier unsere Protected Bike-Lane eingerichtet haben. Hier, wo die Osterstraße dafür überhaupt gar keinen Platz hergeben würde.

Einerseits ist es unser Anliegen, schlicht auf die quasi nicht vorhandene Fahrradinfrastruktur hinzuweisen, die an dieser Stelle eindrucksvoll zu begutachten ist. Zu verdanken ist dieser kümmerliche Rad-Nixweg wohl einem Kompromiss. Ein Kompromiss, der es allen Verkehrsbeteiligten gleich recht machen wollte, kann auf einer so engen Straße nicht funktionieren und hat somit einer wirklichen Stärkung des Zentrums von Eimsbüttel buchstäblich den Weg verbaut. Andererseits ist diese völlige Fehlplanung in unseren Augen nur eine von vielen, für deren Vermeidung sich KURS FAHRRADSTADT in seinen Forderungen an unseren Bürgermeister einsetzt. Sinnvolle Entscheidungen und Maßnahmen zu Gunsten eines priorisierten Umweltverbundes und diese auch gegen Widerstände durchzusetzen, sind daher Kernforderungen der Online Petition KURS FAHRRADSTADT.  Dies war der Grund für das Entschärfen des „Gefahrengebiets Schutzstreifen“ durch Klobürsten und Co..

Ganz nebenbei spielte sich während der Rad-Demo ein Szenario ab, welches wahrscheinlich den Wenigsten wirklich aufgefallen war: Eine dreiviertel Stunde lang war dieser Osterstraßenabschnitt defacto zur Einbahnstraße geworden. Übrigens eine Variante, die vor dem Umbau auch gefordert und abgelehnt wurde sowie eine ganze Menge im Gepäck hat: Zusätzlichen Freiraum.

Wir – und ich – haben uns sehr über die erste große, eigenständige und gelungene Outdoor-Aktion gefreut. Danke an alle, die dabei waren und geholfen haben! Wir freuen uns auch über ein beachtliches Medienecho (siehe Links ganz am Ende dieser News). In Zukunft wird KURS FAHRRADSTADT sicher öfter auf den Straßen und Radwegen unserer Stadt präsent sein, um vor allem für eines zu werben: Für eine Stadt, die durch Lebensqualität begeistert. Für eine Stadt, in der Radfahren wieder mehr wird als nur von A nach B zu kommen. Für eine Stadt, in der es einfach wieder richtig Spaß bringt, sich auf’s Rad schwingen.

Bis dahin stellen wir uns im Traum einfach mal vor, dass das, was im folgenden Video zu sehen ist, in Hamburg und nicht in Vancouver ist…..

KURS FAHRRADSTADT muss in ganz Hamburg präsent werden – nicht nur im Netz, auch auf der Straße!

Wo könnte oder sollte die nächste KURS FAHRRADSTADT Aktion stattfinden, und wie? Ideen, Anregungen, Mitmachen, alles geht – meldet euch gerne!
kursfahrradstadt@hamburg.de

Jetzt schnell KURS FAHRRADSTADT unterzeichnen?

Demo und Osterstraßeneröffnung in den Medien:

Mopo: 5.11.2017
„Demo in Eimsbüttel: Radfahrer protestieren gegen umgebaute Osterstraße“
https://www.mopo.de/28770074 ©2017

Hamburger Abendblatt: 5.11.2017
„Eimsbüttel feiert die preisgekrönte neue Osterstraße“
https://www.abendblatt.de/hamburg/eimsbuettel/article212446489/Eimsbuettel-feiert-die-preisgekroente-neue-Osterstrasse.html

NDR: 5.11.2017
„Wiedereröffnung und Rad-Demo in der Osterstraße“
https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/Neueroeffnung-und-Rad-Demo-in-der-Osterstrasse,osterstrasse146.html

Bild: 5.11.2017
„Ende gut – alles gut in der neuen Osterstraße“
http://www.bild.de/regional/hamburg/bauarbeiten/ende-gut-alles-gut-in-der-osterstrasse-53743134.bild.html

Eimsbütteler Nachrichten: 6.11.2017
„Osterstraße feierlich eingeweiht – inklusive Fahrraddemo“
https://www.eimsbuetteler-nachrichten.de/osterstrasse-feierlich-eigeweiht-fahrraddemo/

ZEIT Online – Elbvertiefung Newsletter, 3.11.2017
„Hamburg will ab 2025 keine Kohle mehr“
http://www.zeit.de/hamburg/2017-11/elbvertiefung-03-11-17

ZEIT Online – Elbvertiefung Newsletter, 6.11.2017
„Wird Hamburg zur Ballermann-City?“
http://www.zeit.de/hamburg/2017-11/elbvertiefung-06-11-17

Pressemitteilung adfc Hamburg zum Umbau der Osterstraße, 3.11.2017
„Osterstraße nach Umbau: Viel besser als vorher, aber nach wie vor nicht konfliktfrei“
https://hamburg.adfc.de/news/osterstrasse-nach-umbau-viel-besser-als-vorher-aber-nach-wie-vor-nicht-konfliktfrei/

Nahverkehr HAMBURG, 7. 11. 2017
„Umbau der Osterstraße ist fertig – und es gibt Kritik“
http://www.nahverkehrhamburg.de/umbau-der-osterstrasse-ist-fertig-und-es-gibt-kritik-8844/

Rad DEMO am 5.11.2017 „Gefahrengebiet Schutzstreifen entschärfen“

Am kommenden Sonntag, 5. November 2017, ruft die Aktion „KURS FAHRRADSTADT“ zur Fahrraddemo für mehr Radfahrsicherheit in Hamburg auf. Treffpunkt: Osterstraße / Ecke Hellkamp um 13.00 Uhr.

Kurz zuvor wird der mehrjährige Umbau der Osterstraße um 12.00 Uhr auf dem Fanny-Mendelssohn-Platz an der U-Bahn Haltestelle für beendet erklärt. Die neue Flaniermeile wird dann offiziell durch Eimsbüttels Bezirksamtschef Kay Gätgens und den Staatsrat der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation, Andreas Rieckhof, eingeweiht. Im Anschluss soll es ein „kleines Rahmenprogramm“ geben. Nachdem sie sich gefeiert haben, wollen wir wenige Meter weiter um 13.00 Uhr zeigen, was der Umbau uns Radfahrenden gebracht hat – nämlich nicht einmal mehr Schutzstreifen.

Daher sorgen wir für ein großes Rahmenprogramm und bauen uns selber eine Protected Bike Lane! Seid kreativ, bringt Klobürsten, Pömpel, Kegel, Hütchen, Kuscheltiere, Räder, Lastenräder, Radanhänger, Plakate, Tempo30 Schildchen und einfach gute Laune mit, auf dass wir alle gemeinsam das Gefahrengebiet „Schutz“streifen entschärfen können.

Die Osterstraße steht stellvertretend für viele neue Bauvorhaben, bei denen Radfahrende höchstens die zweite, wenn nicht gar die dritte Geige spielen. Damit muss in Hamburg Schluss sein! Fast 1.700 Menschen fordern daher bis heute unseren Ersten Bürgermeister auf, Prioritäten in der Verkehrspolitik endlich neu zu setzen. Auch du kannst dich einreihen und mitmachen: KURS FAHRRADSTADT auf change.org unterzeichnen und am Sonntag zur Rad-Demo kommen.

Wir sehen uns auf der Osterstraße!

Kai Ammer und Team KURS FAHRRADSTADT

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Warum, weshalb, wieso?
Hintergründe zum Thema findet ihr in unserem KURS FAHRRADSTADT FAQ